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Juwelen-Räuber: Überfall hält Bad Homburg in Atem - Alle vier mutmaßlichen Täter geschnappt

Von Schock am Vormittag: Vier Männer überfallen mit Äxten und Messern bewaffnet das Juweliergeschäft Scheurenbrand auf der Fußgängerzone. Marktbeschicker nehmen die Verfolgung auf.
Kurz nach dem Überfall herrscht am Tatort ein heilloses Durcheinander. Passanten und Schaulustige schlängeln sich durch die Phalanx der Einsatzwagen der Polizei. Foto: Jochen Reichwein Bilder > Foto: Jochen Reichwein Kurz nach dem Überfall herrscht am Tatort ein heilloses Durcheinander. Passanten und Schaulustige schlängeln sich durch die Phalanx der Einsatzwagen der Polizei. Foto: Jochen Reichwein
Bad Homburg. 

Durch die Ermittlungs- und Fahndungsmaßnahmen der Polizei gelang es am Dienstagnachmittag zwei weitere, mutmaßliche Täter in Frankfurt festzunehmen. Die beiden  festgenommenen Männer sind 22 und 25 Jahre alt und stammen ebenfalls aus Litauen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte das Raubgut noch nicht aufgefunden werden.

Am Tag des spektakulären Überfalls fühlt sich Peter Braun wie im falschen Film. Der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher, der dienstags und freitags auf dem Waisenhausplatz einen Blumenstand betreibt, war unmittelbarer Zeuge des Raubüberfalls auf das Juweliergeschäft Scheurenbrand auf der Louisenstraße. „Das hatte was von Hollywood“, erzählt Braun, der gemeinsam mit anderen Marktbeschickern die Täter noch auf deren Flucht verfolgt hatte. Doch der Reihe nach.

Dienstagvormittag, Waisenhausplatz, es ist Markttag. Julius Stein, Inhaber des Tattoo- und Piercingstudios Körperkult, ist gerade auf dem Weg zu seinem Steuerberater, als ihm drei merkwürdige Gestalten auffallen. Alle drei tragen die gleiche graue Joggingkluft, Baseballkappen und Sonnenbrillen. Vielleicht eine Drückerkolonne denkt Stein noch bei sich. Wenig später wird er eines besseren belehrt. Denn als er auf dem Weg zurück zu seinem Laden im Kurhaus ist, hört er aus dem Juweliergeschäft Scheurenbrand Hilferufe. Als er sich dem Laden nähert, sieht er die drei Männer im Jogginganzug, die gerade dabei sind, mit Äxten Vitrinen einzuschlagen. „Überfall“, ruft er geistesgegenwärtig und nähert sich mit einem weiteren Passanten dem Geschäft. An der Tür steht jedoch ein weiterer Täter, ein Mann in schwarzem Trenchcoat, der, als sich Stein und der andere Mann nähern, sofort Pfefferspray versprüht.

Der fünfte Überfall in 18 Jahren

Unglaublich, aber wahr: Der gestrige Raubüberfall war der fünfte in das Juweliergeschäft auf der Louisenstraße innerhalb der vergangenen 18 Jahre.

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In der Zwischenzeit haben es die drei weiblichen Mitarbeiterinnen des Juweliers geschafft, sich über den Hinterausgang in Sicherheit zu bringen und in den benachbarten Optiker zu flüchten. Ihr Kollege hingegen wird von den Tätern brutal mit Pfefferspray eingesprüht und muss später vom Notarzt behandelt werden.
Gegenüber von Scheurenbrand steht derweil Peter Braun an seinem Blumenstand und hört das Zerbersten von Scheiben und den Ruf „Überfall“. Mit weiteren Marktbeschickern nähert auch er sich dem Juweliergeschäft, sieht wie die Täter mit der Axt zugange sind, als die Männer im Jogginganzug plötzlich aus dem Laden stürmen und die Flucht ergreifen. „Einer von ihnen hatte ein riesiges Messer in der Hand“, erzählt Braun. Schockierend: „Die Männer hatten sich die Gesichter mit weißer Farbe bemalt.“ Die Täter flüchten Pfefferspray versprühend Richtung Audenstraße, die Marktbeschicker hinterher. Da kommt Braun der Gedanke, dass doch mal jemand die Polizei rufen müsste.

Flucht im VW Passat

Während er also die Polizei informiert, bleiben die zwei anderen Marktbeschicker den Tätern auf den Fersen. Der Mann mit dem Trenchcoat rennt schließlich ganz am Ende der Audenstraße (an der Ecke zur Promenade) auf einen grünen VW Passat mit polnischem Kennzeichen zu. Doch noch bevor die Männer den Täter einholen, holt der eine Axt aus dem Auto. Die mutigen Händler bleiben zurück. „Der Mann ist dann in sein Auto gestiegen, hat die Verriegelung runtergemacht und startete den Motor“, erzählt einer der Marktbeschicker. „Wir haben noch kräftig gegen das Auto getreten“, ergänzt der andere. Zunächst kommt es zu Fehlzündungen, doch dann prescht der Mann mit dem Trenchcoat davon. Seine drei Komplizen waren zuvor schon zu Fuß Richtung Kurpark geflüchtet.
Vor dem Juwelier bleibt eine ältere Dame zurück, die auf ihrem Gehwagen sitzt. Auch sie hat eine Ladung Pfefferspray abbekommen, die Mitarbeiter einer Apotheke haben geholfen und die Augen der Seniorin versorgt. Mittlerweile kreist ein Hubschrauber über der Stadt, in sämtlichen Straßen rund um den mit rotweißem Flatterband abgesperrten Tatort patrouilliert die Polizei. Zeugen werden vernommen.

Wenig später dann das erste offizielle Statement der Polizei: Die vier Täter haben mehrere hochwertige Uhren erbeutet, die genaue Schadenssumme steht jedoch noch nicht fest. Die gute Nachricht: Vorerst können sich nur zwei der Verbrecher über ihre Beute „freuen“: Der Polizei gelingt es schon kurz nach der Tat, zwei Verdächtige festzunehmen. Zunächst wird im Villengebiet Hardtwald ein 24 Jahre alter Mann aus Litauen festgenommen. Kurz drauf entdecken die Beamten auch das Fluchtfahrzeug. Und wieder nur wenig später wird unweit des VW Passats ein weiterer dringend tatverdächtiger Mann geschnappt – auch der 42-Jähriger stammt aus Litauen.

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