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Hilfspolizisten gewürdigt: Ehrung für zwei Lebensretter

Ein Mann hat am Steuer seines Autos einen Anfall und hält plötzlich an. Hinter ihm fahren zwei Hilfspolizisten, die aussteigen und ihm das Leben retten. Dafür werden sie morgen von der Landesregierung geehrt.
Die beiden Hilfspolizisten Ciro De Luca (links) und Thorsten Simon retteten einem Autofahrer in Kelsterbach das Leben. Foto: red Die beiden Hilfspolizisten Ciro De Luca (links) und Thorsten Simon retteten einem Autofahrer in Kelsterbach das Leben.
Kelsterbach. 

Ohne den beherzten Zugriff von zwei Hilfspolizisten wäre ein älterer Herr aus Kelsterbach tot. Sie kamen ihm in einer lebensbedrohlichen Situation zu Hilfe. Der Betroffene hatte doppeltes Glück: Am Steuer eines Autos hat er einen Anfall und verkrampft sich – direkt hinter ihm befand sich ein Fahrzeug der Ordnungsbehörde mit zwei Hilfspolizisten. Dem Herrn geht es inzwischen wieder gut.

Gefährliche Bergung

Für ihre selbstlose Hilfe, die weit über das Aufgabengebiet der zwei Beamten ging, werden Ciro De Luca und sein ehemaliger Kollege Thorsten Simon während einer Feierstunde von der Hessischen Landesregierung am morgigen Dienstag um 18 Uhr im Fritz-Treutel-Haus gewürdigt. Die Ehrung übernimmt Staatssekretär Patrick Burghardt.

De Luca und Simon (beide 40 Jahre), der inzwischen für die Stadtpolizei in einer anderen Kommune tätig ist, erinnern sich gut an den Nachmittag des 25. April 2017. Sie waren zusammen im Einsatz und befuhren die Dr.-Max-Fremery-Straße Richtung Raunheim. Aus heiterem Himmel stoppte plötzlich das Fahrzeug vor ihnen – ohne ersichtlichen Grund. Die beiden Beamten hielten ebenfalls an, stiegen aus und klopften an die Scheibe des Vordermanns. Sie wollten ihn fragen, weshalb er an dieser Stelle mitten auf der Straße plötzlich halte. Er reagierte nicht. „Seine Augen waren verdreht, er begann zu krampfen“, sagt Simon. Türen und Fenster des Fahrzeugs waren verriegelt. Durch die Scheibe sahen die beiden Männer, dass die Automatic-Hebelstellung noch auf „D“, also Fahren stand, der Motor lief noch. Seinen Fuß hatte der Fahrzeugführer auf die Bremse gestellt.

De Luca und Simon kamen jedoch an den älteren Mann nicht heran. De Luca wählte den Notruf, während Simon mit einem Beil das Fenster auf der Beifahrerseite einschlug.

Nachdem die Beifahrertür geöffnet war, ängstigte die Hilfspolizisten der Gedanke, dass der Fuß des Fahrers von der Bremse rutschen, das Fahrzeug dann von alleine wegfahren und sie mitschleifen würde.

Die Beifahrertür war also offen. Zunächst stellten De Luca und Simon der Motor ab und sicherten das Auto gegen eventuelles Wegrollen. Es bedeutete für De Luca und Simon einen enormen Kraftakt, den großen und etwa 90 Kilo schweren Mann aus dem Fahrzeug zu holen und ihn zum Bürgersteig zu tragen.

Gaffer in Schach halten

Simon kam in dieser Situation seine Ausbildung als Rettungsdienstassistent zugute. Er überprüfte die Vitalwerte des Mannes. Sein Herz stand still, er atmete nicht mehr. Also begann Simon mit Herzdruckmassage und künstlicher Beatmung als Wiederbelebungsmaßnahmen. Er wechselte sich mit De Luca ab, bis der Rettungsdienst eintraf. Die Hilfspolizisten unterstützten ihn bei weiteren Maßnahmen und sicherten den Verkehr.

In der Zwischenzeit hatten sich vom Parkplatz des benachbarten Einkaufszentrums aus viele Gaffer eingefunden, die mit Handys die schreckliche Situation festhalten wollten. Simon und De Luca sowie inzwischen eingetroffene Polizeibeamte und die Freiwillige Feuerwehr hielten die Gaffer in Schach. Außerdem errichtete die Feuerwehr einen Sichtschutz. Schließlich kam der Autofahrer nach ersten Hilfsmaßnahmen ins Krankenhaus.

Für die beiden Hilfspolizisten bedeutete seine Rettung eine Selbstverständlichkeit. „Wir würden jederzeit wieder so reagieren“, sind sie sich einig. Nach dem knapp zweistündigen Einsatz beseitigten sie noch die Scherben und Abfälle vom Verbrauchsmaterial des Rettungsdienstes. „Der Einsatz auf dieser stark befahrenen Straße war für uns sehr gefährlich“, so Simon. „Uniformträger sind immer zu Hilfe bereit“, so De Luca.

Die Aufregung an diesem Tag ist vorüber. Der inzwischen genesene ältere Herr hat sich bei seinen Rettern inzwischen mit einem Präsent bedankt. Der Vorfall habe eine Abwechslung in den Dienstalltag gebracht, „aber keine, die man sich wünscht“, sagt De Luca.

(red)

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