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Weitere Kommunen warnen: Wassernotstand im Kreis wird immer schlimmer

Trinkwassernotstand; Teiche und Weiher, die kippen; Sportplätze, die nicht mehr bewässert werden – die anhaltende Trockenheit wirkt sich zunehmend auf das Leben im Taunus aus.
Kein schöner Anblick: Dirk Feineisen vom Königsteiner Angelsportverein muss den Kadaver eines kapitalen Karpfen aus dem Woogtalweiher fischen. Kein schöner Anblick: Dirk Feineisen vom Königsteiner Angelsportverein muss den Kadaver eines kapitalen Karpfen aus dem Woogtalweiher fischen.
Hochtaunus. 

Die Nachricht könnte deutlicher nicht sein. „Die Stadt steuert auf einen Trinkwassernotstand zu“, heißt es in einer Mitteilung der Stadtwerke Oberursel in Bezug auf Oberursel, und auch in Steinbach, das über keine eigenen Gewinnungsanlagen verfügt, könne dieser nicht mehr ausgeschlossen werden. Während die Pegelstände in diversen Stollen kontinuierlich abnehmen, steigt der Verbrauch – und das geht nicht lange gut. Nachdem bereits erste Kommunen am Montag Alarm geschlagen haben, hat sich die Lage nun fast überall im Taunus weiter verschärft. Außer den Stadtwerken für Oberursel und Steinbach, sprachen gestern auch Wehrheim und Grävenwiesbach deutliche Warnungen aus.

Sollte sich in den nächsten drei Tagen der Wasserverbrauch nicht drastisch reduzieren, sei die Trinkwasserversorgung nur noch bedingt aufrecht zu erhalten, hieß es aus dem Grävenwiesbacher Rathaus. Schon bald sei der Punkt erreicht, dass nur noch die Brandreserve zur Verfügung stehe. Angesichts der brisanten Lage wurden in mehreren Kommunen Feuerwehrfahrzeuge durch die Straßen geschickt, um die Bevölkerung zum Wassersparen aufzurufen.

Christian Dominguez (links) von der Steinbacher Feuerwehr und Wolfgang Reuber setzen auf die kugelförmige Lautsprecherlösung.
Flüstertüte war gestern: Feuerwehren setzen bei ...

Seit dem Wochenende sind Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren unterwegs, um die Bevölkerung in den Städten und Gemeinden zum Wassersparen anzuhalten, in den denen der Pegelstand mittlerweile

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Auch die Oberurseler Stadtwerke nehmen die Oberurseler und Steinbacher in die Pflicht: „Jegliche Nutzung von Trinkwasser, die nicht dem menschlichen Gebrauch dient, ist zu unterlassen.“ Dazu zählt unter anderem das Bewässern von landwirtschaftlichen Flächen, Parks und Gärten. Auch sollten Wege, Terrassen, Spiel- und Sportplätze nicht beregnet, private Schwimmbecken und Brunnen nicht betrieben und Fahrzeuge nicht gewaschen werden. Die Autowaschanlagen sind nach Angaben der Stadtwerke davon in der Regel nicht betroffen, da sie das Abwasser meist recyceln.

In Oberursel werden nur noch Sportplätze bewässert, auf denen neu eingesät wurde. Und auch andernorts wird auf den Anlagen äußerst sparsam mit Wasser umgegangen. In Friedrichsdorf hat sich die Stadt mit den Vereinen darauf verständigt, die Beregnungen stark zu reduzieren. Außerdem wurde dort die öffentlichen Brunnen vorübergehend außer Betrieb genommen. Dass ausgerechnet jetzt viele Privathaushalte ihren Verbrauch gesteigert haben, moniert vor allem die Stadt Königstein. So würde derzeit im Stadtteil Falkenstein mehr als doppelt so viel Trinkwasser verbraucht wie an „normalen“ Tagen.

Foto: dpa
Notstand In zwei Kelkheimer Stadtteilen wird das Trinkwasser knapp

In Ruppertshain und Eppenhain wird das Trinkwasser knapp. Die beiden Brunnen, die die Stadtteile versorgen, sind so gut wie erschöpft und können die Trinkwasserversorgung nicht mehr lange garantieren.

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In Kronberg will man sich derweil nicht darauf verlassen, dass jeder mithilft, die Lage zu entspannen. „Wir weisen darauf hin, dass es Kontrollen geben wird“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Und auch Wehrheim verknüpft seinen Appell zum Wassersparen mit dem Satz: „Noch ist dies ein Aufruf auf freiwillige Unterstützung.“

Pumpe ohne Strom

Zur Trockenheit kam gestern in Grävenwiesbach noch ein technisches Problem hinzu. Die Pumpe im Tiefbrunnen am Sportplatz lief nicht, weil es zwischen Verteilung und Brunnen zu einem Kabelschaden gekommen war. Dadurch konnte der Hochbehälter nicht mit Wasser gefüllt werden – mehrere Hundert Bürger saßen über Stunden auf dem Trockenen. „Inzwischen läuft der Strom wieder“, sagte Bürgermeister Roland Seel (CDU) am späten Nachmittag. Allerdings werde es noch etwas dauern, bis sich der Hochbehälter wieder gefüllt habe.

Angler in Sorge

Aber nicht nur das Trinkwasser geht zur Neige, auch die Teiche und Weiher verlieren täglich Wasser. Besonders dramatisch ist es in Königstein. Der Weiher im Woogtal – eigentlich ein Kleinod – schrumpft immer mehr zu einer schlammigen Pfütze zusammen. Mit gravierenden Folgen. Über dem Teich lag am gestrigen Nachmittag bereits ein unangenehmer Verwesungsgeruch. Auf dem noch vorhandenen Wasser trieben die ersten toten Fische. Um die verbliebenen Tiere zu retten, würde der heimische Angelverein, der die Anlage gepachtet hat, am liebsten das Wasser komplett ablassen. Denn an ein Abfischen mit Schleppnetzen ist ob der Verschlammung nicht zu denken. Dazu aber bedarf es der Zustimmung der Stadt. Im Rathaus sollte gestern noch darüber entschieden werden.

Lesen Sie alle Berichte zur Trockenheit in Hessen in unserer Artikelsammlung.

Niedrige Pegelstände verzeichnet auch der Teich im Homburger Schlosspark. Es gibt keinen Zulauf aus dem Heuchelbach mehr, und die Verdunstung ist enorm hoch. Dennoch bleibt Schlossgärtner Peter Vornholt gelassen: „Die Wasserqualität ist nach wie vor sehr gut. Wir haben Fischbesatz, und auch die Wasserhühner und Enten finden noch den Weg.“ Für die Grünpflege entnehme man kein Wasser aus dem Teich. „Da kommt uns unser über 250-jähriges Wasserrecht zugute“, erklärt Vornholt. Das Schloss bezieht sein Wasser aus einem Werk in Oberstedten, das das Nass ohne Pumpe oder sonstige Automatik mit einem Druck von 6 Bar gen Kurstadt fließen lässt. Hier greift das Prinzip der kommunizierenden Röhren – da das Wasserwerk im Nachbarort auf Höhe des Weißen Turms liegt, fließt das Wasser ohne mechanische Hilfe ins Schloss. „Früher in Eichenholz, später in Tonröhren“, so Vornholt.

(col, mak, sj,she)

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