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Den Weidezins entrichtet

Von Beim Andreasgelage wurden die nachbarschaftlichen Beziehungen zu Frankfurt vertieft. Der Weidetzins wurde bezahlt – und auch das Thema Flughafen wurde nicht ausgespart.
Der Weidezins wird bezahlt: Reinhard Divisch (links), Jörg Ritzkovsky (Mitte) und Holger Scheel übernahmen diese symbolische Geste. Dazu gab es für den Naturalienaustausch Hafer aus Kelsterbach.	Fotos: Leo Postl Bilder > Der Weidezins wird bezahlt: Reinhard Divisch (links), Jörg Ritzkovsky (Mitte) und Holger Scheel übernahmen diese symbolische Geste. Dazu gab es für den Naturalienaustausch Hafer aus Kelsterbach. Fotos: Leo Postl
Kelsterbach. 

Das Andreasgelage war gleich in doppelter Hinsicht etwas Besonderes. Erstmals war es an einem Donnerstagabend, anstatt Freitagabend, zudem gab es im Jubiläumsjahr "60 Jahre Stadtrechte" ein Sonderprogramm mit den "Rheingoldtöchter". Traditionell wurden die "hohen Gäste" aus Frankfurt mit der Pferdekutsche vom Kelsterbacher Eisernen Steg abgeholt. Die Jagdhornbläser aus Lämmerspiel sorgten für die passende Begrüßung am Fritz-Treutel-Haus und hießen danach auch alle Gäste mit dem "Großen Halali" im Saal willkommen.

Grundlage des Andreasgelages ist die einst jährliche Abholung des Weidezinses am Tag des Heiligen Andreas von den Frankfurter Stadtoberen mit ihren Förstern. Dazu, so der Originaltext, sollte Kelsterbach für das Gelage mit den Gästen einen großen Tisch mit weißer Decke, dazu ordentlich Speis und Trank vorbereiten.

Moderne Form

Als Kelsterbachs ältester Schöffe trug Jörg Ritzkowsky den Andreasspruch vor, für Frankfurt übernahm dies Forstoberrat Reinhard Divisch. Den Weidezins selbst mussten die Kelsterbacher in "Talern und Hellern" entrichten. Dieses Gelage machte damals seinem Namen alle Ehre und fand 1866 mit der Einverleibung der Freien Reichsstadt Frankfurt in das Preußische Reich sein jähes Ende.

Genau 100 Jahre später, im Jahre 1966, ließ das Volksbildungswerk Kelsterbach das Andreasgelage in moderner Form wieder aufleben. In seiner Begrüßung ging der Vorsitzende des Volksbildungswerks, Bernhard Wiegand, auf die traditionell guten Beziehungen zu Frankfurt ein und hieß Stadtrat Uwe Becker besonders willkommen. "Uwe Becker ist ein Verfechter guter nachbarschaftlicher Beziehungen", betonte Wiegand. Doch keine Nachbarschaft ohne Probleme. "Seit Eröffnung der Landebahn Nordwest vor fast genau einem Jahr, ist die Belastung für die Kelsterbacher Bürger spürbar größer geworden", betonte Wiegand.

Er sprach aber auch die "politischen Turbulenzen" nach der vergangenen Kommunalwahl in Kelsterbach an. "Ich bitte alle politischen Parteien und Gremien darum, keine weiteren Gräben mehr aufzureißen, sondern Brücken zu bauen, um das Beste für Kelsterbach zu erreichen", betonte Wiegand unter großem Beifall.

Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel hob hervor, dass es in diesem Jubiläumsjahr bereits mehr als 140 Veranstaltungen gegeben habe und das Andreasgelage sei ein Besonderes. "Das Volksbildungswerk ist nicht nur ein Bewahrer des Andreasgelages, sondern dokumentiert die ganze Geschichte der Stadt, die derzeit mit der Bebauung des ehemaligen Enka-Geländes eine weitere bedeutsame Veränderung erfährt", so Ockel. Die Lebensqualität dürfe jedoch nicht zugunsten wirtschaftlicher Interessen zurückgefahren werden, zielte Ockel auf die Flughafenerweiterung mit dem Bau der Landebahn Nordwest im Kelsterbacher Wald ab.

Region voranbringen

Uwe Becker, Frankfurts Stadtrat und seit vergangenem Jahr Ehrenmitglied des Volksbildungswerk Kelsterbach, sah es nicht als Pflicht, sondern als eine schöne Kür, zum Andreasgelage zu kommen. "Ich bin überzeugt, dass wir weitere administrative Barrieren überwinden und so auch die gesamte Region weiter voranbringen", verwies Becker auf erreichte Errungenschaften. Nach München sei Frankfurt die wirtschaftlich stärkste Region in ganz Deutschland. Für seine Glückwünsche zum Jubiläumsjahr "60 Jahre Stadtrechte Kelsterbach" griff er auf das chinesische Tierkreiszeichen des Wasserdrachen zurück, welches für 2012 gilt. "Menschen – und dies kann man auch auf eine ganze Stadt übertragen – die im Jahr des Drachen geboren wurden, sind gesund, energiegeladen, langlebig, leicht erregbar, ungeduldig und hartnäckig", zitierte Becker unter Beifall.

Nach dem Andreasmahl, es gab übergroße heiße Würste mit Brötchen, boten "Die Rheingoldtöchter" eine kabarettistisch-klassische Bühnenshow.

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