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Tafeln suchen nach dem Königsweg

Einen Staat der Glückseligen wird es nicht geben. Aber es könnte sich etwas ändern, wenn Tafeln ihre Stärke nutzen, sich einmischen und die Politik in die Pflicht der Armutsbekämpfung nehmen.
Hochtaunus. 

Gerade kam die Nachricht, dass der Deutsche Aktienindex (DAX) auf über 12 Millionen Euro angestiegen ist. Andererseits sind 1,5 Millionen Menschen in Deutschland auf die Lebensmittelausgabe der Tafeln angewiesen. „Da kann doch etwas nicht stimmen“, kritisierte Gerhard Herbert bei der Diskussionsrunde des Gesellschaftspolitischen Forums der Kirchen in der Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf. Er hat im Sozialressort gearbeitet, war Tafel-Mitarbeiter und ist heute Kritiker, auch wenn er den Einsatz anerkennt, um aktuelle Not zu lindern.

Die Frage hieß: „Streitfall Tafel – Almosen oder Armutsbekämpfung?“, und unter Moderation von Meinhard Schmidt-Degenhard kam die Meinung auf, Tafeln müssten politisch ihre Stimme erheben, wer sonst kenne die sozialen Miss-Stände so gut. Jürgen Banzer, CDU-Landtagsabgeordneter, ehemaliger Landrat und Ex-Sozialminister, tat das mit den Worten: „Warum muss die Tafel im Globalisierungskonzert auch noch ihre Stimme erheben?“ ab. Am Ende gestand er eine Einmischung zu – wollte sie aber an einer Stelle ansiedeln, an der sie die lokale Politik nicht stört, beim Tafel-Dachverband.

Dr. Alexander Dietz, Referent für Armutspolitik der Diakonie Hessen und Mitbegründer der Tafel im Hochtaunuskreis, warf der Politik vor, an den „falschen Stellschrauben gedreht“ zu haben. Arbeitsplätze zu schaffen reiche nicht aus, wenn Wohnungen schon für Normalverdiener unbezahlbar seien. Mit sozialem Wohnungsbau wollte Banzer die Stellschraube nicht angesetzt sehen. Seine Devise lautet: „Subjektförderung vor Objektforderung“. Will heißen, den „Subjekten“, also den Betroffenen, nach ihren Bedürfnissen zu helfen und nicht durch pauschale Förderung von Wohnungsbau soziale Brennpunkte zu schaffen. Er machte klar, dass die Politik die gesamte Gesellschaft im Blick haben müsse, die Wirtschaft wie das Soziale, den Bürger, der um sechs Uhr aufstehe und den ganzen Tag arbeite, wie den, der – aus welchen Gründen auch immer – sein Leben nicht finanzieren könne. „Einen Königsweg gibt es nicht.“ Eine Gesellschaft, in der jeder genug Geld habe und in der Tafeln überflüssig seien, hält Banzer für nicht realisierbar.

Damit waren nicht alle der mehr als Hundert Besucher einverstanden. Schüler zum Beispiel fragten nach dem grundgesetzlich verbrieften Recht auf soziale Sicherheit und stellten fest, dass die Tafeln nur die Auswirkungen lindern könnten, die Ursachen zu bekämpfen sei Sache der Politik. Wenn Millionen ausgeschlossen seien, habe diese versagt. Die Podiumsgäste sprachen auch die eingepreiste Verschwendung von Lebensmitteln durch Supermärkte an, die durch die Abgabe an die Tafeln zu Wohltätern würden. „Dabei sparen die Müllentsorgung“, gab Herbert zu bedenken und machte damit die Gratwanderung zwischen Kritik an den Gebern und die Abhängigkeit von ihnen deutlich.

(mai)
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