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Bürgerinitiativen: Ausbaugegner protestieren gegen Rodung für Terminal 3

Nicht alle Teilnehmer der gestrigen Protestaktion im Treburer Oberwald sind grundsätzliche Flughafengegner. Aber sie wollen sich nicht mit dem stetigen Wachstum des Airports abfinden, für das nun weitere 4,5 Hektar Bannwald fallen sollen. Und das ist bei Weitem nicht der einzige Kritikpunkt.
Die zahlreichen Teilnehmer verfolgten den Protestaufruf von Petra Schmidt (vorne, rote Jacke) von der Bürgerinitiative Mörfelden-Walldorf. Foto: Leo F. Postl Die zahlreichen Teilnehmer verfolgten den Protestaufruf von Petra Schmidt (vorne, rote Jacke) von der Bürgerinitiative Mörfelden-Walldorf.
Mörfelden-Walldorf. 

Die Bürgerinitiativen (BI) von Mörfelden-Walldorf und Trebur setzten gemeinsam mit den Naturschützern von „Robin Wood“ am ersten Sonntag im neuen Jahr ein klares Zeichen, dass sie auch 2018 gegen die weitere Expansion des Frankfurter Flughafens kämpfen wollen. Im Treburer Oberwald, der geografisch zwischen Walldorf und Zeppelinheim in der Nähe des Walldorfer Badesees liegt, sollen nämlich rund 4,5 Hektar Wald gerodet werden. Hiergegen hatte Robin Wood gestern eine Protestaktion mit einem Protestbanner zwischen den Bäumen initiiert. Weitere 1,5 Hektar wären „Verfügungsflächen“ für die Bauarbeiten.

Es soll ein neuer Autobahnanschluss für das Terminal 3 entstehen. „Wieso wird ein neuer Autobahnanschluss überhaupt benötigt?“, fragte Jürgen Pons aus Mörfelden-Walldorf kritisch. Er war einer von vielen Bürgern aus der Region, die zum Protest gegen die Fraport und ihre Politik gekommen waren. Viele sind nicht generell gegen den Flughafen, aber gegen dessen ständige Ausdehnung.

Solidarität zeigen

Die Veranstalter hatten eine Kuchentheke aufgebaut, die von den Teilnehmern nach einem langen Fußmarsch durch den Wald auch gerne angenommen wurde. Bei lebhaftem Kommen und Gehen waren allein zwischen 14 und 15 Uhr 80 bis 90 Menschen anwesend, die sich über das Waldstück verteilten. Die Besucher wollten Solidarität mit den Veranstaltern zeigen und ihren Protest gegen die Fraport ausdrücken. „Der Flughafen frisst sich wie eine Krake durch unsere Region und durch den Wald. Zudem sorgt er für eine hohe Schadstoffbelastung in der Luft. Die wachsenden Flugbewegungen belasten zudem das Klima“, sagte Monika Wolf aus Nauheim, die in der Protestbewegung aktiv ist.

Monika Plattnik von der Bürgerinitiative Sachsenhausen verschaffte ihrem Unmut mit einem Protest-Schild und deutlichen Worten Luft. Bild-Zoom Foto: Leo F. Postl
Monika Plattnik von der Bürgerinitiative Sachsenhausen verschaffte ihrem Unmut mit einem Protest-Schild und deutlichen Worten Luft.

Die BI-Sprecherin Petra Schmidt ordnete die aktuell geplante Waldrodung für den neuen Autobahnanschluss in ihrer Ansprache in einen breiten Kontext ein. Es existiere ein reger Austausch mit anderen Bürgerinitiativen, die im Einzugsgebiet anderer Flughäfen aktiv sind. Im Gespräch mit dieser Zeitung beklagte Schmidt den bereits hohen Verlust an früherem Bannwald durch den Ausbau des Flughafens. Der Wald werde zur Naherholung, als Lärmschutz und Luftfilter dringend gebraucht. Zudem sei er wichtig für das Klima und bilde die Lebensgrundlage für viele Tierarten.

Interessen umdefiniert

Hierbei kritisierte Schmidt die politischen Entscheidungsträger, die nicht im Interesse der Anwohner, sondern im Sinne der wirtschaftlichen Interessen von Fraport und Lufthansa agierten und vorherigen Bannwald zur Rodung freigegeben hätten: „Das öffentliche Interesse wurde im Sinne von Fraport und Lufthansa umdefiniert.“ Schmidt prangerte den hohen Ressourcen- und Flächenverbrauch der Fraport an. Zudem kritisierte sie Ryanair und das geplante Terminal 3, das 2023 eröffnen soll. Die Flughafenbetreiberin habe sich mit ihren Prognosen verkalkuliert und wolle das jetzt wettmachen, indem sie „Billigflieger“ wie Ryanair ans neue Terminal 3 holen wolle. Gerade diese Fluglinie verletze aber schon jetzt häufig die Nachtruhe mit Flügen nach 23 Uhr. Das kritisierte auch die Mörfelden-Walldorfer Grünen-Fraktionschefin Andrea Winkler, die zusammen mit ihrem Mann Thomas, der für die örtlichen Grünen im Magistrat sitzt, gekommen war: „Billigflieger waren nie vorgesehen.“

Auch Ulrich Binger aus dem Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen war zur Veranstaltung gekommen. Er ist seit 2011 in der Protestbewegung aktiv. Als Betroffener ist sein Hauptthema der Lärmschutz. Hierbei ist ihm Solidarität besonders wichtig. „Die Menschen werden gegeneinander ausgespielt“, monierte er. Auch die Lärmpausen hätten seiner Meinung nach keine Verbesserungen gebracht, zumal sie nicht verbindlich seien. Vielmehr befürchtet er durch das Terminal 3 und die „Billigflieger“ eine zusätzliche Verschlechterung durch weiteren Fluglärm.

Petra Schmidt beklagte den hohen Verlust an Bannwald durch den ständigen Ausbau des Frankfurter Flughafens. Bild-Zoom Foto: Leo F. Postl
Petra Schmidt beklagte den hohen Verlust an Bannwald durch den ständigen Ausbau des Frankfurter Flughafens.

Für Sascha Friebe aus Mörfelden-Walldorf ist die hohe Schadstoffbelastung ein wichtiges Thema. Er kritisiert, dass der wachsende Verkehr den technischen Fortschritt bei Flugzeugen, auch wenn diese tatsächlich sauberer geworden seien, zunichtemache. Es gebe deshalb für die Menschen eine klare „Mehrbelastung“. Die Protestbewegung hat in Jahrzehnten zwar einige Erfolge erzielt, wie das aus ihrer Sicht allerdings unzureichende, weil „verwässerte“ Nachtflugverbot. Vor allem aber hat sie viele Enttäuschungen hinter sich. Die größten sind hierbei sicherlich die Startbahn West, die Nordwest-Landebahn und aktuell das Terminal 3. Dennoch sagte der seit vielen Jahren in der Protestbewegung aktive Rudi Hechler aus Mörfelden-Walldorf mit Blick auf die Zukunft: „Wir sind nicht mutlos.“

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