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Franz Blum will Menschen von der Wichtigkeit des Airports überzeugen: Geschäftsführer von Pro Flughafen: Die Stimme der schweigenden Mehrheit

Franz Blum wurde vor wenigen Tagen von Christel Karesch, Vorsitzende der Bürgeraktion Pro Flughafen, in Kelsterbach als neuer Geschäftsführer des Vereins vorgestellt. Blum, 1950 in Trier geboren, studierte Politik, Publizistik und öffentliches Recht in Mainz und Bonn. Anschließend war der FDP-Politiker überwiegend in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Unser Mitarbeiter Uwe Grünheid sprach mit ihm über sein neues Aufgabengebiet in der Bürgeraktion.
Franz Blum  am Fenster der Geschäftsstelle der Bürgeraktion Pro Flughafen im Taubengrund, mit Blick auf die Nordwestbahn. Franz Blum am Fenster der Geschäftsstelle der Bürgeraktion Pro Flughafen im Taubengrund, mit Blick auf die Nordwestbahn.
Kelsterbach. 

Sie sind bei der Bürgeraktion Pro Flughafen ein Mann der ersten Stunde und waren bereits bei der Gründung am 1. April 2000 im „Grünen Baum“ in Neu-Isenburg dabei. Was waren Ihre Beweggründe für diesen Beitritt, Herr Blum?

FRANZ BLUM: Ich war damals gerade von der Wirtschaftsförderung Region FrankfurtRheinMain auf die Position des Pressesprechers des Umlandverbands Frankfurt gewechselt. Bei der Wirtschaftsförderung hatte ich erfahren, welche Bedeutung der Flughafen für die Wirtschaft hat. Was mich besonders beeindruckte, das war die europäische Vertriebszentrale einer japanischen Firma. Sie saß in einem Kölner Vorort. Ein guter Standort, wo doch im nahen Düsseldorf die japanische Business-Community in Deutschland zu Hause ist. Doch es störte den japanischen Chef, dass er immer, wenn er in die Heimat und zur Zentrale nach Japan flog, in Frankfurt umsteigen musste. So gab er seinen Mitarbeitern den Auftrag, einen Standort in der Nähe des Frankfurter Flughafens zu suchen. Sie sind übrigens damals nach einer langen Evaluierung der Angebote nach Kelsterbach gezogen. So habe ich verstanden, wie wichtig ein Flughafen mit vielen Direktverbindungen für einen Wirtschaftsstandort ist. Auch wenn wir wegen des Nachtflugverbots den einzigen Direktflug nach Australien verloren haben, so ist doch Frankfurt unter allen Flughäfen der Welt derjenige, von dem aus Sie die meisten Ziele im Direktflug erreichen können. Als ich im Jahr 2000 gefragt wurde, ob ich bei der Gründung einer Bürgerinitiative dafür mitmachen will, antwortete ich: „Natürlich!“

Was war damals das primäre Ziel der Bürgeraktion? Inwieweit hat es sich verändert? Sind neue Zielsetzungen hinzugekommen?

BLUM: Damals bildeten sich die ersten Bürgerinitiativen gegen den Ausbau des Flughafens. Da wollten wir von Bürgerseite aus die Bedeutung des Flughafens für die Region deutlich machen, und dass er sich unserer Ansicht nach auch weiterentwickeln können muss. Die Stimme der schweigenden Mehrheit, wenn Sie so wollen. Eigentlich hatten wir gedacht, dass wir eines Tages vielleicht überflüssig werden. Aber die Aktivitäten der Gegner machen es notwendig, dass wir weiter unsere Stimme erheben und ein Gegengewicht bilden. Ob es um den Bau der neuen Landebahn oder des Terminal 3 geht, oder um die Ankunft von Ryanair in Frankfurt, im Grunde geht es immer um die Chancen, die der Flughafen bietet für die Wirtschaft, aber auch für die Menschen, die in der Region leben. So gesehen hat sich an unseren Zielen eigentlich wenig geändert.

Sie waren bereits Mitglied im Vorstand der Bürgeraktion. Was waren Ihre Hauptaufgaben?

BLUM: Im Vorstand bestand keine besondere Aufgabenverteilung. Alle Vorstandsmitglieder sind bei allen Aktivitäten des Vereins gefordert. Ich hatte für mich einen Schwerpunkt bei der Mitarbeit am Newsletter der Bürgeraktion gesetzt, der viermal im Jahr erscheint.

Welche Aufgaben haben Sie jetzt als Geschäftsführer des Vereins? Sind Sie in dieser Funktion hauptamtlich tätig und worin sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

BLUM: Nach draußen gehen, Kontakte knüpfen, mit Menschen sprechen und sie überzeugen. Das ist kein 40-Stunden-Job, auch wenn ich zurzeit vier- bis fünfmal in der Wochen zur Geschäftsstelle im Kelsterbacher Taubengrund komme. Da kommen aber bei einer Veranstaltung wie dem Hessentag schon einmal mehr als 40 Stunden in der Woche zusammen. Ich wohne in Mainz und komme in der Regel mit S-Bahn und Fahrrad zum Büro. Nach der Arbeit fahre ich aber gerne auch den ganzen Weg mit dem Rad nach Hause. Das macht den Kopf frei und ist eine schöne sportliche Betätigung.

Skizzieren Sie bitte die wesentlichen Aktivitäten des Vereins.

BLUM: Unsere Stimme erschallen zu lassen und immer wieder zu betonen, wie wichtig der Flughafen ist. Wir wollen Flagge zeigen und deutlich machen, dass es Bürger gibt, die zum Flughafen stehen. Und das ist ja, wie die Umfragen zeigen, auch die Position der Mehrheit der Bevölkerung. Dazu nehmen wir an zahlreichen Veranstaltungen teil, an kleineren und größeren, die letzte große war im Juni der Hessentag in Rüsselsheim.

Was waren bislang die größten Erfolge der Bürgeraktion Pro Flughafen?

BLUM: Für uns ist es stets ein Erfolg, wenn man merkt, dass die Flughafengegner nicht unbedingt die Mehrheit bilden, und wenn man uns sagt: „Macht weiter so.“ Wenn auf dem Hessentag oder bei den Tagen der Luftfahrt Menschen an unseren Stand kommen und sagen: „Es ist schön, dass es Euch gibt.“

Wie finanziert sich der Verein?

BLUM: Wir erhalten einen gewissen Betrag von der Fraport, brauchen für unsere Arbeit aber auch weitere Sponsoren. Konkret: Für unseren Auftritt auf dem Hessentag wurden wir von 13 Firmen aus der Region unterstützt. Wir haben da ein großes Netzwerk, und das ist gut so.

Wie schwierig ist der Dialog mit Ausbau-Gegnern?

BLUM: Es gibt Leute, mit denen kann man reden, mit anderen dagegen nicht. Das muss man dann hinnehmen. Vor einigen Jahren ist es mir schon einmal passiert, dass ich nach einem Leserbrief in der Mainzer Allgemeinen Zeitung angerufen wurde und der Anrufer mir Prügel angedroht hat. Die Anfeindungen, glaube ich, waren früher heftiger als heute, weil viele inzwischen einsehen, dass der Flughafen wichtig ist. Was mich aber kürzlich erschüttert hat, geschah vor etwa zehn Tagen bei der Montagsdemonstration der Gegner. Beim Schimpfen des Redners auf die hessische Landesregierung und namentlich auf den Ministerpräsidenten Volker Bouffier rief einer der Demonstranten laut, wahrscheinlich durch eines der mitgeführten Megafone: „Hängt ihn auf!“ Und der Redner, der das nicht überhören konnte, hat den Zwischenruf nicht zurückgewiesen.

Was denken Sie über den Politikwechsel in Mörfelden-Walldorf verbunden mit dem Abhängen der dortigen Anti-Ausbau-Banner an öffentlichen Gebäuden?

BLUM: Das finde ich richtig. Aber wissen Sie, ich finde es lustig, wenn Kommunen Feste oder Veranstaltungen machen, bitten sie die Fraport um Unterstützung, auch wenn sie sonst auf den Flughafen schimpfen. Erst letzthin hing bei einer Veranstaltung in Gustavsburg ein Transparent des Sponsors Fraport nur wenige Meter neben der am Ortseingang befindlichen Protesttafel der Stadt.

Sie haben Ihre Geschäftsstelle im Kelsterbacher Taubengrund in direkter Nachbarschaft zum Flughafen. Wie empfinden Sie den Fluglärm?

BLUM: Ja, hier in der Geschäftsstelle hört man die Flugzeuge schon gewaltig. Schließlich sind wir das letzte Haus, das überflogen wird, bevor der Flieger auf der Landebahn aufsetzt. Und wenn man das Fenster beim Telefonieren offen hat, muss man schon mal eine Pause einlegen. Aber ich kann damit leben. Am Weinstand in Flörsheim übrigens muss man das Gespräch nicht unterbrechen, wenn ein Flugzeug vorbeifliegt.

Können Sie wirklich ausschließen, dass Fluglärm gesundheitsschädigende Auswirkungen hat?

BLUM: Was schädigt die Gesundheit, das ist eine gute Frage. Die Zahl gesundheitsschädigender Faktoren um uns herum ist groß, und ich bin davon überzeugt, dass der Fluglärm beispielsweise in Mainz keineswegs so schlimm ist, wie uns Professor Thomas Münzel das glauben lassen will. Seinen Ausführungen zufolge müssten sich alle Mainzer als Fluglärmgeschädigte in Krankenhäuser einweisen lassen. Aber dem ist nicht so. Nach Statistiken der Krankenkassen haben die Mainzer unter den Rheinland-Pfälzern die wenigsten krankheitsbedingten Fehltage am Arbeitsplatz, sind also besonders gesund. Und wenn der Fluglärm in Mainz wirklich so gefährlich wäre, dann frage ich mich, warum Münzel nicht längst aus Mainz weggezogen ist.

Welche Ziele haben Sie sich persönlich als Geschäftsführer der Bürgeraktion gesetzt? Welche Erwartungen verknüpfen Sie mit dieser neuen Tätigkeit?

BLUM: Ich erwarte, dass wir noch stärker werden. Natürlich kann man nicht alle Gegner überzeugen, das ist klar. Wichtiger ist es daher für uns, die Politik zu erreichen. Wir müssen eine ausreichend große Zahl von Politikern in Hessen davon überzeugen, dass sie weiterhin zum Frankfurter Flughafen stehen. Denn der Flughafen ist unser Tor zur Welt. Davon profitieren wir privat. Aber noch wichtiger ist seine Funktion für den Erfolg unserer international agierenden Unternehmen und damit für unser aller Wohlstand und die Zukunft unserer Kinder.

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