Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Genehmigung widerrufen: Schulamt zieht im Fall Main/Taunus International School die Reißleine

Eine Schule ohne Strom und Heizung und „Weihnachtsferien“ schon ab November – das gibt es wohl nur in Friedrichsdorf. Das Staatliche Schulamt hat die Main/Taunus International School an der Hugenottenstraße faktisch aufgelöst.
Leere Räume: Seit Ende November findet kein Unterricht mehr in der Main/Taunus International School statt. Foto: Jochen Reichwein Leere Räume: Seit Ende November findet kein Unterricht mehr in der Main/Taunus International School statt.
Friedrichsdorf. 

Über ausbleibende Mietzahlungen und eine abgedrehte Stromversorgung bei der Main/Taunus International School (MTIS) musste die Taunus Zeitung schon mehrfach berichten. Nun eskaliert die Sache: „Wir haben die Genehmigung der Schule widerrufen“, sagte André Linhart vom Staatlichen Schulamt gestern Nachmittag. Per Fax und Post untersagte die in Friedberg sitzende Behörde dem Schulbetreiber Hans-Peter Dahlmann schon am Freitagabend den Unterrichtsbetrieb. Der Unternehmer kann per Eilantrag am Verwaltungsgericht widerrufen. Selbst wenn das geschieht, bleibt die Privatschule wohl dicht, denn der Strom ist nach Angaben des Vermieters für die beiden Gebäude an der Hugenottenstraße nach wie vor abgesperrt.

<span></span>
KOMMENTAR

Auf einmal ging es ganz schnell. Das Aus für die MainTaunus International School (MTIS) kommt plötzlich, aber nicht überraschend, und es hat bei aller zwingenden Notwendigkeit etwas sehr Tragisches.

clearing

Die Eltern der 149 Schüler und der 28 Kita-Kinder informierte das Schulamt gestern Abend in der Aula des Friedberger Augustinergymnasiums über die neue Entwicklung. Die Nachricht: Der am 22. November eingestellte Unterricht wird nicht wieder aufgenommen. Die Schule bleibt geschlossen. Die Kinder und Jugendlichen müssen auf andere Schulen verteilt werden. „Wir versuchen, sie so schnell wie möglich unterzubringen“, sagt Vize-Schulamtsleiter Linhart. Ziel sei, spätestens zum Ende der Weihnachtsferien am 7. Januar für alle Jungs und Mädchen einen Platz zu finden. Die Ferien verlängern sich für die Erst- bis Zehntklässler also auf sechseinhalb Wochen. Noch nie habe man so eine Schulschließung durchexerzieren müssen, bedauert Linhart.

Die Eltern müssen nun für ihre Kids neue Plätze suchen. Für die Grundschüler sei das relativ einfach, glaubt Linhart. Schwieriger werde es vor allem für die älteren Kinder, weil in den öffentlichen Schulen der gewohnte bilinguale Unterricht und zum Beispiel Spanisch als zweite Fremdsprache kaum angeboten würden.

Nach dem Hessischen Schulgesetz müssen die Kinder an der neuen Schule grundsätzlich auch eine Aufnahmeprüfung absolvieren, sagt Linhart. Denn die geschlossene MTIS hatte den Status einer „genehmigten Ersatzschule“. Und bei der gälten die Noten durch die Privatschullehrer nicht als staatlicher Verwaltungsakt. Ob wirklich geprüft wird, liege aber beim jeweiligen Schulleiter. An der IGS in Stierstadt etwa seien Leistungsbeurteilungen ohnehin nicht üblich.

Seitdem die Privatschule am 22. November schloss, ließen viele Eltern ihren Plan B anlaufen. Etliche suchen längst eine andere staatliche oder private Schule, weiß André Linhart. Immerhin gebe es noch 13 andere Privatschulen im Hochtaunuskreis. Im Schulamt sei man froh darüber, denn sie böten gute Ergänzungen für das öffentliche Schulsystem.

Notfallprogramm

Auch bei den Kita-Kindern der MTIS läuft das Notfallprogramm. Sechs Jungen und Mädchen sind bereits von der Main/Taunus International School in kommunale Kitas gewechselt, sagt Klaus Hollender. Der Leiter des städtischen Jugend- und Sozialamtes muss die Betreuung der in Friedrichsdorf wohnenden Kleinkinder organisieren.

Bislang besuchten 28 Kita-Kinder die Privatschule. Von denen muss die Stadt bis zu 17 Kinder übernehmen. Dabei sind die Kitas in Friedrichsdorf und Köppern längst voll, sagt Klaus Hollender. „Wir haben deshalb Kontakt mit dem Hochtaunuskreis aufgenommen und die Erlaubnis bekommen, dass in eine Gruppe auch mal ein 26. Kind aufgenommen werden kann.“

Am ehesten finden die MTIS-Kinder laut Hollender noch in Seulberg und Burgholzhausen Aufnahme. In Seulberg sei auch eine Ganztagsbetreuung inklusive Mittagessen möglich. Wenngleich die Eltern akzeptieren müssten, dass eine kommunale Kita eine andere Betreuung biete als ein bilingualer Privat-Kindergarten.

Auch MTIS-Elternbeirat Bernhard Colsmann ist längst auf der Suche nach einer Schule für seinen Sohn. Man habe sich mehrere angeschaut und den Jungen auch schon für ein oder zwei Tage zum Kennenlernen in eine andere Schule geschickt. Alles sei „sehr traurig. Unsere Kinder müssen unter dieser Situation leiden. Die Freunde sind danach nicht mehr an der gleichen Schule“.

Colsmann und andere Eltern haben dem Schulbetreiber Hans-Peter Dahlmann auch nach Bekanntwerden seiner Schulden die Treue gehalten. Denn: „Die Schule war gut, die Lehrer waren toll. Und die Kinder sind gerne hingegangen“. Im Nachhinein findet Colsmann aber auch, dass Dahlmann keine reine Lichtgestalt sei: „Die Kommunikation hätte besser sein können.“

Vom Betreiber der Schule war übrigens gestern bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen. Der Schul-Vermieter Johann Heyken kommuniziert nur noch per Anwalt mit dem Betreiber. Heyken fordert rund 600 000 Euro aus nicht bezahlten Mieten für die Gebäude an der Hugenottenstraße. Er hat Dahlmann deshalb fristlos gekündigt. Der Schulbetreiber legte Widerspruch ein. Im Januar landet der Konflikt vor dem Gericht. Die Gläubiger des Schulbetreibers haben sich inzwischen vernetzt, berichtet der Friedrichsdorfer Vermieter. Deshalb wisse er, dass mehrere inzwischen Insolvenzantrag gegen Dahlmann und seine Firma gestellt hätten. Auf der Insolvenz-Bekanntmachungsseite im Internet ist davon aber nichts zu sehen. Und Nadja Niesen von der Frankfurter Staatsanwaltschaft verweigerte gestern die Auskunft auf die Frage, ob gegen Dahlmann vielleicht wegen Insolvenzverschleppung ermittelt werde.

Auf Gehälter warten

Falls es zu einem Insolvenzverfahren kommt, gehören die rund 50 arbeitslosen Lehrkräfte und Angestellten der MTIS zu den sogenannten Massegläubigern. Bis sie einen Teil ihrer Gehälter bekommen, kann es allerdings noch Jahre dauern. „Wir können diesen Leuten leider nicht helfen“, sagte gestern Vize-Schulamtsleiter Linhart. Man kenne und schätze die Lehrerinnen und Lehrer zwar als qualifizierte Pädagogen. Doch sie seien nun mal nicht Angestellte des Staates.

Die staatliche Schulverwaltung hat laut Linhart schon vor einiger Zeit Betriebs-Zuschüsse für die Friedrichsdorfer Privatschule zurückgehalten. Und zwar nicht, weil es Beschwerden über die Schule gegeben habe, sondern als Sicherheit für den Fall einer Pfändung. Der Staat schütze sich so vor Forderungen beim finanziellen Zusammenbruch der Privatschule. Die MTIS wurde laut Linhart wie alle Privatschule zu etwa drei Vierteln durch staatliche Gelder finanziert. Die Eltern zahlten bisher laut MTIS-Homepage zwischen 380 und 1000 Euro pro Monat.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse