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Messerattacke im Kurpark: Täter muss nach dem Urteil direkt in Haft

Von Für den Angriff mit einem Messer auf seine Ex-Frau und deren Verwandten muss der Angeklagte ins Gefängnis. Die Höhe des Urteils überrascht.
Noch im Gericht wurde der Haftbefehl gegen den Angeklagten vollstreckt. Noch im Gericht wurde der Haftbefehl gegen den Angeklagten vollstreckt.
Bad Homburg. 

Dass der 48 Jahre alte Angeklagte am Fronleichnamstag 2014 im Kurpark die Messerattacke begangen hatte, war unstrittig. Daher war seine Verurteilung gestern vor der 22. Großen Strafkammer des Landgerichts Frankfurt wenig überraschend – wohl aber die Höhe. Denn mit fünf Jahren und zwei Monaten Haft lag die Kammer des Landgerichts deutlich über der Forderung der Anklage, die auf eine dreijährige Haftstrafe plädiert hatte.

Doch das Gericht unter Vorsitz von Bärbel Stock sah den Bad Homburger der einfachen sowie der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten Totschlags überführt. In ihrer über 30-minütigen Urteilsbegründung ging Stock nochmals auf einige Tat-Details ein.

An jenem Nachmittag waren die Ex-Ehefrau des Angeklagten, der gemeinsame damals 5 Jahre alte Sohn und ein Verwandter der Frau zufällig auf den Angeklagten getroffen. Dabei sei der Angeklagte ausgerastet, als sich sein jüngster Sohn nicht von ihm umarmen ließ. Das Kind hatte Angst vor dem Vater und weinte. Statt die Schuld bei sich zu suchen – er war zuvor gegen die Ehefrau und die vier Kinder oft gewalttätig gewesen – machte er seiner seit zwei Jahren von ihm geschiedenen Frau nicht nur Vorwürfe. Er schlug ihr auch noch mit der Faust ins Gesicht. Der Verwandte (30) versuchte erfolglos zu schlichten. Der jetzt 48-Jährige rannte in ein nahe liegendes Lokal. Mit einem großen Messer und einer Fleischgabel kehrte er zurück. Zuerst stach er mit dem Messer in Richtung der Frau. Dann wandte er sich deren Verwandten zu. Den ersten beiden mit großer Wucht ausgeführten Stichen konnte der Angegriffene ausweichen. Doch der dritte Stich traf. Glück für das Opfer war, dass durch seine Bewegung die Umhängetasche vor seine Brust gependelt war. Die Messerspitze bohrte sich in die Tasche. Ironie des Schicksals: Der oft als lebensbedrohend dargestellte Rauchgenuss, bewahrte ihn als Raucher vor einer schweren Verletzung. Denn das Messer durchstach die Zigarettenschachtel und den mitgeführten Pass. Dennoch zog er sich beim Kampf um das Messer an Stirn, Arm, Bauch und Oberschenkel Verletzungen zu, die anschließend im Krankenhaus versorgt werden mussten. Auch der Angeklagte selbst war durch das Messer am Unterarm verletzt worden. „Es war alles voller Blut“, sagte später ein Zeuge aus.

Berücksichtigt wurden im Urteil die Tatumstände. Die Tat sei am helllichten Tag vor vielen Kurparkbesuchern geschehen und – was noch verwerflicher sei – vor dem kleinen Sohn. Die Tötungsabsicht des Angeklagten sah das Gericht aufgrund der detaillierten Zeugenaussagen als erwiesen an. Belastend für den Angeklagten waren auch seine Vorstrafen wegen Gewaltanwendungen.

Zum Ende der Verhandlung gab es noch eine Überraschung: Gegen den Angeklagten, der wegen der Tat im Kurpark bisher keinen Tag Haft verbüßt hatte, wurde Haftbefehl erlassen und sofort vollstreckt. Vom Gerichtsgebäude ging es nach der Verhandlung daher direkt in die Justizvollzugsanstalt Preungesheim. Als Haftgrund sah das Gericht neben der Schwere der Tat Fluchtgefahr an. Der Angeklagte habe sowohl den deutschen als auch den türkischen Pass, sagte Stock. Nach der Messerattacke war der Mann für einige Zeit in die Türkei gereist, bevor er wieder nach Bad Homburg zurückkehrte.

Der Angeklagte zeigte während der Urteilsverkündung und -begründung bis auf ein kurzes Kopfschütteln keine Regung.

Wegen des langen Zeitverzugs zwischen der Tat und dem Urteil werden dem Angeklagten vier Monate Haft abgezogen.

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