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Fest: Ausgelassene Stimmung auf der Sprendlinger Kerb

Von Ausgelassene Stimmung bei der Kerb. Auch wenn zum Auftakt nicht alles ganz glatt ging.
Dreieich. 

Es läuft rund für das Sprendlinger Kerbteam: Auch im Jahr zwei nach der rauschenden Jubiläumskerb anlässlich des 300. Geburtstags büßt die Traditionsveranstaltung rund um den Festplatz und das Kerbzelt nicht an Attraktivität ein. Hinter den Sprendlingern liegt ein abwechslungsreiches Kerbwochenende mit ausgelassenem Partyspaß im vollen Zelt, einem mäßig erfolgreichen Baumaufstellen am Samstagnachmittag und gut gelaunten Kerbborschen, die ihre Traditionen pflegen.

Bilderstrecke Viel Spaß und ausgelassene Stimmung auf der Sprendlinger Kerb
Die 302. Sprendlinger Kerb rund um den Festplatz war überaus gut besucht. Schon Freitagabend war das Festzelt brechend voll. In gemeinsamer Kraft stellten die Kerbborschen den Baum auf und am Sonntag feierten die Burschen gemeinsam mit der Gemeinde Gottesdienst zu Ehren der Kirchweih. Noch bis Dienstagabend wird in Dreieich weiter Kerb gefeiert.

Das Baumaufstellen war allerdings ein kleines Desaster: Mehr als zwei Stunden dauerte es, bis die 14 Jungs rund um Kerbvadder Tobias Brockmann das 20 Meter hohe Wahrzeichen mit Kranz und Puppe in die Höhe gewuchtet hatten. Die Kerbmänner aus dem Vorjahr trugen ausnahmsweise keine Schuld daran. Sie hatten den Schacht für den Kerbbaum nicht mit Tierexkrementen befüllt, wie so viele vor ihnen.

Dann lieber ins Festzelt

Trotz der fachmännischen Anleitung von Zimmermann Andreas Werkmann, dauerte es aber weit über 90 Minuten, bis der Baum in der Senkrechten stand. Bis dahin hatte auch mancher der Zuschauer den Nerv verloren und wandte sich schon mal lieber dem Festzelt zu.

Apropos Festzelt: hier herrschte schon Freitagabend allerbeste Stimmung. Mit der „The Hangover Rock-Pop-Party-Covershow“ hatte das Kerbteam einen perfekten Partyanzünder verpflichtet. Mit den „Junx“ war der beliebte Hamburger Showact zu Gast, der schon im Jubiläumsjahr für grandiose Stimmung gesorgt hatte. Da tobte das Zelt auch wieder. „Sensationell, so haben wir uns das vorgestellt“, sagte Armin Schuler, Kassenwart des gastgebenden Vereins, zufrieden auf die feiernde Menge blickend. Den Nordlichtern gefällt es auf der Dreieicher Bühne: „Wir kommen echt gerne hier her und sind immer ganz überrascht über diese Freude, die uns hier empfängt. Sprendlingen ist der südlichste Zipfel Deutschlands, den wir bespielen, und wir kennen im Norden ja auch keine Kerb. Das ist echt eine gute Erfindung“, sagt Christopher von den „Junx“. Damit hat die Sprendlinger Traditionskerb jetzt also auch offiziell Fans in Hamburg.

Pfarrer erklären den Sinn

Pfarrer Winfried Gerlitz hatte am Sonntagmorgen zum Kerbgottesdienst in die Erasmus-Alberus-Kirche am Lindenplatz geladen. Schließlich muss der Pfarrer daran erinnern was die Kerb eigentlich ist: das Kirchweihfest. Das tat er auf humorvolle Weise und mit tatkräftiger Unterstützung seines Obertshausener Kollegen Michael Zlamal – selbst einst Sprendlinger Kerbborsch –, dass die Kirche regelrecht rockte. Schon gleich zu Beginn rief Zlamal die Gläubigen an: „Wem ist die Kerb?“ und ein lautes „Unser!“ hallte durch das Gotteshaus.

Für die Predigt lieferte die biblische Geschichte von der Suche nach dem gelobten Land mit Abraham und seinem Sohn Isaak die Vorlage. Die beiden Pfarrer standen in der Rolle der beiden Bibelfiguren in Sprendlingen und stellten fest: „Sprendlingen ist schon ziemlich nah dran am Paradies“. Das gab natürlich Szenenapplaus und Jubel.

Ein bisschen Lästerei in Richtung Dreieichenhain durfte nicht fehlen. Wollten sich die Nachbarn doch eigentlich die ältere Kerb auf die Fahne schreiben. „Dabei war die Sprendlinger Kerb eindeutig früher. Da saßen sie noch auf ihrem Steinbruch, den sie Burg nennen“. Und das brachte den Pfarrern sogar sicher äußerst seltene Zugabe-Rufe für ihre gemeinsame Predigt ein. Die Yellow Birds gestalteten gemeinsam mit dem Stein-Bock Duo den Gottesdienst gesanglich mit.

Beim Sprendlinger Lied hielt es die Kirchenbesucher nicht in den Bänken und sie standen ergriffen mitsingend auf. Gerlitz und Zlamal bekamen anschließend viele Schulterklopfer von Kerbborschen und zahlreichen Besuchern.

Ein besonderer Jahrgang feierte die ganzen Tage auf dem Festplatz ausgelassen mit: der Kerbvadder von 1968, Bodo Schuchard, und 14 seiner damals 29 Jungs. Inzwischen ältere Herren, aber immer noch begeisterte Kerbliebhaber. Eugen Grimeisen erinnert sich gerne zurück: „Wir haben seinerzeit einen Aufruf gestartet. Tenor: Alles, was arbeitsscheu und trinkfest ist, bitte melden“, erinnert sich Grimeisen, der seit drei Jahren in der Schweiz lebt. Ehrensache für ihn, dass er zum 50. gekommen ist.

Vor etwa einem Jahr haben die Herren mit den Vorbereitungen für den runden Kerbborschen-Geburtstag begonnen, erzählt Schuchard. Bei der Recherche stellte sich heraus, dass inzwischen sieben der damaligen Kameraden verstorben sind.

Die verbliebene Truppe freut sich natürlich über die Wiederbelebung der Kerb, die 2016 bei ihrer 300. Auflage eine spektakuläre Auferstehung feierte.

Noch bis Dienstag wird auf dem Festplatz weiter gefeiert. Am Abend um 21.30 Uhr wird dann die Kerbpuppe im Bürgerpark verbrannt.

www.fnp.de

Hier finden sich weitere Fotos von der großen Sause.

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