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Asylsuchende als Praktikanten: Flüchtlinge sind Bereicherung

Von Der Kreis Offenbach hofft bei der Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt auf die Unterstützung der Unternehmen. Dabei geht er mit gutem Beispiel voran: Acht Asylsuchende absolvieren in der Verwaltung jetzt ein Praktikum.
Der Kreis Offenbach hofft bei der Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt auf die Unterstützung der Unternehmen. (Symbolbild) Der Kreis Offenbach hofft bei der Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt auf die Unterstützung der Unternehmen. (Symbolbild)
Kreis Offenbach. 

Etwa 4000 Menschen hat der Kreis Offenbach seit Beginn der Flüchtlingskrise aufgenommen. Männer und Frauen, welche die Sprache lernen und in den Arbeitsmarkt integriert werden müssen. Keine ganz leichte Aufgabe: „Wir machen keinen Hehl daraus, wir müssen Klinken putzen gehen“, sagt Boris Berner, Leiter der Pro Arbeit im Kreishaus in Dietzenbach. Die Sprache sei das große Problem, es dauere eben seine Zeit, bis die Menschen so gute Deutschkenntnisse haben, dass sie für den Arbeitsmarkt interessant werden. „Die Kunst wird es jetzt sein, Sprache und Ausbildung und auch Sprache und Arbeit miteinander zu verbinden“, erklärt Berner. Bislang seien von 1800 anerkannten Flüchtlingen im Kreis Offenbach 213 voll sozialversicherungspflichtig tätig, 64 seien geringfügig beschäftigt und 22 hätten sich selbstständig gemacht.

Positiv aufgefallen

Der Kreis will selbst mit gutem Beispiel vorangehen und die Quoten verbessern. Neben dem eigenen Arbeitsmarktbüro sowie einem Qualifizierungs- und Betreuungssystem, hat die Pro Arbeit acht Flüchtlinge als Praktikanten aufgenommen, um sie an eine Ausbildung oder einen Vollzeitjob heranzuführen. Die Männer und Frauen aus Afghanistan, dem Irak, Iran und Syrien arbeiten fünf mal in der Woche vier Stunden im IT-Sektor, bei der Grundsicherung, im Service Center, in der Poststelle oder im Ermittlungsdienst. Bezahlt werden sie nach dem gesetzlichen Mindestlohn. Alle hatten zuvor das Profiling im Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge durchlaufen und waren hier positiv aufgefallen – sei es mit hervorragenden Sprachkenntnissen oder einer hohen Qualifikation.

Kreisbeigeordneter Carsten Müller (SPD) stellte gestern zwei der neuen Mitarbeiter vor. Der 25 Jahre alte Kabir M. aus Afghanistan hat in seiner Heimat Informatik studiert und ist über die Türkei, Griechenland und die Balkanroute geflüchtet, weil er als Scharfschütze für die Polizei in Afghanistan in das Visier der Taliban geraten war. In Dietzenbach läuft es gut für ihn. „Ich möchte weiter Deutsch lernen, mein Fachwissen ausbauen und weiter im IT-Sektor arbeiten“, sagt Kabir M.. Seit März ist er in der Abteilung von Marc Pornschlegel beschäftigt. „Er hat die international gültigen IT-Zertifizierungen und eine sehr schnelle Auffassungsgabe“, berichtet Pornschlegel zufrieden. Das Praktikum sei auf ein halbes Jahr befristet, danach müsse weiter gesehen werden.

Ausbildungsplatz in Sicht

Noch besser sieht es für Lale M. aus. Die 34-Jährige hat im Iran Atomphysik studiert und an einer Schule unterrichtet. Künftig will sie die Branche wechseln und im Kreis eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte beginnen. Dazu muss sie ihre Sprachkenntnisse weiter verbessern. Sie ist gemeinsam mit Mann und Kind als verfolgte Christin nach Deutschland gekommen. Derzeit besucht sie vormittags einen Sprachkurs, und nachmittags kommt Lale M. zur Arbeit in die Kreisverwaltung. Bis sie im Sommer 2017 ihre Ausbildung beginnt, kann sie die Zeit als Praktikantin nutzen.

Carsten Müller hofft, dass möglichst viele Unternehmen im Kreis diesem Beispiel folgen: „Unsere ersten Erfahrungen sind durchweg positiv. Die Motivation unserer Praktikanten ist unglaublich hoch. Sie machen schnell fachliche Fortschritte und leben sich sehr gut in den Arbeitsalltag ein. Sie sind eine echte Bereicherung.“

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