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Asylsuchende erzählen von ihrer Flucht: Der lange Weg nach Deutschland

Von Bei einem Informationsabend im Rathaus Walldorf berichteten Flüchtlinge darüber, wie es ihnen auf dem Weg nach Deutschland ergangen ist. Bürgermeister Heinz-Peter Becker informierte über die Situation der Unterbringung.
Cornelia Rühlig (links) entlockte Amal Erinnerungen an ihre Flucht nach Deutschland. Foto: Carmen Erlenbach Cornelia Rühlig (links) entlockte Amal Erinnerungen an ihre Flucht nach Deutschland.
Mörfelden-Walldorf. 

Unter dem Thema „Syrien ist überall“ hatten die Stadt und die Margit-Horváth-Stiftung zu einem Informationsabend anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte eingeladen. Der Zuspruch war derart groß, dass zusätzliche Stühle gestellt werden mussten.

Sechs Flüchtlinge, die aus Sicherheitsgründen nur beim Vornamen genannt wurden, erinnerten an ihre Flucht nach Deutschland, während Martin Glasenapp von der Hilfsorganisation „Medico International“ die Situation in Syrien verdeutlichte. Der Abend wurde von den Stiftungsmitgliedern Ulrike Holler und Cornelia Rühlig moderiert. Infos in deutscher Sprache übersetzte der Dolmetscher Nabil Gouri ins Arabische, welchen die syrischen Gäste per Headsets folgen konnten.

Dank an Helfer

Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) dankte den sechs Flüchtlingen für ihre Bereitschaft, von ihren Erlebnissen zu berichten. Die Veranstaltung gehe auf einen Stadtverordnetenbeschluss von 2010 zurück. Seither werde versucht, möglichst regelmäßig um den 10. Dezember an den Tag der Unterzeichnung der Internationalen Menschenrechte zu erinnern.

Becker wies auf die aktuelle Flüchtlingssituation in Mörfelden-Walldorf hin, wo seit dem Jahre 2013 insgesamt 268 Flüchtlinge aufgenommen wurden – davon allen voran, mit einem Drittel, die Gruppe an Syrern. Darunter in diesem und vorigen Jahr 69 Kinder. In den kommenden Monaten müssten etwa noch 210 Flüchtlinge untergebracht werden. Das geschehe im Bahnhof Mörfelden, in der Kommunalen Galerie in Walldorf und auf der Empore des dortigen Wadenserhofs. Somit müssten vorerst keine städtischen Hallen belegt werden. Becker dankte allen Ehrenamtlichen, ohne deren Engagement die Situation nicht zu stemmen wäre.

Persönliche Schicksale

Der 39-jährige einst selbstständige Schneider Mohammed und dreifache Vater aus Syrien hatte seine Heimat Aleppo verlassen, „weil ich meine Familie nicht mehr beschützen konnte.“ Eine Woche nachdem er sein Haus verlassen hatte, sei es zerstört worden. Das Leben in Syrien sei sehr schwer gewesen. Als er die Entscheidung zur Flucht getroffen hatte, musste er sehr viel Geld für Schlepper aufbringen.

„Es bestand Gefahr für mein Leben.“ Trotzdem nahm er das Risiko auf sich, weil er seinen Kindern eine friedliche Zukunft bieten wollte. Mit diesem Ziel kam er illegal über die Türkei, Griechenland und Italien nach Deutschland.

Die Flucht sei sehr kostspielig gewesen. Seine Schwester Amal, die in ihrer Heimat ein Jahr französische Literatur studiert hatte, lebte in Syrien zwölf Monate mit ihren vier Kindern in einem Zimmer. Das Geld, das sie für einen Monat hatte, reichte nicht. „Es gab viele Engpässe.“ Stets hoffte sie, die Situation in ihrer Heimat würde sich verbessern. Es gab keinen Schulunterricht für die Kinder, und die Grundsätze des Lebens waren nicht gewährleistet. Die Flucht sei eine physisch und psychisch sehr schwierige Entscheidung gewesen.

Auch Marruan, Lehrer für volkswirtschaftliche Lehre in Aleppo, Hanifer als Gattin von Moham-med, Manara aus Harem sowie der palästinensische Syrer Ali berichteten von ihrer Flucht.

Martin Glasenapp schilderte unter anderem Erfahrungen der Hilfsorganisation in Syrien. Die derzeitige Situation sei die größte Flüchtlingskatastrophe der Neuzeit. Jeder kenne die Bilder aus den Medien. Er erinnerte an die starke Militarisierung des Konflikts in Syrien und die Einmischung von Nichtsyrern wie der Türkei, die für einen Nachschub von Waffen und Geld sorgten. „Medico International“ ist seit mehr als 30 Jahren im Nahen Osten tätig.

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