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Prozess: Falscher Polizist muss 8000 Euro Strafe zahlen

Ein Langener hat als falscher Polizist vermeintliche Verkehrssünder mit Blaulicht und Kelle gestoppt. Dafür wurde er nun zu einer Geldstrafe von 8000 Euro verurteilt. Bei einer Wohnungsdurchsuchung machte die Polizei außerdem bedenkliche Funde.
Symbolfoto Foto: Peter Steffen (dpa) Symbolfoto
Langen. 

Falsche Polizisten am Telefon – das gehört für manchen Senior schon fast zum Alltag. Aber ein falscher Polizist, der Verkehrssünder mit Kelle und „Dienstausweis“ zurechtweist oder sogar anbrüllt? Das wurde am Mittwoch vor dem Amtsgericht Langen geahndet. Es gab eine saftige Geldstrafe von 8000 Euro. Im schlimmsten Fall sind die angeklagten Amtsanmaßungen und Urkundenfälschungen mit bis zu fünf Jahren Haft zu bestrafen.

Vor Amtsgerichtsdirektor Volker Horn musste sich ein 50-jähriger Bäckerei-Fahrer aus Langen gestern wegen dieser Delikte verantworten. Erst wollte er sich nicht zur Sache äußern, hörte sich unbewegt an, was die Zeugen zu den drei angeklagten Fällen sagten. Vor einem Schlüsseldienst gegenüber seiner Wohnung hatte der 50-Jährige eine Lehrerin (37) mit einem „Dienstausweis“, der nach Aussage der Tochter eines Polizisten „wirklich echt aussah“, zur Rede gestellt. Bei dieser Tat im Frühjahr 2016 beließ der „Polizist“ es gnädiger Weise bei einer Ermahnung.

Im zweiten Fall ging er schon härter zur Sache. Eine 20-jährige Altenpflegerin, die mit ihrer Mutter zu einer Kindstaufe unterwegs war, hielt er bei Egelsbach in der Auffahrt zur A 661 an. Er fuhr eng auf, überholte und stoppte die junge Frau mit Blaulicht auf dem Dach und Polizeikelle. Dann machte er ihr Vorwürfe wegen ihrer „unsicheren und langsamen“ Fahrweise.

Im dritten Fall schließlich stoppte der Bäckerei-Fahrer als Polizist mit Blaulicht und Kelle einen Autofahrer in einer Tempo-30-Zone in Langen. Er brüllte den Mann an und drohte mit saftiger Strafe, wenn er sich fortan nicht bessere. Als die Aussagen so weit gediehen waren, räumte der Angeklagte alle Taten ein.

Nicht zur Sprache kam, was die Polizei bei einer Durchsuchung des Arbeitszimmers des falschen Polizisten außer Handschellen, Sprengstoff und 100 Schuss Munition noch fand: An der Wand prangte ein Bild von Adolf Hitler, Aktenordner waren mit SS-Runen versehen. Schulterzuckend bestritt der 50-Jährige, Kontakt zur rechten Szene im Kreis Offenbach zu haben.

(sc)

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