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Nach Kündigung: Wie geht's weiter mit der Gastronomie im Bahnhof?

Von Die Gastronomie im Bahnhof ist geschlossen. Dennoch muss es irgendwie weitergehen, es warten noch Reservierungen. Und die Kur will den gekündigten Pachtvertrag sauber abarbeiten.
Die Pforten des Restaurants am Bahnhof bleiben erstmal geschlossen. Nach der Kündigung für Peter Kofler wird ein neuer Pächter gesucht. Foto: Matthias Reichwein Die Pforten des Restaurants am Bahnhof bleiben erstmal geschlossen. Nach der Kündigung für Peter Kofler wird ein neuer Pächter gesucht.
Bad Homburg. 

Das Telefon in der Bahnhofsgastronomie steht seit vergangenem Samstag nicht mehr still. Die Nachricht, dass der Verwaltungsrat der Bahnhofs GmbH, eine Tochter der Kur- und Kongreß-GmbH, beschlossen hat, seinem Pächter – letztlich Kofler & Kofler – fristlos zu kündigen, hat hohe Wellen geschlagen. Das liegt unter anderem daran, dass in dem Restaurant, dem dazugehörigen Wintergarten und oben im Speicher für die kommenden Tage, Wochen und Monate bereits etliche Veranstaltungen – darunter Hochzeiten, Firmenveranstaltungen und Konzerte – gebucht wurden. „Wir wollen möglichst alle Verträge einhalten und arbeiten die aktuellen Buchungen ab“, erklärt Holger Reuter, Prokurist der Kur. Darüber führe man zurzeit auch mit dem bisherigen Pächter Peter Kofler Gespräche. Das Konzert von Kaye Ree am Freitag im Speicher soll auf jeden Fall stattfinden – „zur Not mit einer externen Catering-Lösung“.

Auch Kofler versichert, dass es am Bahnhof „weiter geht, egal wie“, und spricht ebenfalls von einer „Unmenge an Veranstaltungen“ und dass man die Kunden nicht vor den Kopf stoßen könne. Dafür müsse eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden werden. Kofler: „Wir verhandeln zurzeit, alles ist möglich.“ Er habe dem Pächter einige Wege aufgezeigt.

OB: Keine Grundlage mehr

„Alles ist möglich“ – das lässt Raum für Spekulationen , denen OB Alexander Hetjes (CDU), der auch Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bahnhofs GmbH ist, aber kategorisch einen Riegel vorschiebt. „Ich sehe keine Grundlage für eine weitere gemeinsame Zukunft“, antwortete Hetjes auf die Frage, ob eine weitere Zusammenarbeit mit Kofler trotz der am vergangenen Freitag im Verwaltungsrat beschlossenen fristlosen Kündigung denkbar sei.

Die Kündigung soll Kofler dieser Tage zugestellt werden. „Das ganze ist ein sehr komplexes Verfahren, das wir juristisch sauber aufarbeiten müssen“, erklärt denn auch Reuter. Man habe Kofler zunächst mal eine letzte Zahlungsaufforderung zukommen lassen. Wird auf diese nicht reagiert, komme es zur fristlosen Kündigung – inklusive Vermieterpfandrecht. Das heißt, dass die Verpächter ein Anrecht auf allen im Restaurant befindlichen haben.

Und wie geht es danach weiter? Die Bahnhofs GmbH arbeitet bereits an Plan B – will heißen, man ist auf der Suche nach einem Nachfolger. Nach Informationen dieser Zeitung sollen bereits aussichtsreiche Gespräche mit dem bisherigen Küchenchef und der Restaurantleiterin geführt worden sein. Das würde einen beinahe nahtlosen Übergang bedeuten. „Wir wollen Strukturen schaffen, die einen dauerhaften Betrieb gewährleisten“, erklärt Reuter. Dahinter versteckt sich die (berechtigte) Sorge, dass man nach zwei Fehlschlägen – schon der erste Pächter hatte noch kurzer Zeit das Handtuch geworfen – die Immobilie verbrennt.

Das dürfte auch der Hintergrund sein, warum man Kofler, der quasi seit der Eröffnung im April vergangenen Jahres keine Pacht bezahlte, so lange gewähren ließ. Der Verwaltungsrat der Bahnhofs GmbH war im vergangenen Jahr, so Hetjes, über Schwierigkeiten im Pachtverhältnis informiert worden und dass es einen Verzug bei der Pacht gebe, über die tatsächliche Höhe der Rückstände wurde dem Verwaltungsrat erstmals im März dieses Jahres (damals waren rund 140 000 Euro aufgelaufen) berichtet. Dennoch hatten die Verwaltungsräte damals den Auftrag erteilt, nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen. Diese sollte unter anderem die Zahlung der Pachtrückstände beinhalten. Nach Informationen dieser Zeitung hatte Kofler jedoch in der vergangenen Woche lediglich 10 000 Euro überwiesen.

Kofler: Hohe Investitionen

Spannend wird daher die Frage, was aus restlichen rund 170 000 Euro nichtbezahlter Pacht wird. Kofler hatte seine Handeln mit nicht eingehaltenen Zusagen seitens der Stadt begründet. Er spielt damit auf die Baustellen vor dem Bahnhof, die ihm das Geschäfte verdorben hätten. Allerdings waren die Arbeiten am Bahnhofsvorplatz und am Busbahnhof bei Betriebsbeginn bekannt gewesen – darauf weist auch Reuter hin: „Es gab eine entsprechende Präambel im Vertrag, die auf dieses Handicap hinwies.“ Kofler verweist derweil auf die hohen Investitionen, die er im Bahnhofsrestaurant getätigt habe. Rund 400 000 Euro habe er investiert. „Ich fühle mich ausgenommen“, so der Gastronom.

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