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Neun Monaten auf Bewährung: 29-Jähriger ergaunerte sich mehr als 18 000 Euro

Von Keine Betrugsmasche ist so raffiniert, dass sie nicht noch getoppt werden kann. Der Kreativität der Betrüger ist offenbar keine Grenzen gesetzt. Vielleicht wird es ihnen aber auch nur zu leicht gemacht . . .
Symbolbild Symbolbild
Schwalbach/Neu-Isenburg. 

Ein 29-jähriger Neu-Isenburger ist vor dem Königsteiner Amtsgericht wegen 31-fachen Betrugs im Zeitraum zwischen 2014 und 2016 zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Da der Mann sich mit seinen Taten ein dauerhaftes Zubrot gesichert hat, ging das Gericht von Gewerbsmäßigkeit aus. Er hat sich insgesamt 18 423 Euro ergaunert.

Der Mann, der geständig war und dem Gericht sein „Geschäftsmodell“ im Detail erläuterte, gab zu, aus Geldnot gehandelt zu haben. Die Finanzen der Familie seien damals wegen der Krebserkrankung seines Schwiegervaters verrutscht. Es sei an ihm gewesen, die Sippe finanziell über Wasser zu halten. Dass die von ihm ersonnene Betrugsmasche dann aber gleich so gut geklappt hat, habe ihn selbst überrascht, aber auch weitermachen lassen. Ein großer Teil des angerichteten Schadens sei bereits ausgeglichen und für den Rest wolle er auch geradestehen.

„Cashback“ als Köder

Die Richterin hatte ihr Urteil wegen „Fälschung beweiserheblicher Daten“ gefällt. Das klingt kryptisch, hat bei dem damals noch in Schwalbach wohnenden Angeklagten aber prima funktioniert: Er machte sich eine auf Kundenbindung ausgerichtete Methode vieler Hersteller von Gütern der Unterhaltungs- und Telekommunikationselektronik zunutze. „Cashback“ heißt der Köder, mit dem die Unternehmen Kunden an den Haken nehmen, indem sie ihnen einen Teil des Kaufpreises zurückerstatten. Einige tun dies mit Bonuspunkten, andere mit Barüberweisungen. Auf die hatte es der Angeklagte abgesehen.

Er ging dabei mit großer Raffinesse vor: Kurz vor dem Nikolaustag 2014 orderte er im Internet ein Samsung-Handy, für das der Hersteller den Kunden 100 Euro rückerstatten wollte, „Cashback“ eben. Dafür muss nur eine Kopie des Kaufbelegs mit der Seriennummer des Geräts eingereicht werden, und schon kommt Geld.

Da der Mann aber schon ein Handy hatte, schickte er es zurück und ließ sich den Kaufpreis zurückerstatten. Die Rechnung jedoch behielt er, um sie mit dem Computer in seinem Sinne und als Grundlage für seine Betrügereien umzudeuten. In der Folge besuchte er dann die einschlägigen Elektronikmärkte, schrieb sich die Seriennummer von Samsung-Produkten von den Verkaufsschildchen ab und setzte diese in die handgemachten PDF-Kaufbelege ein. Häufig bestellte er auch Elektronikware, um sie wieder wegen Nichtgefallens zu retournieren.

Virtuell „gekauft“

Es ist kaum zu glauben, aber es funktionierte tatsächlich. 31 Mal hat es der Angeklagte genau so getrieben, 31 Mal kam Geld – anfangs nur 100 Euro, später bis zu 1596 Euro. Da ging es aber schon um Flatscreen-Fernseher. Die jedoch habe er sich nicht erst schicken lassen, sondern nur virtuell mit der gestohlenen Seriennummer „gekauft“. Und damit es dem Elektronikriesen aus Südkorea nicht auffiel, dass der Schwalbacher den offenbar bis ins Mark markentreuen Kunden nur zum Schein gab, wechselte der Angeklagte nicht nur die Anschriften, sondern auch die Konten. Die seien nicht extra eröffnet worden, es habe sie schon vorher gegeben, versuchte der 29-jährige Angeklagte den beim Gericht aufkeimenden Verdacht, er sei noch durchtriebener als die Staatsanwaltschaft schon angenommen hatte, zu zerstreuen. Das nahm das Gericht ihm ja noch ab.

Dass er aber tatsächlich „nichts“ mit dem ergaunerten Geld gemacht, sondern es als „Notgroschen“ eingelagert haben will – daran blieben Zweifel, obwohl die Polizei bei der Hausdurchsuchung – irgendwann war der Trick der Buchhaltung aufgefallen – den größten Teil der Beute sicherstellen konnte. Vielleicht waren die Beamten aber auch nur schneller als der Mann die Kohle ausgeben konnte . . .

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