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Flughafen-Protest: Baum-Protestler harren weiter im Treburer Oberwald aus

Sie harren weiter unentwegt in ihrem Camp im Treburer Oberwald aus: Ein knappes Dutzend Natur-Aktivisten protestiert seit eineinhalb Wochen gegen die Rodung eines Waldes, der den Terminal-3-Plänen der Fraport weichen soll. Doch was sie momentan wirklich fürchten müssen, sind wohl nicht die Männer mit den Sägen.
Protest in den Bäumen: Die Aktivisten im Treburer Oberwald blicken stürmischen Zeiten entgegen. Foto: Andreas Arnold (dpa) Protest in den Bäumen: Die Aktivisten im Treburer Oberwald blicken stürmischen Zeiten entgegen.
Neu-Isenburg/Mörfelden-Walldorf. 

Jetzt wird es noch ungemütlicher für die rund zehn Umweltaktivisten im Wald neben dem Frankfurter Flughafen: Regen und Graupel sind für den heutigen Donnerstag vorhergesagt, auch eine Sturmwarnung gibt es. Doch die Baumbesetzer wollen ausharren. „Insgesamt bis Ende Februar, um sicherzustellen, dass der Flughafenbetreiber Fraport nicht doch schon mit den Rodungen beginnt“, so Peter Illert gegenüber dieser Zeitung. Der Robin-Wood-Aktivist ist in den vergangenen Tagen immer wieder zum Camp gestoßen und meldet: „Die Moral ist hier ungebrochen.“

Freund der Bäume: Aktivist Peter Illert aus Dreieich zeigte zuletzt am Sonntag im Treburer Oberwald gegen das Terminal 3 Flagge.
Robin Wood Peter Illert leistet seit 30 Jahren Widerstand gegen den ...

Er wurde bei „Stuttgart 21“ als Polizeispitzel verdächtigt, stand wegen seines Protestes gegen die Baumrodung im Langener Bannwald vor Gericht und lebte vor 30 Jahren bei den Blockaden der Startbahn West im legendären Hüttendorf: Der Dreieicher Peter Illert von „Robin Wood“ hat alle Höhen und Tiefen eines Umweltaktivisten erlebt. Und er weiß, dass auch ein Strafverfahren manchmal hilfreich sein kann, um die gewünschte Aufmerksamkeit zu erzielen.

clearing

Die Protestler halten bereits seit Samstag vor einer Woche die Stellung auf vieren jener Bäume, die einem Autobahnzubringer für das geplante dritte Passagierterminal weichen sollen. Der wichtige Stichtag für die Baumbesetzer bleibt der 28. Februar. Denn danach sind Rodungsarbeiten wegen der beginnenden Vegetationsperiode vorerst nicht mehr erlaubt.

Wie Fraport-Sprecher Christian Engel gestern auf Anfrage mitteilte, habe es der Flughafenbetreiber indes gar nicht so eilig mit dem Fällen der Bäume auf dem sechs Hektar großen Areal: „Der erste Eingriff in den Baumbestand, der mit dem Baubeginn notwendig wird, ist für Anfang 2019 geplant“, sagt er. Und ergänzt: „Um den Zeitplan für den Bau und die Erschließung des Terminals 3 einzuhalten, ist die Inbetriebnahme der erweiterten Anschlussstelle Zeppelinheim in 2021 vorgesehen. Im Hinblick auf diesen Termin werden die vorlaufenden ökologischen Maßnahmen Anfang 2018 beginnen.“

Doch was sagt er zu Berichten von Camp-Teilnehmer,n die schon Männer beim Vermessen des Waldstücks beobachtet haben wollen? „Die ersten Vermessungsarbeiten haben bereits stattgefunden“, räumt Christian Engel dazu ein, „und auch erste ökologische Kartierungen laufen.“ Und gibt, auf die Demonstranten bezogen, zu verstehen: „Insofern die vorlaufenden ökologischen Maßnahmen wie Vermessung und ökologische Kartierung nicht gestört werden, ist es nicht geplant, gegen den Protest vorzugehen.“

Auch wenn die Natur-Aktivisten solche Worte mit Skepsis hören: Erstmal müssen sie sich der Widrigkeiten des Wetters erwehren. Vier Plattformen haben sie in die Bäume des Areals gebaut, dort schlafen sie in über zehn Metern Höhe. Mit Planen wollen sie sich vor Regen und Wind bis Orkanstärke schützen. „Das ist kein Problem,“ berichten die Aktivisten. Sie haben Schlafsäcke, die auch für Minus-Temperaturen gemacht sind und auf den Plattformen Proviant für mehrere Tage.

Unterstützung erhalten sie auch von den Bürgerinitiativen, die am vergangenen Sonntag erneut zum gemeinsamen Protest mit den Aktivisten in den Wald eingeladen hatten. Petra Schmidt von der Bürgerinitiative Mörfelden-Walldorf: „Ich finde es super, dass die Baumbesetzung wieder Aufmerksamkeit schafft, um zu zeigen, es gibt Menschen, die gegen den Ausbau sind“, sagt sie.

(mfo,lhe)

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