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Der Südpark wird zur illegalen Grillwiese

Von Das Grillen ist in weiten Teilen des Südparks verboten, doch daran scheint sich kaum jemand zu halten. Doch das ist nicht das einzige Problem, das den Anwohnern sauer aufstößt.
Unübersehbar steht das Schild „Grillen verboten“ vor dem Kiosk im Südpark, doch niemand stört sich daran. Foto: Leo F. Postl (pos) Unübersehbar steht das Schild „Grillen verboten“ vor dem Kiosk im Südpark, doch niemand stört sich daran.
Kelsterbach. 

Die Tage nach dem langen Winter werden wieder schöner, da drängt es die Menschen nach draußen. Doch für den Aufenthalt in öffentlichem Gelände, das gemeinschaftlich genutzt wird, gibt es Regeln. Diese sind aber nur so wirksam, wie sie auch eingehalten werden. Ein typisches Beispiel, wie chaotisch es mancherorts zugeht, ist der Kelsterbacher Südpark. Eigentlich eine Oase der Erholung, die Realität sieht jedoch ganz anders aus, insbesondere am Wochenende.

Es ist ein typischer Sonntagmorgen, die Sonne steht noch flach am Himmel, doch schon kommen Fahrzeuge aus allen Himmelsrichtungen, parken dort, wo Platz ist – wenngleich nicht gestattet. Ein paar Meter vor dem Kiosk steht unübersehbar das Schild „Grillen verboten“, doch es scheint, als ob dies eine besondere Einladung wäre. Zumindest lässt sich niemand davon abhalten, seinen Grill neben den Tischtennisplatten oder in der Nähe der Sitzbänke aufzustellen.

Solche Hinterlassenschaften finden sich schon fast täglich im Südpark, am Wochenende oft sogar noch mehr. Bild-Zoom Foto: Leo F. Postl (pos)
Solche Hinterlassenschaften finden sich schon fast täglich im Südpark, am Wochenende oft sogar noch mehr.

„Klar stört das die Leute, die sich bei mir niederlassen wollen, doch was soll ich machen?“, sagt Ali Yesil ziemlich ratlos. Schon vielfach hat er jene, die ihm zu nahe kamen, darauf hingewiesen, dass sie zumindest mehr Abstand halten sollen – doch ohne Erfolg. „Wenn die einen weggehen, kommen andere“, berichtet er. „Und wenn ich noch mal was sage, dann droht man mir, will wissen, wer ich überhaupt bin, und manche wollen sogar den Pachtvertrag sehen“, so Ali Yesil, dessen Frau Günes die Pächterin des Kiosks ist. Schon mehrfach hat Ali Yesil die Polizei angefordert, um dafür zu sorgen, dass besonders rücksichtslose Grill-Gruppen des Feldes verwiesen werden. „Wenn die sehen, dass da oben die Polizei kommt, packen die schnell alles zusammen – und ich bin der Dumme“, schildert Yesil. Nur eine konzertierte Aktion von Ordnungsbehörde und Polizei könne hier für Ordnung sorgen. Doch das müsse auch gewollt sein. „Ich habe dem Bürgermeister ein Bild geschickt, wie das manchmal hier aussieht. Und was hat er gesagt? Das sei doch schön! Was soll ich da noch machen?“

Ordnung muss einkehren

Nun stellt sich die Frage, weshalb so viele Grill-Gruppen in den Kelsterbacher Südpark kommen? Auf des Rätsels Lösung verweist einer, der mit seiner Gruppe sonst immer im Niddapark oder in Schwanheim war. „Dort gibt es jetzt ein Problem, die Kontrolle kommt und es kostet 80 Euro“. Viele Kelsterbacher würden auch gerne in „ihren“ Südpark gehen, doch nicht unter diesen Verhältnissen.

Rathauschef Manfred Ockel (SPD) hatte nun zu einer Infoveranstaltung „Umgestaltung Südpark“ in die Mensa der Integrierten Gesamtschule eingeladen. Zu dieser kamen viele interessierte Bürger sowie der beauftragte Planer Jürgen Wagner, Stefan Hoffmann vom städtischen Bauamt und Eric Schulz-Gabel, Leiter des Kelsterbacher Kommunalbetriebs.

„Der Südpark hat eine zentrale Funktion für die Kelsterbacher Bevölkerung“ war auf der Einladung zu lesen – darüber konnten viele Besucher aber nur schmunzeln. So sehr Ockel auch Möglichkeiten der Neugestaltung mit der Ausweisung einer „Grillwiese“ vorbrachte und von Nutzungskonzepten redete, am Ende wollten die Kelsterbacher nur eines: Es müsse wieder Ordnung einkehren. „Ich wohne gegenüber des Südparks, an Wochenenden oder einem Feiertag kann man nicht mehr aus dem Haus, alles zugeparkt“, schilderte eine Anwohnerin. „Und was die alles ausladen, einen ganzen Hausstand bringen die mit“, fügte sie an.

Bettina Lack bemängelt vor allem den Zustand der Spielgeräte. Bild-Zoom Foto: Leo F. Postl
Bettina Lack bemängelt vor allem den Zustand der Spielgeräte.

Bettina Lack aus dem Kastanienweg bemängelte vor allem den „unmöglichen Zustand“ von Spielgeräten, wenn es denn überhaupt welche gebe. „Wer entscheidet denn im Rathaus, welche Geräte angeschafft werden? Da müssten doch Leute mitreden, die selbst Kinder haben“, forderte sie. Melanie Bach hat noch ein anderes Problem. „Ich gehe gerne Joggen und fühle mich dort in jüngster Zeit höchst unwohl. Jetzt, wo ich ein vier Monate altes Kind habe, traue ich mich erst recht nicht mehr in den Südpark“, so die junge Mutter. Andere bemängelten, dass es in manchen Ecken zum Himmel stinke, da die Besucher ihr „Geschäft“ in den Büschen verrichteten.

Kontrollen geplant

Nun sollen an den Eingängen zum Südpark Schilder mit dem Hinweis „Grillen nur in den vorgesehen Grillstationen erlaubt“ aufgestellt werden. „Damit dies eingehalten wird und zudem keine Nutzerprobleme im Südpark entstehen oder sogar eskalieren, wird es an Wochenenden einen Ordnungsdienst geben“, kündigte Ockel an. Von 9 bis 20 Uhr sollen vier Gruppen zu je zwei Personen dort auf Kontrollgänge gehen.

Als langfristiges Konzept will Ockel erneut versuchen, das Areal im Bund-Länder-Förderprogramm „Zukunft Grün“ unterzubringen. Ferner sollen Arbeitsgruppen gebildet werden, in die sich die Kelsterbacher mit ihren Wünschen einbringen können.

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