Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

Zeitreise mit Mutter Goethe

Auf Einladung der Musisch bildnerischen Werkstatt plauderte die Historikerin und Schauspielerin Katharina Schaaf bei der diesjährigen Gartenlesung als Goethes Mutter aus dem Nähkästchen.
Historikern Katharina Schaaf schlüpfte in die Rolle der Catherina Elisabeth Goethe. Foto: Jochen Reichwein Historikern Katharina Schaaf schlüpfte in die Rolle der Catherina Elisabeth Goethe.
Friedrichsdorf. 

Nein, Goethes Mutter hat die „Grie Soß“nicht erfunden. Dafür hat sie ihren berühmten Sohn Johann Wolfgang, während er als der Jurastudent in Leipzig war, mit Paketen voller Schwartenmagen versorgt. Dieses und andere Geheimnisse lüftete am Sonntagmittag im Garten des ehemaligen Mädchenpensionates Puttkamer Katharina Schaaf bei der diesjährigen Gartenlesung der Werkstatt.

Die studierte Historikerin und in London ausgebildete Schauspielerin schlüpfte dabei nicht nur in ein historisches schwarz-rotes Gewand. Sie verkörperte die 1731 in Frankfurt geborene Catherina Elisabeth Goethe, geb. Textor, so authentisch, dass man fast hätte meinen können, sie sei es wirklich.

Schaaf zeigte Mutter Goethe als bodenständige, gut gelaunte und lebenskluge Frau, die stolz ist auf ihren „Bub“, den berühmten Minister, Dichter und Naturforscher. Die aber trotz des wohlsituierten Lebens in dem schlossähnlichen Haus am Großen Hirschgraben in Frankfurt nie den Bodenkontakt verlor.

In wunderbarer Frankfurter Mundart ließ sie sich über die Kindheit ihres Erstgeborenen, die Lebensumstände in der zeitweise von den Franzosen besetzten Stadt und die Marotten und Ansichten ihres Ehemannes Johann Casper Goethe aus, den sie mit 18 Jahren heiratete.

Mit viel Humor erzählte sie davon, wie kränklich der spätere Dichterfürst als Neugeborenes war. Man habe ihn mit warmem Wein „abgewäsche“ und in der Küche in der noch warmen Backröhre „nachbacke“ müssen. So gestärkt habe er dann als drei- oder vierjähriger Knirps sein komplettes Puppengeschirr „uff die Gass“ geschmissen, nur um zu sehen, ob und wie es in tausend Scherben ging.

Auch die „Dippsche“ aus der elterlichen Küche blieben vom frühen Forscherdrang nicht verschont. Katherina Schaaf, die außer Goethes Mutter noch weitere historische Persönlichkeiten im Repertoire hat, gelang mit ihrer Darbietung nicht nur ein äußerst unterhaltsamer Einblick in das Frankfurter Leben der Familie Goethe. Gleichzeitig zeichnete sie die gesellschaftlichen und standrechtlichen Gegebenheiten nach und gab einen Überblick über die Kulturgeschichte am Ende des Rokoko und am Anfang der Klassik.

Plauderstündchen

Quellen für die als Lesung angekündigte Veranstaltung, die aber gar keine Lesung, sondern ein Plauderstündchen in freier Rede war, sind unter anderem die erhaltenen Briefe der Catherina Elisabeth Goethe, Goethes Autobiografie „Dichtung und Wahrheit“ und „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“ von Bettine von Arnim.

Die Umgebung tat ihr Übriges, dass es zum Schluss einen kräftigen Applaus der über 100 Gartengäste gab. Das Ambiente mit dem großen Walnussbaum, dem kleinen Gartenteich und den original aus der Zeit des Pensionats stammenden Buchshecken passt wunderbar zu dieser Zeitreise. Und ein bisschen schloss sich auch ein Kreis an diesem Sonntagmittag.

Denn schon als hier junge Mädchen standesgemäß erzogen wurden, habe es immer wieder Dichterlesungen gegeben, verriet der Künstler und Dozent Eckhart Gehrmann, dem das Anwesen mit seinem Garten heute gehört, am Rande der Veranstaltung. Mit der Gartenlesung wurde dem Publikum dann klar, das auch die Mütter großer Dichter durchaus etwas zu sagen haben.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse