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Gegen Verschwendung: Tafeln wollen Brücke zwischen Überfluss und Mangel schaffen

Von Massen von Lebensmitteln landen in Deutschland jedes Jahr im Müll. Vom Vermeiden der Lebensmittelvernichtung wird viel geredet. Aber gerade bei den Verbrauchern scheint das bisher nicht zu funktionieren.
Michael Steyer holt aussortierte Lebensmittel für die Tafel in Neu-Anspach ab. Foto: Evelyn Kreutz Michael Steyer holt aussortierte Lebensmittel für die Tafel in Neu-Anspach ab.
Hochtaunus. 

Wenn die Banane braune Flecken hat, der Joghurt abgelaufen ist und das Brot nicht mehr taufrisch ist, wandern sie beim Verbraucher nicht selten einfach in der Biotonne. Weil Lebensmittelhändler rund um die Uhr bis kurz vor Geschäftsschluss die komplette Palette an frischen Lebensmitteln perfekt präsentiert vorrätig haben sollen, müssen sie permanent aussortieren. In den Abfall-Containern der Supermärkte findet man zum Teil einwandfreie Nahrungsmittel, original verpackt, mit noch gültigem Mindesthaltbarkeitsdatum.

Bedarfsgerechter Einkauf

Da im Schnitt rund die Hälfte der vernichteten Lebensmittel beim Verbraucher in der Tonne landen, ist bei den Bürgern nicht nur ein Umdenken, sondern auch handeln gefordert.

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Welche Mengen mit hohem Aufwand produzierte Nahrungsmittel im Müll entsorgt werden, darüber gibt es verschiedene Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen. Regisseur Valentin Thurn hat für seinen Dokumentarfilm „Taste the Waste“ aus dem Jahr 2011 den Umgang mit Lebensmitteln international recherchiert und kam zu haarsträubenden Zahlen: Demnach werden weltweit über 50 Prozent aller Lebensmittel weggeworfen, allein in Deutschland 20 Millionen Tonnen im Jahr.

Strenge Auflagen

Die Umweltstiftung WWF kam 2015 mit 18,4 Millionen Tonnen auf eine ähnliche Zahl und nennt als Hauptproblem die Verbraucher, die rund 40 Prozent ihrer Lebensmitteleinkäufe im Müll versenken. Die Fachzeitschrift „Lebensmittelpraxis“ nennt in ihrer Ausgabe vom September 2017 über alle Stufen der Lebensmittelkette elf Millionen Tonnen vernichtete Lebensmittel, davon nur fünf Prozent im Groß- und Einzelhandel, 17 Prozent in der Produktion und satte 61 Prozent in den Privathaushalten.

Produktion und Handel steuern schon aus wirtschaftlichen Interessen dagegen. Sie optimieren Herstellungsverfahren und Warenwirtschaft. Was dann trotzdem nach den geltenden Standards nicht verkäuflich ist, geht wenigstens zum Teil an karitative Organisationen. Wie der Pressesprecher der REWE Group auf Anfrage mitteilte, liegt der Anteil der nicht verkäuflichen inzwischen nur noch bei etwa einem Prozent. Davon gehe das Gros an lokale Tafeln. Doch auch da gibt es strenge Auflagen. Lebensmittel, die verdorben sind, die ein Verbrauchsdatum haben wie Frischfleisch oder -fisch, sowie Warenrücknahmen dürfen nicht an die Tafeln abgegeben werden. Diese Lebensmittel müssen entsprechend der gesetzlichen und hygienischen Vorgaben sachgerecht entsorgt werden. Grundsätzlich müssen Lebensmittelmärkte ihre Müllcontainer vor dem Zugriff Dritter sichern.

Bedenkenloser Verzehr

Seitens der Rewe-Group heißt es: „Es ist zu bedenken, dass beispielsweise Lebensmittel, die verschimmelt sind oder Kontakt zu verschimmelter oder verdorbener Ware hatten, weder aus ethisch-moralischen noch aus juristischen Gründen abgegeben werden können.“ Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum in wenigen Tagen erreichen, werden bei der Rewe Group preisreduziert angeboten.

Was dann noch bedenkenlos verzehrt werden kann, holen die Tafeln ab. Träger der Bad Homburger Tafel ist das Diakonische Werk Hochtaunus. Die Tafeln werden von über 35 Einzelhändlern und Supermärkten unterstützt, wollen eine Brücke schaffen zwischen Überfluss und Mangel. Wie Stefanie Limberg, die Leiterin des Diakonischen Werkes mitteilte, schwankt die Menge der gespendeten Lebensmittel sehr. Im Juni haben die Helfer der Tafeln 2429 Kisten abgeholt.

Derzeit sind 1578 bedürftige Menschen aus 658 Haushalten in den fünf Ausgabestellen der Bad Homburger Tafel in Bad Homburg, Oberursel, Neu-Anspach, Friedrichsdorf und Königstein regelmäßig für Lebensmittel registriert. Dazu kommen die von den DRK-Ortsgruppen organisierten Abgabestellen „Aufgetischt“ in Usingen und „À la carte“ in Wehrheim. Nach der Ausgabe bleiben auch bei den Tafeln noch Reste, die in den Müll wandern. Von 50 gesammelten Kisten seien das vielleicht drei bis vier Kisten mit Lebensmitteln, schätzt Limberg.

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