Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Oliver Quilling warnt Kommunen: Das ist das Ende der KVBG

Von 35 Jahre hat sie bestanden, nun wird die KVBG zum Ende des Jahres aufgelöst. Ein Restvermögen von 3,9 Millionen Euro wird voraussichtlich an den Kreis zurückfließen.
Kreis Offenbach. 

Nach 35 Jahren Unternehmensgeschichte wird die Kreisversorgungsbeteiligungsgesellschaft (KVBG) zum 31. Dezember aufgelöst. Landrat Oliver Quilling (CDU) und Kämmerer Carsten Müller (SPD) zogen gemeinsam mit den Wirtschaftsprüfern Dirk Schulter und Wolfgang Kunz sowie dem KVBG-Geschäftsführer Herbert Tragesser Bilanz der Geschichte. „Es ist der richtige Schritt, die KVBG wurde in der Vergangenheit oft als intransparent bezeichnet und war im politischen Raum verbrannt“, sagte Quilling.

Die KVBG wurde 1980 gegründet, als der Kreis Offenbach sich mit einer Einlage von 6,1 Millionen Euro an der Energieversorgung Offenbach (EVO) mit 25 Prozent der Anteile beteiligte. Jetzt fällt die große Bilanz positiv aus: Der Haushalt des Kreises konnte mit den Geschäften um 19,8 Millionen Euro entlastet werden.

 

Entscheidung war gut

 

Dazu zählen die Gewinnausschüttungen der EVO in den ersten 20 Jahren mit rund 8,6 Millionen Euro, welche die Einlage von 6,1 Millionen Euro um 2,5 Millionen Euro überstiegen. Insgesamt wurden von der KVBG die Defizite aus den vergangen 35 Jahren des Personennahverkehrs in Höhe von 8,4 Millionen Euro getragen, die Stiftung „Miteinander leben“ wurde mit einem Stammkapital in Höhe von 2,5 Millionen Euro gegründet, die KVBG hat den Fehlbetrag der Kommserve im Jahr 2011 in Höhe von 2,5 Millionen Euro übernommen, und rund 3,9 Millionen Euro werden Ende des Jahres voraussichtlich als Liquiditions-Restvermögen an den Kreis zurückfließen.

Im Jahr 2000 wurden mit einem Mehrheitsbeschluss aus dem Parlament die EVO Anteile für 76,8 Millionen Euro verkauft. Eine Entscheidung, die Quilling und die Fachleute nicht kritisieren. „Weder davor noch danach wurde jemals so viel Geld für Energieversorger bezahlt. Die Verkaufsentscheidung war also gut. Das Problem waren die Investitionsentscheidungen danach“, sagte Wolfgang Kunz.

Denn die nach der fälligen Steuer übrig gebliebenen 52,7 Millionen Euro hat der Kreis in die Immobilienprojekte Glienicke (13,4 Millionen Euro) Fleesensee (6,1 Millionen Euro) und in Geldmarktfonds (31,8 Millionen Euro) investiert.

 

Keine Kernkompetenz

 

„Aus heutiger Sicht müssen wir leider sagen, dass sich die Prognosen der damaligen Berater zu der Wertentwicklung in keiner Weise bewahrheitet haben. Wir haben über die Jahre immer wieder Geld in Glinicke nachgeschossen, weil die versprochenen Mieten nicht eintraten, die Immobilie hochdefizitär war und das eingenommene Geld nie ausreichte, die Finanzierungskosten zu decken“, erklärte Quilling. Um diese Löcher zu stopfen, wurden immer wieder Anteile der Geldmarktfonds genutzt, wobei dieses Geld auch alte Belastungen der Kreiskrankenhäuser ablöste.

Während Glienicke jetzt wohl einen Verkaufserlös von rund 11,3 Millionen Euro erzielt, ist die Immobilie Flesensee gar nichts mehr wert. „Es war eine Fehlinvestition, die der KVBG insgesamt 23,6 Millionen Euro Verlust gebracht hat“, so Quilling. Er betonte aber, dass sein Vorgänger, Landrat Peter Walter, sicher nicht wusste, dass diese Investition so ausgehe. Eine politische Moral der Geschichte gebe es aber dennoch: „Ich hätte diese Investitionsentscheidung sicher auf eine breitere Basis gestellt, damals war nur der Aufsichtsrat der KVBG involviert. Außerdem ist Vorsicht geboten, wenn Kommunen in den Geldmarkt investieren wollen. Es gehört nicht zu den Kernkompetenzen einer Verwaltung, und ich kann nur davor warnen.“

Zur Startseite Mehr aus Kreise Offenbach/Groß Gerau

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse