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„Anerkennung für getane Arbeit“

Für die Kandidaten ist jetzt erst mal Ausspannen angesagt. Hartmut Honka bedauert das Ende der Zusammenarbeit mit den Liberalen. Diese wollen den Kopf nicht in den Sand stecken. Auch SPD und Grüne blicken nach vorne.
Corrado Di Benedetto, Jens Zimmermann, Carsten Müller, Ulrike Alex, Ralf Kunert und Dirk Gene Hagelstein analysierten gemeinsam das SPD-Ergebnis.	Foto: Jost Corrado Di Benedetto, Jens Zimmermann, Carsten Müller, Ulrike Alex, Ralf Kunert und Dirk Gene Hagelstein analysierten gemeinsam das SPD-Ergebnis. Foto: Jost
Kreis Offenbach. 

„Das war schon eine verrückte Wahlnacht, da gehst du um Mitternacht ins Bett in der Erwartung, dass die FDP nicht mehr im Landtag ist und dann wachst du am nächsten Morgen auf und die Liberalen sind doch drin“, sagte CDU-Landtagsabgeordneter Hartmut Honka aus Dreieich. Und auch, dass sich Angela Merkel trotz des Wahltriumphes im Bund - und kurz vor der absoluten Mehrheit stehend - sich nun nach einem neuen Koalitionspartner umsehen müsse, sei schon „verrückt“, so Honka.

Aber schnell waren trübe Gedanken bei dem klaren Sieger im Wahlkreis Offenbach Land I für die Landtagswahl verscheucht. Er genießt seine erneute direkte Wahl in den Landtag. 43,8 Prozent der Stimmen hat er erreicht und hat im Vergleich zu 2009 nochmals zugelegt. Damals holte sich Honka 43,3 Prozent. Damit liegt er über den Landesstimmen seiner Partei, die sich in dem Wahlkreis 39 Prozent holte. Das sei aber nicht entscheidend, so Honka, „es ist aber schon ein schönes Zeichen und eine Anerkennung für die getane Arbeit“.

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Privates aufarbeiten

 

An seinem Ergebnis gebe es wirklich nichts zu mäkeln, zumal er seine Konkurrenten („es war ein ruhiger, sachlicher und fairer Wahlkampf“) deutlich hinter sich ließ. Nun sei erst mal Ausspannen angesagt, „ich werde einiges Private aufarbeiten“. Spannend bleibe es in Wiesbaden, wer da mit wem koaliere. Festlegen wollte sich Honka noch nicht. Die Linken kämen natürlich für eine Zusammenarbeit nicht in Betracht und SPD sowie Grüne hätten ihre „Stärken und Schwächen“. Dass es mit den Liberalen nicht in einer Koalition weitergehe, sei bedauerlich. „Das waren gute Partner“, so Honka.

FDP-Landtagskandidat Axel Vogt (3,3 Prozent, minus 9,7 Prozent) musste den Schock des desaströsen Wahlausgangs für die Liberalen erst mal verdauen. Aber die Flinte ins Korn werfen möchte der engagierte Lokalpolitiker aus Egelsbach nicht: „Wir müssen uns mehr an die Menschen wenden und unsere politischen Ideen für den Alltag übersetzen.“ Dafür gebe es gerade auch in der Lokalpolitik viele Ansatzpunkte. „Schade, dass es die hessische Landes-FDP nicht ganz geschafft hat, sich dem negativen Trend der Liberalen auf Bundesebene zu entziehen.“

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Nach der Wahl ist vor dem Stühlerücken: Für viele Politiker bedeutet die Bundestagswahl den Abschied aus dem Rampenlicht. Manche gehen freiwillig in den politischen Ruhestand, andere wurden vom Wähler aufs Abstellgleis geschickt: eine Auswahl prominenter Abgänge. Alle Fotos: dpaPhilipp Rösler (FDP) - Sein Rückzug aus der Politik war für den scheidenden FDP-Chef schon seit Jahren beschlossene Sache. Mit 45 Jahren wollte Rösler aufhören und etwas anderes machen, wie er stets betonte. Mit dem schlechten Abschneiden der FDP kam das Ende früher als gedacht.Rainer Brüderle (FDP) - Mit seinem Dirndl-Spruch trat der 68-Jährige im Januar eine große Sexismus-Debatte los und brachte den Begriff «Herrenwitz» wieder in Mode. Was sonst noch in Erinnerung bleibt, wird sich zeigen - als Spitzenkandidat ist er jedenfalls gescheitert.

Jörg Müller, Vorsitzender der Neu-Isenburger FDP, sagte: „Die Partei ist der große Verlierer auf Landes- und Bundesebene.“ Allerdings könne es an der FDP in Neu-Isenburg nicht liegen, so Müller. Auf Kommunalebene erreichte sie 7,1 Prozent, „wir machen also eine gute Kommunalpolitik“, so Müller.

Nur wenige Stunden, nachdem alle Wahlzettel ausgezählt waren und das Ergebnis feststand, hatte SPD-Unterbezirksvorsitzender für den Kreis Offenbach, Carsten Müller, mit den SPD-Kandidaten zu einer Pressekonferenz eingeladen. „Wir haben zumindest einen Wahlsieg erreicht“, sagte Müller, „wir werden mit Corrado Di Benedetto und Ulrike Alex zwei Landtagsabgeordnete stellen. Das ganz große Ziel, künftig den Kanzler zu stellen, ist uns leider nicht gelungen.“

Es sei kein Sieg der CDU gewesen, analysierte der Kreisbeigeordnete, sondern vielmehr ein Sieg von Angela Merkel. „Aber wir müssen auch sagen, es gibt im Land wie im Bund eine linke Mehrheit, auch wenn die CDU die stärkste Fraktion stellt.“ Der Ball, mit dem Mehrheiten gesucht werden, müsse jetzt von Volker Bouffier und Angela Merkel gespielt werden. An der Mobilisierung der Wähler habe es im Kreis Offenbach nicht gelegen.

Wahlgewinner Hartmut Honka (vorne) verfolgte mit CDU-Parteikollegen im Kreishaus gespannt die Wahlberichterstattung.	Foto: Braungart Bild-Zoom
Wahlgewinner Hartmut Honka (vorne) verfolgte mit CDU-Parteikollegen im Kreishaus gespannt die Wahlberichterstattung. Foto: Braungart
Bundestagskandidat Dirk Gene Hagelstein sagte: „Wir haben einen starken Wahlkampf geliefert, und so viele Sozialdemokraten, die aktiv waren, hat es lange nicht mehr gegeben.“ Dass die Unterstützung im eigenen Wahlkreis riesig war, betonte Landtagskandidat Corrado Di Benedetto, der auf Listenplatz fünf sicher in den Landtag einzieht. „Ich hatte ein hochprofessionelles Team um mich - das hätte ich auch Peer Steinbrück gewünscht.“

Natürlich sei die SPD ein wenig enttäuscht, sie habe sich einen klaren Regierungsauftrag gewünscht. „In Bezug auf die Landtagswahl hatte die CDU einen unglaublichen Rückenwind aus Berlin, ohne ,Mutter Theresa Merkel’ wäre ein solcher Zuwachs an CDU-Stimmen niemals möglich gewesen“, vermutete Corrado Di Benedetto. Er will auch ein rot-rot-grünes Bündnis nicht gänzlich ausschließen: „Ich gehöre nicht zu denjenigen, welche die Linken dämonisieren, sie haben viele Stimmen bekommen, und wir sollten auch diesen Wählerwillen berücksichtigen“, so Di Benedetto.

 

Bouffier-Strategie

 

Die Landtagskandidatin der Grünen aus Dreieich, Lisa Süß, sagte noch am Abend direkt nach der Wahl, als die ersten Hochrechnungen im Sprendlinger Rathaus eintrudelten, dass sie schon sehr enttäuscht sei. „Gar nicht für mich persönlich, sondern für die Partei. In Hessen haben wir es einfach nicht geschafft, uns von dem Bundestrend abzukoppeln. Die Bouffier-Strategie, sich hinter Angela Merkel zu verstecken, ist aufgegangen. Was mich wirklich erschreckt ist das AfD-Ergebnis, denn diese Partei ist für mich schon rechtspopulistisch.“

Das Ergebnis der Grünen bedeute für sie das Aus für den Landtag - aber das sei nicht schlimm, sie habe einen Job und werde auch kommunalpolitisch sowie auch bei der Grünen Jugend Hessen aktiv bleiben. „Rot-Rot-Grün wäre für mich eine Option, wenn wir damit Schwarz-Gelb verhindern könnten“, sagte Süß. An Hartmut Honka richtete sie sich auch: „Ich hoffe, dass er sich der Verantwortung bewusst ist, die er für diesen Wahlkreis hat und ich hoffe er weiß, dass er alle Menschen vertreten soll - und nicht nur die christlichen.“

Die Christdemokraten verfolgten im „Sportcasino“ die Wahlergebnisse und hofften für die FDP, dass sie wieder in den Landtag einziehen möge.
Zittern, Hoffen und Bangen bis in die Nacht

Ratlose Gesichter brachte der Ausgang der Landtags- und Bundestagswahl bei den Besuchern der SPD- und CDU-Wahlpartys hervor. Zwar war die Freude bei den Sozialdemokraten zunächst groß, als es schien,

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Mit guter Laune ging das Stimmenauszählen den ehrenamtlichen Wahlhelfern leichter von der Hand.	Foto: fnp
Ohne die Wahlhelfer gäbe es keine Wahl

Wolfgang Dilfer wurde von der Gemeindebehörde zum Wahl-Schriftführer bestellt. Gewissenhaft leitete er den Wahlablauf.

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(njo,lf,mw)
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