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Geschichtstafeln: Ein Zeichen für mehr Toleranz

Zwei weitere Infotafeln stehen seit Sonntag auf dem Hugenotten- und Waldenserpfad in Mörfelden-Walldorf. Sie haben mit der „Toleranz“ ein hochaktuelles Thema.
An der Veranstaltung nahmen auch zahlreiche Gäste aus Torre Pellice, der italienischen Partnerstadt von Mörfelden-Walldorf, teil. Bilder > An der Veranstaltung nahmen auch zahlreiche Gäste aus Torre Pellice, der italienischen Partnerstadt von Mörfelden-Walldorf, teil.
Mörfelden-Walldorf. 

„Toleranz – Was ist das eigentlich?“ Das ist die Überschrift einer der beiden neuen Infotafeln, die seit Sonntag ein Teil des Europäischen Kulturwanderweges auf dem Hugenotten- und Waldenserpfad im Streckenabschnitt Mörfelden-Walldorf sind. Der erste Satz der Tafel gibt die nachdenkliche Antwort: „Toleranz ist nichts Statisches, nichts, das über die Epochen hinweg gleich bliebe.“

Die Texte auf dieser Infotafel, die sich mit der Geschichte der Toleranz in einem historischen, politischen und philosophischen Überblick befasst und dabei mehrere Länder und Jahrhunderte einbezieht, wurden von Cornelia Rühlig sowie von Helga und Ulrich Dusse erarbeitet. Rühlig, Leiterin der Heimatmuseen in Mörfelden-Walldorf, hat sich zudem mit Oberstufenschülern der zwölften Klasse des Leistungskurses Politik und Wirtschaft der Bertha-von-Suttner-Schule über das Thema unterhalten.

Die zweite Infotafel gibt dieses lesenswerte Gespräch aus dem Juni 2018 wieder. Am Sonntag wurde die Unterhaltung von den Schülern nachgespielt. So sagt die Schülerin Alexandra treffend: „Zur Toleranz gehört immer ein gewisses Verständnis für das, was andere Anderes tun.“ Und Joshua meint: „Je mehr Hintergründe man kennt, desto einfacher kann man Mitgefühl, Verständnis und Toleranz entwickeln.“

Gäste aus Italien

In einer Zeremonie wurden die beiden Infotafeln am Sonntagnachmittag nahe dem Forsthaus „An den Eichen“ feierlich enthüllt. Etwa 50 Besucher nahmen teil. Auch Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) und andere Kommunalpolitiker waren gekommen. Vertreter des Schulamtes sowie Leitungs- und Lehrkräfte und Schüler der Bertha-von-Suttner-Schule waren ebenfalls präsent. Weit gereiste Gäste kamen aus der italienischen Partnerstadt Torre Pellice, unter ihnen Bürgermeister Marco Cogno. Die Delegation aus Torre Pellice hatte ihre deutschen Freunde über das Wochenende besucht. Ebenfalls anwesend waren Ingo Penke von der buddhistischen Gemeinde „Soka Gakkai“, der das Thema Toleranz vor dem Hintergrund seines Glaubens beleuchtete, und Mechthild Härtling, die Witwe des Schriftstellers Peter Härtling.

Mechthild Härtling verlas einen Text ihres Mannes, der auf der Infotafel angebracht ist, auf der auch das Gespräch der Oberstufenschüler nachzulesen ist. Dem Autor war es wichtig, dass Toleranz kein passives Erdulden ist, sondern als aktive Hilfsbereitschaft, Neugier, Offenheit und Aufmerksamkeit verstanden wird.

Nachdenkliches Fazit

Rühlig stellte die zweite Infotafel über die Geschichte der Toleranz vor. Mit lokalem Bezug ging sie auch auf die Historie der Waldenser ein, die sich 1699 aus religiösen Gründen in Walldorf angesiedelt hatten. Ferner gab Rühlig einen Überblick über mehrere Jahrhunderte mit Bezug auf verschiedene Länder, wobei sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten erläuterte. Sie ging auch auf die Geschichte der Bürger- und Menschenrechte sowie auf philosophische Betrachtungen zur Toleranz ein. Weise formuliert ist ein an der Tafel angebrachtes Zitat von Voltaire: „Wir sind alle voller Schwächen und Irrtümer; vergeben wir uns also gegenseitig unsere Torheiten. Das ist das erste Gebot der Natur.“

Im Fazit zu ihrem Vortrag meinte Rühlig: „Was ich in aller Kürze deutlich machen wollte, ist, dass sich mit den jeweiligen Verfassungen einzelner Epochen und Staaten auch der Charakter der Toleranz verändert.“ In ihrem Vortrag wurde deutlich, wie viele Dinge, die heute scheinbar selbstverständlich sind, mühsam erkämpft werden mussten. So progressiv etwa die amerikanische Verfassung 1776 zu ihrer Zeit war, so darf nicht vergessen werden, dass die in ihr proklamierten Rechte zunächst nur weißen Männern zugestanden wurden. Frauen und Männer mit dunkler Hautfarbe mussten noch zwei Jahrhunderte lang um ihre Bürgerrechte kämpfen, viele Menschen setzten dafür ihr Leben ein. Bürgermeister Becker betonte nach Rühligs Vortrag: „Jeder einzelne Bürger hat Verantwortung. Er bestimmt mit darüber, in was für einem gesellschaftlichen Klima wir leben.“

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