E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 21°C

Vater gesteht: Richter befragt im Mordprozess die zehnjährige Tochter des Angeklagten

Von 25 Messerstiche – das Opfer hatte keine Chance. Im Prozess um die Bluttat in Weißkirchen sagte gestern der Angeklagte aus. Ein besonders schwieriger Tag war es für die Kinder des Mannes: Bei Gericht wurden sie zu dem Abend befragt, an dem ihre Mutter getötet worden war.
Ein hölzerner Hammer liegt auf der Richterbank in einem Verhandlungssaal. Foto: Uli Deck/Archiv Ein hölzerner Hammer liegt auf der Richterbank in einem Verhandlungssaal.
Weißkirchen. 

Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen – so lautet die Anklage gegen einen Familienvater. Am 30. Oktober 2017 soll der Mann in Weißkirchen seine neun Jahre jüngere Ehefrau mit 25 Messerstichen getötet haben. Am gestrigen Dienstag wurde die Verhandlung gegen den 41-Jährigen vor der 21. Großen Strafkammer des Landgerichts Frankfurt fortgesetzt.

Blumen und Grablichter vor der Tür des Opfers.
Bluttat Frau getötet: Mutmaßlicher Mörder ist hinter Gittern

„Liebe Vio, Du wirst immer in meinem Herzen bleiben“, steht auf dem Zettel, daneben große Herzchen. Zwei Tage nach dem mutmaßlichen Mord an einer 31-Jährigen im Oberurseler Stadtteil Weißkirchen

clearing

Im Gericht legte der Mann ein Geständnis ab: „Ich kann mir die Tat nicht erklären, ich habe meine Frau geliebt.“ Er habe der Familie großes Leid zugefügt. Seine Eltern und weitere Verwandte saßen zu dieser Zeit in dem durch eine Glaswand abgetrennten Zuschauerraum. Sein Geständnis hatte der Mann auf Papier niedergeschrieben, das anschließend von seinem Anwalt verlesen wurde.

Aus der Schilderung des Angeklagten war zu erfahren, dass er in Serbien geboren und aufgewachsen ist. Später zog er nach Deutschland, um hier als Autoschlosser zu arbeiten. Seine Ehefrau lernte er in Offenbach kennen. Sie seien eine harmonische Familie gewesen, in der viel gelacht worden sei. Neben seiner Tätigkeit als Hausmeister habe er weitere Arbeiten ausgeführt, damit die Familie gut leben konnte. Die Ehefrau habe sich vor allem um die Kinder gekümmert. Wie der Mann weiter schilderte, sei seine Schwiegermutter gegen die Ehe gewesen und habe die Tochter oft gegen ihn aufgehetzt.

Seine Frau habe dann irgendwann angefangen, leichte Beruhigungstabletten zu nehmen, etwa fünf am Tag. Warum sie zu Tabletten griff, sagte der Angeklagte nicht. Stattdessen führte er an, dass auch er später Beruhigungstabletten genommen habe. Zum Zeitpunkt der Tat seien es sieben bis acht Tabletten am Tag gewesen.

In der Beziehung des Paars gab es Spannungen. Mit ein Grund hierfür sei gewesen, dass seine Ehefrau plötzlich Mini-Röcke getragen und viele Fotos von sich gemacht habe, so die weitere Schilderung des Angeklagten. Er habe dann herausbekommen, dass die Ehefrau Kontakt zu einem Mann unterhalte. Dieser hatte dem Ehemann offenbar versichert, dass nichts zwischen ihm und der Frau sei. Trotzdem verschärfte sich der Streit zwischen den Eheleuten. Dann folgte zwei Tage vor der Tat die Trennung. Der Mann zog aus. Aber er habe mit seiner Ehefrau telefonischen Kontakt unterhalten, so die Aussage. Sie habe ihn um Rückkehr gebeten, was er am 30. Oktober spätabends auch tat.

Sie hätten sich sofort umarmt und geküsst, berichtete er. Dennoch führte die Eifersucht des Mannes offenbar wieder zu Spannungen und Streit. Dann sei es zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen, so der Angeklagte. „Sie hat mich in der Küche geschubst und auf die Brust geschlagen.“ Er habe sie weggestoßen und dann in der Küche ein auf der Arbeitsplatte abgelegtes Messer ergriffen. „Was dann geschah, weiß ich nicht. Ich kann nicht sagen, warum, wie und wie oft ich zugestochen habe.“

Nach der Tat war der Mann noch kurz zu den Kindern gegangen und hatte gedroht, dass ihnen etwas passiere, wenn sie die Polizei riefen. Wenig später stellte sich der damals 40-Jährige der Polizei.

Trauma erlitten

Bei der gestrigen Verhandlung wurden auch die ältesten Töchter des Angeklagten gehört. Auf ihren Wunsch war der Vater zu diesem Zeitpunkt nicht im Gerichtssaal. Sie hätten jetzt noch unter „posttraumatischen Belastungsstörungen“ zu leiden, sagte Richter Volker Kaiser-Klan. Mit Einfühlungsvermögen führte er das Gespräch mit der zehnjährigen Tochter. Von ihr war zu erfahren, dass es öfter Streit zwischen Mama und Papa gegeben hatte. „Papa war böse zur Mama“, sagte das Mädchen. „Er hat sie beschimpft und ihr auch mit der Hand auf die Backe gehauen.“ An dem Tatabend habe die Mama plötzlich laut um Hilfe geschrien. Dann sei der Papa kurz ins Wohnzimmer gekommen und habe gesagt, sie sollten niemanden anrufen, sonst passiere ihnen etwas. Danach fanden die Kinder die Mutter blutend in der Küche liegend. Ihr Cousin (14), der an jenem Abend mit in der Wohnung war, setzte daraufhin einen Notruf ab. Doch für das Opfer kam jede Hilfe zu spät.

Am heutigen Mittwoch wird die Verhandlung fortgesetzt.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen