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Die Demokratie und die Angst: Wissenschaftler diskutieren über amerikanische Literatur

Von Die Bedeutung von Angst und Bedrohung in der amerikanischen Literatur war mit Johannes Völz und seinem neu vorgelegten Buch „The Poetics of Insecurity“ Thema im Forschungskolleg Humanwissenschaften.
Prof. Dr. Johannes Völz Prof. Dr. Johannes Völz
Bad Homburg. 

Johannes Völz ist seit 2016 Heisenberg-Professor für Amerikanistik an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt im Fachbereich Neuere Philologien. Sein Schwerpunkt ist „Demokratie und Ästhetik“, sein Forschungsgebiet die demokratische Gesellschaft der USA aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Perspektive.

In seinem neuen Buch „The Poetics of Insecurity: American Fiction and the Uses of Threat“ (Ins Deutsche übersetzt: „Die Poetik der Unsicherheit: Die Bedeutung von Angst und Bedrohung in der amerikanischen Literatur“) durchleuchtet Völz ausgewählte amerikanische Literatur der letzten 200 Jahre.

Das Zeitalter der Sicherheit

Das Buch stellt einen wichtigen Beitrag in der Debatte um Sicherheit und Unsicherheit in Politik, Kultur und Gesellschaft dar. Aus diesem Grund wurde die Vorstellung des Werkes auch von Prof. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Leiter des Forschungskollegs, in die Gesprächsreihe aufgenommen und so einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Gesprächspartner von Johannes Völz war am Donnerstag in der Reimers-Villa Am Wingertsberg Prof. Dr. Heinz Drügh. Er ist Professor für Literaturgeschichte im 18. und 19. Jahrhundert und Ästhetik.

„Es gibt viele gute Gründe, das 21. Jahrhundert als Age of Security zu sehen, das Zeitalter der Sicherheit“, leitet Völz das Gespräch ein. So seien doch die Themen Sicherheit für PC, Daten und Identität, sowie Diskussionen gegen Terror an der Tagesordnung. Allerdings wolle er diese Kategorie in ihr Gegenteil umkehren, denn sie werde im Grunde ständig dazu benutzt, um Probleme zu diskutieren, sagen nichts über die Sicherheit selbst aus. Und so habe er die allgemeine Unsicherheit als Ausgangspunkt seines Buches gewählt.

Den Gesellschaftswissenschaftlern will Johannes Völz damit keine Konkurrenz machen, er betrachtet das Thema vom Aspekt der Ästhetik her. Neben dem gängigen Vorurteil, wie Vorstellung von Sicherheit und Unsicherheit hergestellt wird und Medien angeprangert werden, mit ihren Meldungen Ängste und Unsicherheit zu schüren, bieten Romane andere Möglichkeiten. Im Zeichen geschilderter bedrohlicher Geschehnisse können hier kreativ neue Formen der Zusammenarbeit entstehen, können Akteure im Überwinden von Gefahren sich selbst neu entdecken und daran erstarken. Fiktionen können weit in eine unbekannte Zukunft vorangetrieben werden und auch den Leser im Nachvollzug dessen für Zukünftiges ertüchtigen.

Realität und Fiktion

In der nachfolgenden Diskussion thematisieren die Teilnehmer, wie weit dies gelingen kann durch bloße Anteilnahme im Vergleich zu tatsächlich überstandenen Gefahren. Völz betont, Fiktionen aus der Literatur seien unterschwellig immer dabei, wenn real Gefahr droht.

Drügh bringt Odysseus ins Gespräch; Pläne, List und kluges Verhalten lassen ihn Gefahren bezwingen. In der Politik und dem täglichen Leben ist das alles viel realer. Und besonders eine Demokratie, in der Entwicklung in jeder Richtung möglich ist, erfordert ständigen Umgang mit Unsicherheiten. Völz wirft die interessante Frage auf: „Was passiert, wenn alle Sicherheitsfragen gelöst sind? Life would lose it’s Vitality – Das Leben würde seine Lebendigkeit verlieren.“ Angeregte Gespräche krönten den interessanten Abend.

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