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Eine doppelte Dreifeldhalle: Stadt plant in Ober-Eschbach einen sportlichen Befreiungsschlag

Von Das Sportzentrum Süd soll die Hallen-Not für gleich zwei Stadtteile beheben. Von den zwei geplanten Dreifeldhallen am Massenheimer Weg sollen nicht nur Sportler aus Ober-Eschbach, sondern auch aus Gonzenheim profitieren. Das gefällt nicht allen.
Die Stadt plant die Albin-Göhring-Halle abzureißen und eine doppelte Drei-Feld-Halle zu errichten. Dafür will man den Bolzplatz (rechts) opfern. Foto: Jochen Reichwein Foto: Jochen Reichwein Die Stadt plant die Albin-Göhring-Halle abzureißen und eine doppelte Drei-Feld-Halle zu errichten. Dafür will man den Bolzplatz (rechts) opfern. Foto: Jochen Reichwein
Bad Homburg. 

Eine Schule am Platzenberg – das wollten die Anwohner nicht. Ein Krankenhaus im Süden von Ober-Eschbach – das wollten die Anwohner nicht. Ein Sporthalle auf einem Sportplatz (!) in Gonzenheim – das wollen die Anwohner nicht. Es ist im vornehmen Bad Homburg nicht eben leicht, ein für die Allgemeinheit gedachtes Bauprojekt durchzuführen. Jüngstes Beispiel ist eben jene Sporthalle für den Stadtteil Gonzenheim. Kaum, dass der Begriff Halle auch nur geraunt wurde, protestierte auch schon eine Bürger- oder besser Anwohnerinitiative gegen das Vorhaben.

Nun scheint die Stadt eine „Lösung“ für das Problem gefunden zu haben – allerdings eine Lösung, die nicht allen, die in Gonzenheim Sport treiben, gefallen dürfte. Der Plan sieht nämlich vor, dass im Massenheimer Weg in Ober-Eschbach, am Standort der jetzigen Albin-Göhring-Halle, ein Komplex mit zwei übereinanderliegenden Dreifeldhallen entstehen soll. Dort sollen dann nicht nur die Handballer der TSG Ober-Eschbach eine Heimstatt finden, sondern dort sollen auch Gruppen des TV Gonzenheim untergebracht werden.

Die alte und reichlich in die Jahre gekommene Göhring – unter anderem ist der Hallenboden sanierungsbedürftig – soll abgerissen und durch besagten Neubau ersetzt werden. Der neue Baukörper soll in Richtung Sportplatz verschoben werden, der bisherige Bolzplatz sowie der marode Umkleidetrakt für den Sportplatz würden entfallen. Im unteren Bereich ist eine Dreifeldhalle mit Tribüne vorgesehen, darüber eine „normale“ Dreifeldhalle. Diese würde ebenerdig zum Sportplatz abschließen und auch die Umkleiden für die „Außensportler“ beherbergen. Außerdem ist noch ein Gymnastikraum mit etwa 200 Quadratmetern angedacht. Eine entsprechende Vorlage soll Ende Mai in die Gremien kommen.

Die TSG-Heimat

Zusätzlich bliebe am Standort Massenheimer Weg noch Platz (rund 2000 Quadratmeter) für eine Vereinshalle für die TSG Ober-Eschbach. Der Verein wäre bereit, seine bisherige Turnhalle an der Ober-Eschbacher Straße zu verlassen und quasi per Grundstückstausch an den Massenheimer Weg zu ziehen. In Sichtweite zur doppelten Dreifeldhalle könnte dann eine neue Turnhalle errichtet werden – inklusive Vereinsgaststätte, Lagerräume und erhofftem Schießstand im Keller. Die TSG müsste für das Projekt noch Eigenmittel zwischen 500 000 und 750 000 Euro aufbringen. Die von der TSG gewünschte Gaststätte könnte für die Stadt den positiven Effekt haben, dass man beim Neubau der Albin-Göhring-Halle keine eigene Gastronomie einplanen müsse.

Das Dilemma des Turnvereins

Der TV Gonzenheim ist Hallen-technisch gebeutelt, seit vor bald acht Jahren die kleine Turnhalle an der Fridrich-Ebert-Schule abgerissen wurde.

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Aus Sicht der Stadt ein weiterer Pluspunkt: Es gäbe auch genügend Raum für Parkplätze. Die bisherigen Stellplätze gegenüber der Göhring-Halle sollen neu strukturiert werden, zudem soll die angrenzende Rollschuhbahn dem Parkplatz zugeschlagen werden. Die Planungen sehen den Abriss der alten Halle für den Zeitraum nach der Saison 2018 / 2019 vor.

Verein bedroht

In Ober-Eschbach sollen die Pläne sehr positiv aufgenommen worden sein. In Gonzenheim ist man wohl ein wenig skeptischer. In einem Schreiben an die Stadtverwaltung, das dieser Zeitung vorliegt, äußert der Vorsitzende des TV Gonzenheims (TVG), Thomas Kirchner, seine Sorge, dass seinem Verein „mit dieser Planung viele Einbußen in den Reihen der Mitglieder“ drohen würden. Diese Befürchtung untermauert Kirchner mit mehreren Argumenten:

  Alleine durch den Standort habe die TSG Ober-Eschbach einen strategischen Heimvorteil.

  Würde der TVG mit seinem bislang auf mehrere Hallen verteilten Angebot in das Sportzentrum Süd einziehen, käme es zu Kollisionen.

  Neue Sportangebote, die man aufgrund der knappen räumlichen Ressourcen schon jetzt nicht anbieten könne, könnten auf Grund der zu erwartenden Kollisionen auch in Ober-Eschbach nicht eingeführt werden.

  Die Kooperation mit dem Kindergarten „Heilig Kreuz“ könnte nicht mehr fortgeführt werden, da die Halle in Eschbach für Kinder und Erzieher zu weit entfernt sei. Gleiches gelte für die Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Schule.

Kirchner erinnert daran, dass der TVG, der im kommenden Jahr auch sein 125-jähriges Bestehen feiert, mit über 1300 Mitgliedern der zweitgrößte Sportverein in Bad Homburg sei. „Wenn wir nun keine zusätzlichen Räumlichkeiten mehr in Gonzenheim erhalten, sehen wir die Existenz unseres Vereins in Gefahr“, so der Vorsitzende. Viele Kinder kämen allein zu den Sportangeboten und auch die älteren würden häufig zu Fuß kommen.

Kirchner schlägt daher vor, dass zusätzlich zu der doppelten Dreifeldhalle in Ober-Eschbach auch noch eine kleine Halle auf dem Sportplatz Lange Meile errichtet werden soll. Die könnte in einem Aufwasch mit der auf dem Sportplatz geplanten Kita realisiert werden. Nach Informationen dieser Zeitung denkt man bei der Stadt tatsächlich darüber nach, auf dem Sportplatz einen Kunstrasen, eine Kita und zusätzlich einen Gymnastikraum zu errichten. Die Idee eines „Sportkindergarten“, den der Verein bereits vor einigen Jahren eingebracht hatte, könnte „durch den Bau einer kleinen Halle auf dem Sportplatz zusammen mit dem Kindergarten realisiert werden“, so Kirchner.

Bleibt zu hoffen, dass diese Gonzenheimer Minimal-Lösung – eine Kita mit Sportraum – nicht auch von irgendwem abgelehnt wird.

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