Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Sie sind nicht vergessen

Bereits 1983 hatte der damalige Stadtarchivar Heinz Sturm-Godramstein die Dokumentation „Juden in Königstein“ vorgelegt. Jetzt erscheint sie in einer Neuauflage, ergänzt um die Schicksale weiterer Königsteiner, die ihre Heimat in der NS-Zeit zwangsweise verlassen mussten.
Königstein. 
Die Dokumentation erscheint in einer Neuauflage. Bild-Zoom
Die Dokumentation erscheint in einer Neuauflage.

Die Königsteiner Initiative Stolpersteine hat Forschungsarbeit geleistet: Sie hat das Schicksal einiger Bürger aufgeschrieben, die in der NS-Zeit unfreiwillig ihre Heimat verlassen mussten – viele von ihnen wurden in Konzentrationslagern ermordet. Diese Texte ergänzen die Neuauflage der Dokumentation „Juden in Königstein“ aus dem Jahr 1983. Sie soll im März anlässlich der Verlegung von Stolpersteinen für ehemalige jüdische Bürger der Stadt erscheinen. Zusammengestellt wurde der Ergänzungsteil von Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann und Petra Geis, Mitgründerin der Initiative Stolpersteine.

Ausführlich werden die Schicksale von mehr als 40 Königsteinern geschildert. Die neue Dokumentation umfasst die um weitere Forschungsergebnisse ergänzten Lebensläufe sowie bislang noch nicht publizierte Texte, beispielsweise über Hilda Cahn, die in der Hauptstraße ein Kinderheim betrieb, die Viehhändler Feist und Albert Löwenstein aus dem Ölmühlweg oder die Familie Steinberg aus der Limburger Straße.

Zudem werden Schicksale von Menschen dokumentiert, die eine starke Verbindung zu Königstein hatten, für die aber zur Erinnerung Stolpersteine an anderen Orten verlegt wurden. Dazu gehört die Familie Katzenellenbogen, die im Ölmühlweg eine Sommervilla bewohnte. Aufgenommen in die Dokumentation wurde auch die Familie Matthias, die 1923 von Alfred Franz Borgnis die Villa Borgnis kaufte und sie 1926 samt heutigem Kurpark an die Stadt Königstein weiter veräußerte. Außerdem finden sich in dem Buch seltene Fotos wie beispielsweise eine Aufnahme des Malerehepaars Woelcke aus Falkenstein oder das Foto einer Theateraufführung auf der Burg, an der Albert Cahn mitwirkte, auch ein Beleg für die Integration der jüdischen Bürger in das Leben der Stadt. Hinzu kommen zahlreiche interessante Dokumente wie eine Zeitungsannonce des Lehrers und Rabbiners Wetzler, der für Knaben Nachhilfeunterricht samt Unterbringung in seinem „echt jüdischen Familienhaus“ mit „reichlicher, kräftiger Ernährung und bester geistiger Pflege“ anbietet.

In die Neuauflage wird auch das Schicksal von Dr. Max Friedemann und seiner Frau Bertha aufgenommen, für die am 13. März Stolpersteine in der Altkönigstraße 4 verlegt werden. Friedemann wurde 1881 in Berlin geboren. Er arbeitete bereits vor dem Ersten Weltkrieg als Arzt im Sanatorium Dr. Kohnstamm im Ölmühlweg. Dort war er ab 1921 bis zur Zwangsschließung im Jahr 1938 gemeinsam mit Dr. Bernard Spinak als leitender Arzt tätig. 1934 heiratete er Bertha, 1939 floh das Ehepaar über England nach New York. Die in den USA für die Tätigkeit als Arzt erforderlichen medizinischen Examen legte Dr. Friedemann in nur drei Monaten ab. Mit einigen Mitarbeitern des früheren Sanatoriums Dr. Kohnstamm arbeitete er zunächst in einer Klinik bei New York. Später praktizierte er als Psychiater in New York. Noch bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1978 war Friedemann beruflich aktiv. Seine Frau Bertha war bereits 1968 gestorben.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse