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Prozess am Amtsgericht: Frau und Hunde im Keller eingesperrt

Von Das Verfahren gegen zwei Frauen, die fünf Hunde „gerettet“ haben wollen, wurde eingestellt. Der ursprüngliche Besitzer der fünf Tiere erschien nicht zur Verhandlung, seine Adresse konnte nicht festgestellt werden.
Richter fühlen sich oft wie der Held der griechischen Sage Sisyphos, der vor dem Amtsgericht in Langen immer aufs Neue eine schier unmögliche Aufgabe lösen muss. Richter fühlen sich oft wie der Held der griechischen Sage Sisyphos, der vor dem Amtsgericht in Langen immer aufs Neue eine schier unmögliche Aufgabe lösen muss.
Langen. 

„Im Tierschutz herrscht oft ein rauer Ton“, räumte gestern vor dem Amtsgericht Langen eine Angeklagte (54) ein. Ihre Mitbeschuldigte (42) war sich genau so wenig einer Schuld bewusst. Mit Hilfe der „Tierrettung Dreieich“ sollen sie fünf ungarische Vorstehhunde ihrem rechtmäßigen Besitzer unterschlagen haben. „Ganz falsch“, behaupteten die Angeklagten vor Amtsgerichtsdirektor Volker Horn. Vielmehr hätten sie die völlig verstörten und heruntergekommenen Hunde gerettet. Jetzt seien sie in Familien, wo sie auch nach drei Jahren noch immer massive Verhaltensstörungen zeigten. Die seien auf die nicht artgerechte Haltung der Hunde in einem Keller zurückzuführen.

Was am Mittwoch vor dem Amtsgericht in Langen verhandelt wurde, ist bereits die zweite Welle juristischer Auseinandersetzung um die fünf Hunde, einen Rüden, eine Hündin und drei Welpen. Die gehörten anfangs, das ist unstrittig, einem Mann, der ursprünglich mal in Rödermark-Urberach gewohnt hat.

Im Auto gehaust

Der Hundebesitzer ist der Justiz kein Unbekannter. Bereits 21 Mal kam er mit dem Gesetz in Konflikte, wurde am Rande des Prozesses bekannt. Er gehört den „Reichsbürgern“ im Kreis Offenbach an. Sie erkennen die Bundesrepublik nicht an und beschäftigen immer wieder die Gerichte, so auch das Amtsgericht in Langen.

Zu dem Termin um die angeblich ihm gehörenden Hunde erschien er erst gar nicht. Er sei krank, ließ er sich von einem Arzt bescheinigen. Auf dem Fax an das Gericht war seine Anschrift geschwärzt, so dass auch nicht ermittelt werden konnte, wo er wirklich lebt.

„Der hat zumindest zeitweise in seinem Auto gehaust, als er die Hunde wiederhaben wollte“, sagte die 54-Jährige vor Gericht. „Es war deshalb nicht zu verantworten, ihm die Hunde zurückzugeben.“ Die von zahlreichen Tierschutzvereinen als Sachverständige für die Beurteilung von Hunden gefragte 54-jährige gelernte Bürokauffrau gilt als Expertin für große Hunde. Zu denen gehören auch die ungarischen Vorstehhunde, um die es in diesem Verfahren ging. Die schreibtischhohen Jagdhunde gelten als ruhig und von freundlichem Wesen. Wovon in diesem Fall nicht die Rede sein konnte. „Die verkrochen sich sofort, wenn sie eine Männerstimme hörten, scheuten das Tageslicht.“

Termine platzen gelassen

Nach Wissen der 54-Jährigen waren die Hunde im Keller eines Hauses, zusammen mit der Ehefrau des Besitzers, längere Zeit eingesperrt. Die Frau kam in ein Frauenhaus, die Hunde waren weg, als die Polizei die Ehefrau befreite. So die Angaben gestern bei Gericht.

Wo die Hunde waren, berichtete die 42-jährige Angeklagte. Die An-gestellte beim Kreis Offenbach und Hundenärrin hatte den Hundebesitzer beim Gassi gehen kennengelernt. Vor drei Jahren fragte er sie plötzlich, ob sie kurzfristig seine Hunde, insgesamt zwei erwachsene Tiere und drei Welpen aufnehmen könnte. Sie konnte und nach Rücksprache mit den Tierschützern in Dreieich kamen die Hunde zunächst zu ihr. Dort konnten sie aber wegen ihres gestörten Verhaltens nicht bleiben.

Unter Mithilfe der „Tierhilfe ak-tiv“ in Dreieich kamen sie zu der 54-Jährigen. Aber erst, nachdem für jedes der Tiere einer der im Tierschutz üblichen Verträge abgeschlossen worden war. Danach sollten die Tiere nach sechs Monaten an interessierte und qualifizierte Hundefreunde abgegeben werden können – gegen eine Schutzgebühr.

Darüber sei mit dem eigentlichen Besitzer mehrfach gesprochen worden. Als er die Tiere zurückverlangte, machten die beiden angeklagten Frauen Termine mit ihm aus, die der ursprüngliche Besitzer immer wieder wegen „Auslandsaufenthalten“ oder ähnlichen „wichtigen Terminen“ platzen ließ.

Amtsgerichtsdirektor Volker Horn konnte im Verhalten der bei-den angeklagten Frauen keine straf-bare Handlung sehen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren eingestellt. Allerdings muss die 54-Jährige eine Geldbuße von 250 Euro an den Kinderschutzbund im Kreis Offenbach zahlen – wegen des rauen Tons im Tierschutz.

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