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Flüchtlinge: Äthiopierin bangt um Aufenthaltsgenehmigung

Von Monica Shaquts Asylantrag wurde schon einmal abgelehnt. Nun hat sie mit Hilfe von Dieter Kasper und einem Anwalt dagegen geklagt. Bis circa Oktober muss sie nun bangen, ob der Rechtsweg erfolgreich war.
Unterstützer Dieter Kasper, Deborah und Monica Shaqut hoffen noch, dass die Klage gegen den abgelehnten Asylantrag der Äthiopierin erfolgreich ist und die junge Frau mit ihrer Tochter in Neu-Isenburg bleiben kann. Unterstützer Dieter Kasper, Deborah und Monica Shaqut hoffen noch, dass die Klage gegen den abgelehnten Asylantrag der Äthiopierin erfolgreich ist und die junge Frau mit ihrer Tochter in Neu-Isenburg bleiben kann.
Neu-Isenburg. 

Deborah ahnt nichts von den Sorgen ihrer Mama. Unbeschwert hüpft die Zweijährige in ihrem rosa Kleidchen durch das kleine Appartement in der Hugenottenallee. Sie spielt mit ihrer Puppe und klettert an „Opa“ Dieter Kasper herum. Zum Glück ist das kleine Mädchen so unbeschwert – denn die Sorgen von Monica Shaqut wiegen schwer. Die 27 Jahre alte Äthiopierin ist eine von vielen hunderten Flüchtlingen, die im September 2015 in die Hessische Erstaufnahme in Neu-Isenburg kamen. Sie war damals schon ein Sonderfall – hochschwanger und alleine auf sich gestellt, hatte sie immenses Glück, dass sie von der Familie Kasper aufgenommen wurde. Sie konnte in Ruhe ihr kleines Mädchen bekommen und genoss etwas mehr als zwei Monate die private Atmosphäre in der Familie. Bürgermeister Herbert Hunkel setzte sich dann persönlich für die junge Frau ein, damit sie in der Hugenottenstadt bleiben konnte und in der Unterkunft in der Hugenottenallee auch ein Zuhause fand.

So weit – so gut. Das Problem, dass Monica nur schlecht einschlafen lässt, ist ihr Aufenthaltsstatus. Der im Jahr 2015 gestellte Asylantrag ist inzwischen negativ beschieden. „Ich war damals bei dem Interview mit dabei. Das waren drei Stunden Befragung, sie haben Monica richtiggehend in die Mangel genommen und haben auch Fangfragen gestellt. Aber sie hat alles beantwortet, und wir sind eigentlich mit viel Hoffnung aus dem Gespräch herausgekommen“, erzählt Dieter Kasper. Bei dem Gespräch im Dezember 2016 waren ein Anhörer und auch ein Dolmetscher involviert.

Flucht durch die Wüste

Monica ist schon vor vielen Jahren aus Äthiopien in den Sudan geflohen. Sie hat in ihrem Heimatland, wo sie übrigens niemals die Schule besuchte, keine Familie mehr. Der Vater war Oppositioneller und die Eltern wurden verschleppt. Es gibt noch eine jüngere Schwester, zu der aber kein Kontakt besteht. Als Teenager ist die junge Frau in Äthiopien im Gefängnis gelandet – warum, weiß sie nicht. In dem Gießener Interview notierte sich der Mitarbeiter die Schlagworte Folter und Vergewaltigung. Die große Narbe über dem Auge von Monica Shaqut spricht auch eine deutliche Sprache. Ihr gelang die Flucht aus dem Gefängnis, und sie ging alleine in den Sudan. Dort lebte sie sieben Jahre. Als sie ihr Baby erwartete, schien Flucht die einzige Möglichkeit zu sein. „Ich möchte ein besseres Leben für Deborah. Ich selbst habe nie lesen und schreiben gelernt. Ich will, dass sie in die Schule gehen kann, ohne Gewalt und in Frieden und Sicherheit aufwächst. Das gibt es in Äthiopien nicht“, sagt die eigentlich so fröhliche Monica unter Tränen in noch gebrochenem Deutsch. Da wird auch die kleine Deborah ganz traurig und kuschelt sich bei ihrer Mutter auf dem Schoß ein. Sie hat dann den beschwerlichen und für eine alleinstehende und schwangere Frau auch gefährlichen Weg durch die Wüste, das Mittelmeer und Italien auf sich genommen.

„Der Mann, der das Interview in Gießen geführt hat, hat uns gesagt, dass er uns die Geschichte glaubt. Aber er hat uns auch gleich gesagt, dass nicht er es ist, der die Entscheidung trifft.“ Der Schock kam drei Monate später mit einem Brief aus Eisenhüttenstadt. Kurz vor Ostern 2017 erhält Monica einen zehnseitigen, aus Textbausteinen zusammengesetzten Brief mit der Aussage, dass das Leben in Äthiopien nicht gefährlich ist. Der Asylantrag ist abgelehnt. Mit dem Schreiben muss Monica theoretisch das Land innerhalb von 14 Tagen verlassen.

„Ich war mit meiner Frau gerade in Äthiopien – weil es uns interessiert hat, wie das Leben dort ist“, erzählt Dieter Kasper. Es gebe keine Reisewarnung, aber die Deutsche Botschaft warne davor, sich frei zu bewegen und Adis Abeba zu verlassen. Ausgebrannte Fahrzeuge an jeder Straße, tödliche Gewalt bei Demonstrationen und Korruption schon im kleinen, alltäglichen Leben seien in dem afrikanischen Land normal.

Kein Anrecht auf Sprachkurs

„Wir haben dann einen Rechtsanwalt beauftragt und Klage gegen den abgelehnten Asylantrag eingereicht. Der Jurist macht uns nicht sehr große Hoffnungen. Äthiopien gilt als sicheres Herkunftsland“, sagt Dieter Kasper – inzwischen auch etwas verzweifelt. Monica habe es ohnehin schwer – als Äthiopierin habe sie kein Anrecht auf Sprachkurse – sie lerne dank der Volkshochschule Neu-Isenburg kostenlos drei Mal in der Woche Deutsch und nutze auch in der Stadtbücherei die Sprachkurse in jeder freien Minute, um ihr Deutsch weiter zu verbessern. Die derzeitige Situation sei schwierig. Monica hat Angst vor der drohenden Abschiebung. „Momentan haben wir einen Schwebezustand – das ist natürlich besser als eine Ablehnung. Aber es ist auch nicht leicht auszuhalten, weil wir gerade gar nichts tun können“, sagt Dieter Kasper.

Wegen der völlig überlasteten Gerichte ist bislang noch kein Urteil zu dem Fall der Äthiopierin gesprochen. Der beratende Rechtsanwalt rechne mit einer Entscheidung im Herbst oder Winter 2018. Monica Shaqut und auch die Familie Kasper hoffen, dass die Richter sich den Fall genau anschauen, damit Deborah und Monica doch in Neu-Isenburg bleiben können. Die junge Mutter träumt von einer Arbeit und dem Schulbesuch für ihr kleines Mädchen – und von Sicherheit und einer Zukunft in Deutschland.

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