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Medizinischer Bürgerdialog: Vorsichtige Hoffnung für Bauchspeicheldrüsenkrebs-Patienten

Beim 86. Medizinischen Bürgerdialog des Forums Gesundheit ging es mit dem Thema Krebs an der Bauchspeicheldrüse um eine schwierige Diagnose, denn die Überlebenschancen sind denkbar gering. Dennoch konnten die Experten von aussagekräftigen Diagnosemethoden und Fortschritten bei der Therapie berichten.
Ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse ist auch heute noch schwer zu entdecken. Ein gutes Mittel zur Diagnose ist dabei die Endosonografie, eine Kombination aus Endoskopie und Ultraschall. Foto: (181431302) Ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse ist auch heute noch schwer zu entdecken. Ein gutes Mittel zur Diagnose ist dabei die Endosonografie, eine Kombination aus Endoskopie und Ultraschall.
Hochtaunus-Kliniken. 

Für Priv.-Doz. Dr. Stefan Heringlake ist und bleibt der Krebs an der Bauchspeicheldrüse eine äußerst schwerwiegende Erkrankung, die zudem weiter auf dem Vormarsch ist. Die Zahlen, die der Leiter der Klinik für Gastroenterologie, Endoskopie und Onkologie an den Hochtaunus-Kliniken beim Medizinischen Bürgerdialog des Forums Gesundheit präsentierte, zeigten das eindrücklich: Bis 2030 wird in Deutschland ein Plus von etwa 30 Prozent erwartet. Schon heute erkranken zwischen 12 000 und 15 000 Menschen pro Jahr neu an dieser aggressiven Krebsform, die kaum längerfristige Überlebenschancen lässt.

Dr. Stefan Heringlake Bild-Zoom
Dr. Stefan Heringlake

Angesichts der Tatsache, dass zwar das Erkrankungsalter vor allem nach dem 60. und dann nochmal nach dem 70. Lebensjahr liegt, die Anzahl jüngerer Krebspatienten aber dramatisch zunimmt, stellt sich die Frage nach einer Früherkennung für Pankreaskrebs immer drängender. Auch Heringlake sieht hier Handlungsbedarf, vor allem deshalb, „weil für ein solches Vorsorgeverfahren das Instrumentarium grundsätzlich zur Verfügung steht“. Bereits heute verfüge man mit der Endosonografie, einer Kombination aus Endoskopie und Ultraschall, über eine Methode, „mit denen Tumore bis zu einer Größe von fünf Millimeter Durchmesser erkannt werden können.“ Er selbst habe es erlebt, dass ein bereits zwei Zentimeter großer Tumor bei einer einfachen Sonografie (Ultraschall) nicht entdeckt wurde, einen Tag später per Endosonografie aber deutlich gesehen wurde.

Ökonomische Gründe

Auf die Frage aus dem Publikum, warum die Krankenkassen bislang keine solchen Verfahren aufgelegt haben, vermutete Heringlake zusammen mit dem Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie an den Hochtaunus-Kliniken Priv.-Doz. Dr. Dr. Jörg Johannes Höer, ökonomische Gründe. Solange es keine Vorsorge gibt, plädiert der Tumorexperte dafür, dass die Möglichkeit eines Pankreaskarzinoms immer mitgedacht und durch gezielte Untersuchungen abgeklopft werden müsse.

Kontakt zur Selbsthilfegruppe

Gerade bei so schwierigen Diagnosen wie dem Krebs an der Bauchspeicheldrüse ist die Selbsthilfe wichtig, um mit der Erkrankung so gut es eben geht umgehen zu können.

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Ist die Diagnose da, stellt sich die Frage nach einer Operation. „Allerdings ist die nur in 15 Prozent der Fälle sinnvoll“, so Höer. Dabei handele es sich um einen großen Eingriff, bei dem in der Regel der Tumor mit Teilen oder der kompletten Bauchspeicheldrüse, des Magens, des Zwölffingerdarms sowie die Gallenblase entnommen wird. Zusammen mit der Rekonstruktion des Verdauungssystems wird diese OP zu einer Herausforderung für den Chirurgen. Zudem gebe es dabei ein hohes Komplikationsrisiko. Sinnvollerweise, so der Mediziner weiter, sollte, wenn immer möglich, versucht werden, Therapien zu kombinieren.

Lindernd eingesetzt

Eine wichtige Rolle kommt dabei der Chemotherapie zu, die vor oder nach einer OP durchgeführt werden kann oder, wenn keine OP mehr sinnvoll ist, palliativ, also lindernd eingesetzt wird. Zwar sind damit die Heilungschancen extrem gering und das Überleben über die kritischen fünf Jahre nach der Erkrankung liegt bei lediglich sechs Prozent.

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Dr. Dr. Jörg Johannes Höer

Dennoch scheinen neueste Kombinationen von Substanzen vielversprechend zu sein. „Wir leben insofern in spannenden Zeiten“, urteilte Heringlake. Vielversprechend seien außerdem Forschungen zur sogenannten Immuntherapie, durch die das körpereigene Abwehrsystem wieder in die Lage versetzt werden soll, Tumorzellen zu erkennen und zu zerstören. Ganz aktuell nehmen die Hochtaunus-Kliniken als einer von weltweit nur sieben Standorten an einer Studie teil, bei der über eine extrem dünne Nadel zunächst Radiofrequenz- beziehungsweise Mikrowellen direkt in den Tumor gegeben werden, um das Gewebe quasi zu verkochen und dann stark abzukühlen. Allerdings fehlen hier noch aussagekräftige Langzeitdaten.

Der Tumorexperte rät, sich schon beim Verdacht an ein entsprechendes medizinisches Zentrum zu wenden. An den Hochtaunus-Klinken leitet Heringlake eine relativ neue Versorgungseinrichtung für die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV), bei dem Fachärzte aus verschiedenen Disziplinen Tumorpatienten behandeln. Ziel müsse es ein, für alle Patienten ein individuell sinnvolles Therapiekonzept aufzustellen. Die Fortschritte in der Krebsforschung ließen dabei hoffen: „Wir sind zwar nicht am Ende des Tunnels, aber wir sehen heute etwas Licht.“

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