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Tradition: Schreiner Christoph Klomann schafft Übergang über den Weiherbach

Von Christoph Klomann ist ein Pontifex im Wortsinn: Aus alten Kerbebäumen baute er eine Brücke über den Weiherbach, damit die Schloßborner trockenen Fußes zum Grillplatz Ehlhalten gelangen. Gleichzeitig schuf er damit ein Symbol der Freundschaft zwischen dem Hochtaunus- und dem Main-Taunus-Kreis.
Der Übergang hält und trägt, was er verspricht: Brückenbauer Christoph Klomann und Hermine Link vom Naturpark Taunus machen die Probe aufs Exempel. Bilder > Foto: David Schahinian Der Übergang hält und trägt, was er verspricht: Brückenbauer Christoph Klomann und Hermine Link vom Naturpark Taunus machen die Probe aufs Exempel.
Schloßborn/Ehlhalten. 

Manch gute Sache entsteht, wenn persönliche Betroffenheit, Ideenreichtum und Tatkraft zusammentreffen. Zugegeben, der Weiherbach ist kein reißender Strom. Aber wer von Schloßborn aus auf den beliebten Grillplatz Ehlhalten will, musste bisher über dürftig zusammengelegte Stöcke und Äste laufen und einiges an Höhe überwinden: Das Bachbett liegt mehr als einen Meter tiefer als der Erdboden auf beiden Seiten. Umgekehrt galt für die Nutzer des Grillplatzes: Wer zur etwas höher gelegenen Quelle in Richtung Schloßborn will, um seine Getränke zu kühlen, lief Gefahr, bei einem falschen Tritt selbst im Wasser zu landen.

„Meine beiden Kinder, fünf und neun Jahre alt, spielen gerne an dem Grillplatz“, berichtet Christoph Klomann. Vor Ewigkeiten gab es schon einmal einen Übergang, doch war der längst Wind und Wetter zum Opfer gefallen. Seine Idee reifte rund um die Schloßborner Kerb 2017: Warum nicht eine Brücke bauen? Wie es geht, wusste er als Schreiner in langjähriger Familientradition.

Besser als Brennholz

Der Kerbebaum wird üblicherweise gegen einen geringen Obolus versteigert und endet als Brennholz. Seinerzeit gab es sogar zwei Bäume, weil sich der erste als zu groß, mächtig und damit gefährlich erwiesen hatte. „Ich fragte die Kerbeburschen, ob ich die Stämme für einen guten Zweck bekommen könnte“, sagt Klomann. Die sagten umgehend zu.

Das Holz aus dem Schloßborner Luloch und guter Wille reichten jedoch noch nicht aus. Der Grillplatz und, wie sich herausstellte, der fragliche Übergang liegen nicht auf Schloßborner Gemarkung, und damit nicht einmal im Hochtaunuskreis. „Ich habe mir zusammen mit Eppsteins Bürgermeister Alexander Simon die alten Karten angeschaut“, erklärt Klomann lächelnd. Die Grenze verläuft etwa 18 Meter weiter oben Richtung Quelle. Für die Betreuung des Platzes indes zeichnet wiederum der Naturpark Taunus verantwortlich.

Naturpark unterstützt

Seit Victor Hugo weiß man jedoch, dass nichts mächtiger ist als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Simon unterstützte die Idee sofort, und auch der Naturpark gab grünes Licht. „Für uns ist die Brücke eine Bereicherung“, sagt Hermine Link, förstliche Beraterin beim Naturpark. Der Zweckverband hat ohnehin vor, den Grillplatz aufzuwerten. So könnte die Grillhütte eine Schönheitskur vertragen, und auch einige Tischgruppen sollen wieder aufgestellt werden.

Nachdem die nötigen Genehmigungen eingeholt waren, konnte die alte Gattersäge in Gang gesetzt werden. Das gute Stück stammt aus dem Jahr 1947, dem Gründungsjahr der Schreinerei Klomann. Die Säge kommt längst nur noch zu besonderen Anlässen zum Einsatz: „Sie hat historischen Wert, so etwas schmeißt man nicht weg.“

Im Herbst wurde das Grundgerüst der Brücke aufgebaut und mit einem provisorischen Dach versehen. Die Brücke ruht auf Querbalken, ein Betonfundament schied aus Gründen des Umweltschutzes aus. In den vergangenen Wochen erhielt der Übergang schließlich seinen Feinschliff: „Für mich war wichtig, dass sie eine Weile hält“, so Klomann. Die Brücke wurde gestrichen, das Dach gegen Feuchtigkeit geschützt, der First mit einem Winkelblech versehen, die Auftritte mit sogenanntem Alu-Riffelblech gegen Verwitterung geschützt. Und das Sahnehäubchen: Auf beiden Zugangsseiten wurde ein Wappenschild des jeweiligen Ortes angebracht. Auch das genehmigte Simon, und sah dabei großzügig über die 18 Meter Entfernung bis zur tatsächlichen Gemarkungsgrenze hinweg.

Insgesamt hat Christoph Klomann rund 2 700 Euro an Materialkosten und 60 Stunden Arbeitszeit in das Kleinod investiert. Darin sind die Kosten für das Holz, die noch einmal mit etwa 1500 Euro zu Buche geschlagen wären, nicht eingerechnet. Es hat sich gelohnt: Die landkreisverbindende Brücke wird eifrig genutzt – nicht nur von Christoph Klomanns Kindern.

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