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Für diese Frauen ist Radeln auch ein Stück Freiheit

In ihrer Heimat ist das Radfahren für Frauen oft nicht üblich. Mit Hilfe des Programms "Stärken vor Ort" lernen sie es nun in Dreieich.
Radfahr-Lehrerin Christine Rhodes (Mitte) hat in den vergangenen drei Jahren rund 60 Frauen das Radfahren beigebracht. Foto: Nicole Jost Radfahr-Lehrerin Christine Rhodes (Mitte) hat in den vergangenen drei Jahren rund 60 Frauen das Radfahren beigebracht. Foto: Nicole Jost
Dreieich. 

Mit mittlerer Geschwindigkeit und lachend radelt Durdana Shahein über den Schulhof der Gerhart-Hauptmann-Schule. Hier, auf sicherem Terrain ohne richtigen Straßenverkehr, fühlt sich die Inderin schon richtig sicher und tritt kräftig in die Pedale.

"Durdana ist mit 52 Jahren die älteste Teilnehmerin unseres Kurses und unsere Formel-Eins-Pilotin", sagt Christine Rhodes lachend. "Mit dem Lenken und Pedaletreten klappt es schon sehr gut, nur das Bremsen beherrscht sie noch nicht so ganz."

Die zertifizierte Radfahrlehrerin hat in den vergangenen Wochen gemeinsam mit 20 Dreieicher Frauen mit Migrationshintergrund das Fahrradfahren trainiert. Im dritten Jahr in Folge hat das Projekt aus dem Programm "Stärken vor Ort" damit einen großen Erfolg. Viele Dreieicherinnen wollen das Radfahren lernen und sich so mit einem unabhängigen Fortbewegungsmittel das Leben erleichtern.

"Es ist gar nicht so selten, dass Erwachsene nicht Radfahren können", weiß Christine Rhodes, "fehlendes Geld ist ein Grund, aber in manchen Kulturen ist Radfahren bei Frauen einfach nicht üblich." In Indien ist es durchaus möglich, Durdana Shahein hat es als Kind auch gelernt: "Aber ich habe alles wieder vergessen, doch jetzt klappt es schon ganz gut. Die Fahrradtrainerin ist auch ganz behutsam mit uns umgegangen."

In den ersten Übungsstunden haben sie auf dem Roller ihr Gefühl fürs Gleichgewicht trainiert, anschließend auf dem Klapprad mit wegklappbaren Pedalen trainiert und erst dann kam das Treten, Lenken und Bremsen dazu. "Es macht mir viel Spaß", sagt Edes Gülsüm. "Meine Kinder wollten es mir immer schon beibringen, aber ich hatte Angst. Aber jetzt klappt es schon wie in meinen Träumen und mein Rad wird künftig eben mein Auto sein", freut sich die Türkin.

Auch Houda Bouraoui aus Marokko beherrscht ihren Drahtesel schon ganz gut. "Anfangs hatte ich Probleme mit den Pedalen, da war ich ziemlich sauer, aber mit ein bisschen Geduld und Übung geht es jetzt", freut sich die junge Frau, für die das Rad auch ein Stück Freiheit bedeutet.

Jetzt gelte es für die Teilnehmerinnen, vor allem mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu gewinnen, so Rhodes. "Wir haben das schon geübt, sind zuerst auf Waldwegen und dann auf den Straßen gefahren. Aber es braucht jetzt einfach Übung und Routine", erklärt die Trainerin, die ihre Radfahrschülerinnen gut auf die Gefahren des Alltags im Straßenverkehr vorbereitet hat. Sie ist stolz ist auf ihre Schülerinnen, die in wenigen Wochen schon ganz selbstverständlich in die Pedale treten.njo

(Nicole Jost)
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