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World Whisky Day am Samstag: Experte schwärmt vom Whisky: "Ein wahrer Kosmos von Aromen"

Michael Schmidt (44) kennt Whisky aus dem EffEff: Der Langener Fotograf veranstaltet seit zehn Jahren Verkostungen des kultigen Getränks. Im Interview mit Reporter Michael Forst verrät er das Geheimnis eines guten Single Malt.
Der Langener Fotograf und Whisky-Experte Michael Schmidt, umgeben von guten Tropfen. Foto: Nicole Jost Der Langener Fotograf und Whisky-Experte Michael Schmidt, umgeben von guten Tropfen.

Kamen Sie über den Whisky zu Schottland oder über Schottland zum Whisky?

MICHAEL SCHMIDT: Die Liebe zu Schottland war zuerst da. Mit 17 Jahren bin ich mit zwei Freunden per Interrail mit dem Zug fast bis zur Nordspitze Schottlands gereist. Seitdem lässt mich das Land nicht mehr los. Malt Whisky habe ich erst      kurz vor der Jahrtausendwende kennengelernt, als mir ein Langener Freund, der in Glasgow studierte, diese Welt eröffnet hat. Später bin ich selbst nach Glasgow als Erasmus-Student gegangen. Dann gehörte der Malt zum Studium der Landeskultur natürlich dazu.

Wie groß ist Ihre Sammlung derzeit? Und was ist Ihr Lieblingstropfen?

SCHMIDT: Ein paar gute Tropfen habe ich mir  zurückgelegt,   ein echter Sammler bin ich aber nicht. Ich erzähle lieber bei meinen Tastings Geschichten über Schottland und den Whisky – das ist meine wahre Leidenschaft. Zum Lieblingstropfen: Das hängt  von der Stimmung und vom Wetter ab. Mein Geheimtipp ist aber der Longrow – ein torfiger Whisky von der Brennerei Springbank aus Campbeltown an der schottischen Westküste.

Sehen Sie einen Whisky-Boom hierzulande?

SCHMIDT: Ich habe den Eindruck, dass Whisky für immer mehr Menschen hier ein Begriff ist. Das zeigen auch all die Whiskymessen- und Whiskyläden im Rhein-Main-Gebiet. Bei der Interwhisky in Frankfurt oder der Limburger Whisky Fair kommen tausende Besucher. Ein Zeichen ist auch, dass immer mehr deutsche Obstbrenner Whisky produzieren – das führt zu dem Phänomen, dass hierzulande mehr „Whisky-Brennereien“ existieren als in Schottland.

Was macht Whisky als Getränk so einzigartig?

SCHMIDT: Whisky ist von den Zutaten her ein simples Produkt. Er besteht im wesentlichen aus Getreide – im besten Falle gemälzte Gerste –, Wasser und Hefe. Doch bei der Herstellung entsteht etwas wahnsinnig Komplexes. Selbst, wenn Brennereien nur wenige Meter voneinander entfernt liegen, so kann deren Whisky sehr unterschiedlich ausfallen. Essentiell ist Reifung in Eichenfässern. Sie sorgt dafür, dass ich als Whiskytrinker nicht nur scharfen Alkohol wahrnehme, sondern einen  Kosmos von Aromen.

Beschreiben Sie den besonderen Reiz des Single Malt!

Info: Die Welt des Whisky

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SCHMIDT: Stellen Sie sich vor, ich rieche an einem Glas Ardbeg Single Malt von der Hebrideninsel Islay. Zack, befinde ich mich am Strand der Insel, der Wind pfeift mir um die Ohren und ich rieche die Seeluft, das Jod, ein Torffeuer.

Was sagen Sie zum Vorurteil, dass Whisky nur für harte Männer ist?

Bei meinen Verkostungen sind Frauen genauso mit von der Partie. Wenn es um Schokolade und Whisky geht, sind sie sogar oft in der Überzahl. Manche haben großen Respekt vor den besonders torfigen oder hochprozentigen Whiskys. Meist ist das eine gesellschaftlich geprägte Einstellungssache nach dem Motto: Frauen trinken Likörchen, Männer das harte Zeug.

Die Kardinal-Frage: Mit Eis oder ohne Eis?

Ich bin der Ansicht, dass jeder für sich selbst herausfinden muss, was ihm am meisten Freude macht. Das gilt auch für Whisky mit Eis. Nur: ist der Whisky kalt, kann ich gewisse Aromen kaum wahrnehmen – im Gegensatz zu einem Whisky bei Zimmertemperatur.

Whisky mit Wasser zu verdünnen, gilt als in Ordnung. Warum?

Aber natürlich. In jeder anständigen Whiskybar steht ein Wasserkrug. Nicht jeder mag Whisky in „Fassstärke“ um die 60 Prozent Alkohol. Der eine oder andere Tropfen öffnet den Whisky, ich kann bestimmte Aroma-Komponenten besser wahrnehmen. Hauptsache, es ist stilles Wasser.

Was hat es mit dem „Whisky für die Engel“ auf sich?

Tja, die Engel über Schottland haben es gut. Sie profitieren vom so genannten Angel’s Share. Das sind jene gut 2,5 Prozent Alkohol-Anteil, die im Sinne der britischen Behörden jährlich in den schottischen Lagerhäusern verdunsten dürfen.

Sie bieten Whisky-Tastings an: Wer interessiert sich dafür?

Das ist ganz unterschiedlich. Meine Besucher sind gewöhnlich über 30 Jahre alt. Manche möchten sich einen schönen Abend mit Freunden gönnen – und legen dafür auch mal Geld zurück. Andere sind Profis, die sich auch nicht scheuen, zehn Euro für ein Glas auszugeben, wenn Sie wissen, dass es ein seltenes Tröpfchen ist.

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