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Gänsepaar vereint: Gänse sind ein Herz und eine Seele

Von Douglas wurde als Baby-Gans verletzt aufgefunden. Judith Wagner, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, päppelte ihn liebevoll auf. Jetzt geht es ihm prächtig und mit Josy hat er eine Partnerin gefunden.
Die zwei Gänse von Judith Wagner und Malte Kunkel vom Tierschutzverein Kelsterbach überleben das Weihnachtsfest. Foto: Carmen Erlenbach Die zwei Gänse von Judith Wagner und Malte Kunkel vom Tierschutzverein Kelsterbach überleben das Weihnachtsfest.
Kelsterbach. 

„Es war einmal“, so fangen alle schönen Geschichten an – auch die der zwei Gänse Douglas und Josy, die der Tierschutzverein Kelsterbach seit etwa vier Monaten in seiner Obhut hat. Während andere Leute am Heiligen Abend die Weihnachtsgans auftischen und sie genüsslich verzehren, so feiern Vorsitzende Judith Wagner und ihr angehender Schwiegersohn Malte Kunkel mit dem Federvieh ein friedvolles Weihnachtsfest.

Josy war für verwöhnte Gaumen gezüchtet worden und wäre eigentlich am heutigen Christfest im Backofen gelandet. Dass sie dem Schlachterbeil entging und an der Seite ihres Freundes Douglas nun Weihnachten erleben darf, hat seine Bewandtnis. Doch der Reihe nach.

Im Sommer war am Anglersee ein drei Wochen altes Gänschen gefunden worden. Es hatte sich mit dem Fuß in einer Angelschnur verheddert, sie schnürte ihn völlig ab. Der Tierschutzverein wurde benachrichtigt und sorgte umgehend für eine tierärztliche Behandlung. Leider jedoch hatte die Angelschnur den Fuß des Gänschens schon derart abgeschnürt, dass er nicht mehr zu retten war und amputiert werden musste.

Tierärztlich betreut

Die Gans kam in die Obhut von Judith Wagner, ihrer Tochter Anna Wagner und deren Lebensgefährten Malte Kunkel. Täglich musste der Verband über der Operationswunde gewechselt werden. Rasch wurde das noch junge Gänschen auf den Namen Douglas getauft und auch weiterhin tierärztlich betreut. Fazit? Sobald der Ganter ausgewachsen ist, und das wird im Sommer kommenden Jahres der Fall sein, erhält er eine Fußprothese.

So kam Douglas also zum Tierschutzverein. Tagsüber hielt sich der hellgelbe Flaumknäuel draußen auf einer Wiese auf, doch sobald es dunkel wurde, überfiel ihn Angst, und er wollte nicht mehr alleine sein. Also zeigte Judith Wagner ein Herz, nahm ihn mit ins Haus und bereitete ihm mit einer kuscheligen Decke ein warmes Bettchen in der Badewanne.

Wagner hatte versucht, Douglas auf einem Gnadenhof in Ostdeutschland unterzubringen, erhielt jedoch eine Absage. Auch weitere Versuche, den jungen Gänsemann an andere Tierparks zu vermitteln, verliefen erfolglos – mit der Begründung, dass Besucher beim Anblick des fußamputierten Douglas meinen könnten, die Tiere würden nicht richtig betreut. So entschloss sich Wagner, Douglas in der Obhut des Tierschutzvereins zu behalten, zumal weiterhin der Verband täglich gewechselt werden musste.

Empört über Konkurrenz

Als feststand, dass Douglas in der Burgstraße bleiben würde, räumte Wagner einen Anbau erst aus und für den kleinen Patienten artgerecht ein. Doch Douglas wollte auch weiterhin nicht alleine im Dunkeln sein. Also entschloss sich Wagner, auf die Suche nach einer Freundin für die männliche Kanada-Gans zu gehen. Über das Internet wurde sie fündig. Bei Weinheim wurde eine Gänsefarm aufgelöst, weil der Besitzer gestorben war. Wagners Wahl fiel auf eine Mischung aus Kanada- und der größeren Graugans, erzählte der Tochter des Verstorbenen die rührende Geschichte von Douglas und bekam das weibliche und zwei Wochen ältere Tier von der Farm deshalb schließlich geschenkt. Es wurde Josy genannt.

Kaum war Josy bei Wagner angekommen, zeigte sich Douglas empört über die Konkurrenz und trötete laut. War er doch bislang „Mamas Liebling“ und genoss als einziger Wagners Zuwendung und Fürsorge. Am gleichen Abend probierte sie, Josy und Douglas zusammen in den Anbau zu sperren – und siehe da, er akzeptierte die neue weibliche Gesellschaft und verbrachte mit ihr ohne Furcht die Nacht im neuen Domizil. Der Herr wollte sich anscheinend nicht blamieren.

Zwei Tage später merkte Douglas, dass sich mit Josy schön spielen lässt. Seither sind sie ein Herz und eine Seele. Kaum ist eine Gans außer Sichtweite, ruft die andere auch schon und sucht. So wurde aus den beiden ein sich liebendes Gänsepaar. Keiner kann mehr ohne den anderen. Im kommenden Frühjahr werden die beiden geschlechtsreif und gewiss ab und zu ein Nest bauen. Wagner wird jedoch nicht zulassen, dass die Eier ausgebrütet werden.

Inzwischen sind die beiden Gänse mit brauner und schwarzer, weißer und grauer Zeichnung fast einen Meter groß und fiebern ihrem weihnachtlichen Leckerli entgegen. Dann gibt es eine Portion trockene Brötchen, für die sie ebenso wie für frischen Salat schwärmen.

Wagner will Josy und Douglas ein langes und artgerechtes Leben bescheren. Die Tierschützerin wird heute für ihre Familie ein Büfett mit bunten Salaten, Käse, Lachs und Dips vorbereiten. Sie verurteilt aus Tierschutzgründen aber niemanden, der sich eine knusprige Weihnachtsgans munden lässt. „Solange das Tier nicht aus einer Massenhaltung stammt und ein artgerechtes Leben hatte, ist das in Ordnung.“

Und weil Douglas und Josy nicht gestorben sind, so erleben sie noch viele Weihnachsfeste.

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