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Fünfeckturm: Zuwachs für die Burgfamilie

Von Die „Aufrechten“ liegen im Zeitplan: Mitte Oktober werden im Fünfeckturm der Kronberger Burg fünf Holzstelen eingeweiht, die die Historie der Stadt wieder aufleben lassen. Bis dahin müssen sie noch geglättet, gebeizt und gepflegt werden.
Kronberger Stelen-Projekt: Holzbildhauer Matthias Schmidt arbeitet am Burgfräulein. Foto: David Schahinian Kronberger Stelen-Projekt: Holzbildhauer Matthias Schmidt arbeitet am Burgfräulein.
Kronberg. 

Kronbergs neues Herrscherpaar wird am Sonntag, 14. Oktober, bei einem Frühschoppen erstmals Hof halten. Auch eine Tochter, ein Ritter und ein Bischof werden dabei sein. Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) braucht jedoch keinerlei Einschränkungen seiner Befugnisse befürchten: Des Herrscherpaars Reich ist auf den Fünfeckturm der Kronberger Burg begrenzt, und man kann sie mit gutem Gewissen als Holzköpfe bezeichnen, sofern man dies nicht despektierlich meint. „Ich bin gut vorangekommen, wir sind im Zeitplan“, verkündet Holzbildhauer Matthias Schmidt. Er verleiht den Stelen – aus dem Holz eines vom Sturm gefällten Baums gearbeitet (wir berichteten) –, den letzten Schliff.

Der Ritter und der Bischof haben ihr neues Zuhause bereits bezogen, die Herrscherfamilie liegt noch auf der Wiese vor dem Turm. Der Grund für die Vorhut ist einfach: „Ich bin bei der Bearbeitung immer nahe an ihnen dran. Wenn man sie aufstellt, wirken sie aber gleich ganz anders.“ Das gilt für den 2,90 Meter großen Bischof, und umso mehr für den Herrscher, der ganze 3,40 Meter lang ist. Deren endgültige Standorte sind bereits auf dem Boden markiert. In einer Bogenform sollen die Stelen stehen. Der Besucher komplettiert dann die Runde der „Aufrechten“ und tritt direkt mit ihnen in einen Dialog. Gleichzeitig werden die Objekte so weit von der Turmmauer entfernt stehen, dass man auch ihren Rücken sieht – der bekanntlich, auch wenn er hölzern ist, ebenfalls entzücken kann.

Bis zur Einweihung des neuen Blickfangs ist an den Objekten noch einiges zu tun. „Beim Sägen entstehen kleine Splitter“, erklärt der Schmittener Künstler. Zur besseren Handhabung und größeren Sicherheit werden sie abgebrannt und mit einer Messing-Drahtbürste bearbeitet. Die Oberfläche wird dadurch griffiger – und die Besucher wollen die Figuren ohnehin im doppelten Wortsinn begreifen.

Anschließend wird das Holz mit einer Metallbeize eingefärbt. „Es erhält dann Grau- und Schwarztöne, die manchmal auch ins Bläuliche übergehen können.“ Einen zusätzlichen Schutz bietet die Behandlung nicht, sie dient allein der Verschönerung. Flecken, etwa vom Öl der Motorsäge, werden nach dieser Behandlung nicht mehr zu sehen sein.

Sie sind unverwechselbar

Wie beim Menschen sind es aber die besonderen Eigenschaften, die einen Charakter erst wirklich schön erscheinen lassen. Bei der Tochter, dem Burgfräulein, hat Schmidt etwa die Art des Holzwuchses genutzt, um sie unverwechselbar zu machen. „Sie dreht als einzige der Figuren ihren Kopf.“ Ob zu ihren Eltern oder doch zum holden Ritter, das wird der Fantasie des Betrachters überlassen bleiben.

Die Figuren sind Ende letzter Woche fertig geworden. Mitte September sollen sie aufgestellt werden, was noch einige logistische Herausforderungen mit sich bringt. Sie sind mit mindestens 150 Kilo viel zu schwer, um sie alleine oder zu zweit zu transportieren. Unter anderem soll ein Flaschenzug mithelfen. Außerdem kann Schmidt seit kurzer Zeit auf die Hilfe eines syrischen Geflüchteten zurückgreifen, der die kunstvolle Holzbearbeitung in seiner Heimat erlernt hat.

Zudem sollen bis Mitte September Halterungen und Platten angebracht werden, um die Figuren zu befestigen. „Holz darf nicht direkt auf dem Boden stehen“, berichtet Schmidt. Sogenannte Abstandshalter werden dafür sorgen, dass die Figuren keine nassen Füße kriegen und das Material somit nicht faulen kann.

Durch die Fensterlöcher und eine Öffnung in der Decke sind die Kunstwerke, zumindest teilweise, äußeren Witterungseinflüssen ausgesetzt. Danach bleiben noch rund vier Wochen Zeit, um weitere Arbeiten auszuführen.

„Das schaffen wir“, zeigen sich Schmidt sowie Marlies Lendzian-Coane und Astrid Vowinckel-Reichl vom Burgverein zuversichtlich. Eine Audienz bei einem Herrscherpaar sagt man schließlich nicht einfach so ab.

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