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Wölfe in Hessen: Vortrag über die Rückkehr der Wölfe

Die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland erfreut die Naturfreunde. Viele Menschen haben aber auch Angst. Ein Vortrag des BUND in Königstein lieferte Informationen.
Königstein. 

Bei den Brüdern Grimm liegen die gebrechliche Großmutter und das arglose Mädchen voll im Beutespektrum des Wolfes. Gehört der „böse Wolf“ nun in die Märchenwelt, oder muss „Canis lupus“ – so sein wissenschaftlicher Name – , wirklich gefürchtet werden? Statt auf Märchen setzt der BUND auf Fakten. „Die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland – Wie leben Sie? Kommen sie auch nach Hessen?“ lautete das Thema des Vortrags, zu dem der Ortsverband Königstein-Glashütten im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung in die Villa Borgnis eingeladen hatte.

 

Zahlreiche Fakten

 

Referentin Sabine Knapp ist Diplom-Geografin und gehört dem Freundeskreis freilebender Wölfe an. Sie ist für die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung tätig. In ihrem Vortrag lieferte sie den rund 30 Zuhörern zahlreiche Fakten über die Lebensweise des Wolfs und seine Verbreitung in Deutschland. Es ist eine Tatsache: Der Wolf lebt wieder in Deutschland. Einzeltiere wurden schon in den neunziger Jahren gesichtet. Im Jahr 2000 kamen erstmals wieder in freier Wildbahn in Deutschland Wolfswelpen zur Welt. Heute gibt es hier über 30 Rudel (Wolfsfamilien mit Elternpaar und Welpen) sowie einige Paare und Einzeltiere – insgesamt bis zu 300 Individuen. Hierzulande stehen sie unter strengem Naturschutz.

Aus Ostpolen waren die ersten Wölfe in die Lausitz eingewandert. Auf einem Truppenübungsplatz konnten sie – zwar in der Nähe zu Soldaten und Panzern, aber unbehelligt von Jägern und Hunden – Fuß fassen. Von dort aus eroberten die Wölfe Revier um Revier, zunächst in Sachsen und Brandenburg. Dann wanderten Wölfe nach Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, nach Thüringen und Bayern. Immerhin sind sie in der Lage, in einer Nacht rund 50 Kilometer und mehr zurückzulegen.

Auch in Hessen wurden Wölfe gesichtet: 2006 im Reinhardswald, 2011 bei Pohlheim in der Nähe von Gießen (von einem Auto angefahren und 2012 von einem Jäger im Westerwald erschossen). Erst im Februar 2015 wurde bei Bad Soden-Salmünster eine Wölfin von einem Auto überfahren.

Ein Grund für die Verbreitung der Wölfe in Deutschland ist das gute Nahrungsangebot. Der Speisezettel der „echten“ Wölfe sieht allerdings anders aus als bei den Brüdern Grimm. Forscher der Senckenberg-Gesellschaft haben anhand von Kotproben herausgefunden, dass in Deutschland Wölfe hauptsächlich Rehe (54 Prozent) reißen. Sabine Knapp: „So viele Rehe wie bei uns gibt es kaum anderswo in der Welt.“ Allerdings verschmäht der vierbeinige Jäger auch Rotwild, Damwild und Schwarzwild nicht. Ganz selten (0,6 Prozent) macht er sich an Haustiere ran. Gelegentlich reißt der Wolf auch Nutztiere wie Schafe.

 

Welche Gefahr droht?

 

Wie gefährlich ist der Wolf für den Menschen? Dieser Frage ging die Referentin nicht aus dem Weg. Grundsätzlich „meidet der Wolf den Menschen“, betonte Sabine Knapp. Aber er schätzt dessen Infrastruktur wie Waldwege und Siedlungen durchaus.

Die Referentin warnte davor, Wölfe mit Ködern anzulocken, beispielsweise um sie zu fotografieren. Und wer versucht, einem Wolf seine Beute, beispielsweise ein Schaf, zu entreißen, begibt sich in Lebensgefahr. Da Wölfe Hunde als konkurrierende Artgenossen ansehen, können sie auch diesen gefährlich werden. Die Rückkehr des Wolfs erfreut viele Naturfreunde, manche Nutztierhalter und Jäger fordern seine Bejagung. „Wir müssen wieder lernen, mit dem Wolf zu leben“, weist Sabine Knapp auf den sinnvollen Weg für den Umgang mit dem Wolf hin. Dazu schlägt sie verschiedene Maßnahmen vor: Anleinen von Hunden im Wald, besserer Schutz von Weidetieren, staatliche Zuschüsse für Zäune und Herdenschutzhunde, Beratung von Jägern und Tierhaltern, Entwicklung eines Wolfsmanagementplans in Hessen – ähnlich wie in Sachsen und Rheinland-Pfalz.

Den Hintergrund der aktuellen Diskussion um den Wolf brachte ein Teilnehmer auf den Punkt: „Unsere Gesellschaft ist total weit weg von der Natur. Die Umgebung wird als Freizeitpark angesehen.

Weitere Informationen über die Wölfe gibt es im Internet unter: www.freundeskreis-wolf.de oder

www.wolfsregion-lausitz.de. Informationsmaterial kann zudem heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden unter: www.publikationen.sachsen.de (Suchwort: Wolf).

(wrü)
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