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Zug ohne Wiederkehr

Wenn Aktionskünstler Günter Demnig am 13. März nach Königstein kommt, um den Eugen-Kogon-Preis in Empfang zu nehmen, wird er diese Gelegenheit dazu nutzen, weitere „Stolpersteine“ in der Kurstadt zu verlegen. Einer der Steine wird den Namen von Bertha Henlein tragen.
Königstein. 

. Die Königsteiner Initiative Stolpersteine freut sich über die Entscheidung des Komitees für die Vergabe des Eugen-Kogon-Preises. Dieser soll am 13. März dem Künstler Gunter Demnig für sein Lebenswerk verliehen werden. Damit werde ein einzigartiges politisches Kunstwerk geehrt, erklärt die Initiative in einer Mitteilung.

Im Sinne des Namensgebers des Preises, Eugen Kogon, halte Demnig mit seiner Arbeit die Erinnerung an die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten wach.

Die wichtigste Veröffentlichung des Publizisten und Falkensteiner Bürgers Kogon war das Buch „Der SS-Staat“, durch das vielen Deutschen in der Nachkriegszeit die Augen über Konzentrationslager geöffnet wurden. Demnig hat bislang europaweit in über tausend Städten mehr als 48 000 Stolpersteine verlegt, die an Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnern.

Am 13. März wird Demnig in der Kurstadt auch einen Stolperstein für Bertha Henlein verlegen, die in der Falkensteiner Straße 2 wohnte. Sie wurde am 28. Juli 1881 in Königstein als Tochter der lange in Königstein ansässigen Familie Henlein geboren. 1908 wohnte die ledige Bertha, die laut der Königsteiner Meldekarte „ohne Beruf“ war, bei ihrem Bruder Mayer und dessen Frau Johanna in der Hauptstraße 3.

Ins weißrussische Ghetto

In den 1930er Jahren lebte Bertha in der Falkensteiner Straße 2. Von dort meldete sie sich am 28. März 1939 nach Frankfurt ab. Wie auch andere jüdische Einwohner Königsteins zog sie in die nahe gelegene Großstadt.

Am 11./12. November 1941 wurde Bertha Henlein von Frankfurt aus ins Ghetto Minsk deportiert. Dort kam sie mit über tausend Leidensgenossen am 17. November an. Das Ghetto Minsk war ein abgeriegelter Bezirk in der weißrussischen Stadt, in dem vom Juli 1941 an die etwa 60 000 jüdischen Einwohner von Minsk gefangen gehalten wurden.

Mit Deportationszügen wurden seit November 1941 auch 7000 Juden aus dem Deutschen Reich zusätzlich in das nur etwa zwei Quadratkilometer große Ghetto gebracht. Die Ernährung bestand dort aus 200 Gramm Brot pro Tag.

Bei mehreren Pogromen der deutschen Besatzungsmacht wurden die meisten Bewohner des Ghettos ermordet. Bis Oktober 1943 blieben nur etwa 2000 Gefangene übrig, die bei der Auflösung des Ghettos am 21. Oktober 1943 abtransportiert und ermordet wurden.

Wie und wann Bertha Henlein starb, ist nicht bekannt.

(tz)
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