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Ausstellung im Stadtarchiv: Ausflug in Firmenwelt von gestern: Werdegang von örtlichen Traditionsunternehmen

Von Unter dem Titel „Neu-Isenburger Unternehmen gestern und manchmal auch heute“ ist im Stadtarchiv eine neue Ausstellung zu sehen. Sie gibt Einblicke in einstige Betriebe wie Feinkost Kümmerle, Stahlbau Pfaff oder Frisör Bloch.
Im Jahr 1973 konnte Hans Kümmerle das 40-jährige Bestehen seines Betriebes feiern. Repros/ Im Jahr 1973 konnte Hans Kümmerle das 40-jährige Bestehen seines Betriebes feiern. Repros/
Neu-Isenburg. 

Vielen älteren Isenburgern sind Namen wie Stahlbau Pfaff, Frisör Bloch oder das Einrichtungshaus Gessmann noch ein Begriff. Nahezu weltweit sind die „Frankfurter Würstchen“, die aus Neu-Isenburg kamen, bekannt. Und unter den örtlichen Betrieben gibt es sogar eine Wiedergeburt, wie Hans Kümmerle mit seinen Käsespezialitäten belegt. „Man könnte doch eine Dokumentation über einst sehr bekannte Isenburger Unternehmen machen“, dachte sich Bürgermeister Herbert Hunkel und wandte sich an das ehrenamtliche Team des Stadtarchivs um Claudia Lack. Das Ergebnis ist nun unter dem Titel „Neu-Isenburger Unternehmen gestern und manchmal auch heute“ in den Räumen des Stadtarchivs zu sehen.
 

Helga Gräber zeigte Herbert Hunkel die Kunstwerke ihres Großvaters Franz Biantano, der als Glasmaler im Emaillierwerk von Otto Leroi gearbeitet hatte. Bild-Zoom
Helga Gräber zeigte Herbert Hunkel die Kunstwerke ihres Großvaters Franz Biantano, der als Glasmaler im Emaillierwerk von Otto Leroi gearbeitet hatte.

So berichtete Helga Gräber bei der Ausstellungseröffnung, dass die von Künstlerhand gemalten Teller und Emaille-Schilder von ihrem Großvater Franz Biantano stammen. „Mein Opa war Glasmaler und Ausbilder im Emaillierwerk, dort hat er auch dem späteren Isenburger Kunstmaler Adolf Riefer das Malen beigebracht“, erzählte Gräber und überraschte damit selbst Herbert Hunkel. Das Frankfurter Emaillierwerk Otto Leroi hatte seinen Firmensitz in der Hugenottenstadt und stellte kunstvolle Firmenschilder, Hinweistafeln und Präsente her. So entstanden auch die wunderschönen Exponate, die nun in der Dokumentation über Isenburger Unternehmen im Stadtarchiv zu sehen sind.

Konzert in der Werkshalle

Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt war das Stahlbauunternehmen Pfaff. In der riesigen Werkshalle in der Ludwigstraße entstanden nicht nur Tore, Türen und Scharniere, sondern sie überlebte auch als einzige große Halle den Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg. So kam es, dass der große Isenburger Tenor Franz Völker sein Konzert zugunsten des Wiederaufbaus der Stadt in der Werkshalle gab. „Damals waren alle großen Säle eingestürzt, so wurde halt die Pfaff-Halle zum Konzertsaal“, verwies Heidelore Kretschmann vom Stadtarchiv-Team auf die Original-Eintrittskarte, die ebenfalls in der Schau zu sehen ist.

Im Jahr 1949 ließ sich Friedrich Ludwig Pfaff (4. von rechts) inmitten der Belegschaft fotografieren. Bild-Zoom
Im Jahr 1949 ließ sich Friedrich Ludwig Pfaff (4. von rechts) inmitten der Belegschaft fotografieren.

Fast in die ganze Welt gingen die „Frankfurter Würstchen“, die eigentlich in Neu-Isenburg hergestellt wurden – von Hans Wirth und seinen Leuten. Diese Erfolgsgeschichte, die in der Ausstellung nachgezeichnet wird, begann mit einem Spaziergang des Metzgergesellen Hans Wirth von Goldstein nach Neu-Isenburg. Unterwegs begegnete er einer Herde von Schweinen. Noch am gleichen Tag kaufte er ein Stück Großvieh und ein Schwein – und stellte nach eigener Rezeptur eine Wurst her, die zu Weltruhm gelangen sollte. Als Wirth schließlich ein Verfahren entwickelte und seine „Frankfurter Würstchen“ in Dosen versenden konnte, gelangten diese nach Nordamerika und andere ferne Länder. 1925 heiratete Wirths Tochter Katharina nur „Kätha“ genannt, den Mitarbeiter Gottfried Rind und beide betrieben das „Frankfurter Haus“. 1997 beschlossen Kätha Rinds Kinder, die alle im elterlichen Betrieb arbeiteten, sich von den Verkaufsläden in Neu-Isenburg zu trennen. Die Firma Erich Zeiss übernahm die Geschäfte.

Hammerhai am Haken

Eine weitere Isenburger Institution war der Frisör Bloch. „Das war nicht einfach ein Frisörladen, das war ein großes Kommunikationszentrum, dort gingen alle großen Isenburger ein und aus“, erinnerte sich Herbert Hunkel. Das große Hobby von Geo Bloch war das Hochseeangeln, und als er eines Tages einen großen Hammerhai vor Mauritius am Haken hatte, ließ er dessen Kopf präparieren, nach Neu-Isenburg schicken und in seinem Salon aufhängen. Mit 70 Jahren gab Geo Bloch sein Geschäft auf – und der Hammerhai hängt heute noch bei „Tonino“ im Restaurant.

Gründer Hans Wirth gemeinsam mit seiner Ehefrau Elise Bild-Zoom
Gründer Hans Wirth gemeinsam mit seiner Ehefrau Elise

Dann gibt es noch interessante Dokumentationen über das Möbelhaus Gessmann, dessen Produktionsräume in der Ludwigstraße heute als „Künstler-Kolonie“ dienen. Berühmt, nicht nur wegen seiner erlesenen Spezialitäten, sondern auch den von Hans Kümmerle beigesteuerten Geschichten zu den Produkten, war das Feinkostgeschäft Kümmerle in der Bahnhofstraße. Eigentlich wollte sich Hans Kümmerle zur Ruhe setzen und verkaufte das Geschäft. Doch es lief nicht sonderlich gut. Deshalb kehrte Kümmerle wieder in die Bahnhofstraße zurück und machte damit viele Isenburger glücklich.

 

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