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"Gutachten manipuliert"

Von Laut Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Thießen bringt der Ausbau des Flughafens keine neuen Arbeitsplätze. Gutachten hierzu seien manipuliert worden.
Friedrich Thießen Friedrich Thießen
Mörfelden-Walldorf. 

Bringt der Flughafen, wie so oft zu hören ist, neue Arbeitsplätze, oder ist er nur eine "Joblüge"? Darum ging es im Sitzungssaal des Walldorfer Rathauses.

"Ein Einfluss einer Flughafeninfrastruktur auf den Arbeitsmarkt ist nicht nachweisbar." Mit dieser Aussage des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahre 1999 eröffnete der Gastredner des Abends, Friedrich Thießen, vor rund 120 Besuchern seinen Vortrag. Thießen ist Wirtschaftswissenschaftler und hat einen Lehrstuhl an der Technischen Universität Chemnitz.

An diesem Abend war der Flughafen sein gewähltes Thema. Anhand verschiedener Studien versuchte Thießen zu belegen, dass Flughäfen eben keine Jobmotoren seien. So zeigte er anhand des Münchner Flughafens auf, dass die größeren Kommunen um den Standort Freising im Verhältnis zum Wachstum des Luftverkehrs kein ebenso hohes Wachstum an Erwerbstätigen hätten.

Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg komme nach seiner Interpretation zu einem ähnlichen Ergebnis. Für Deutschland interpretiert er das Jahrbuch aus dem Jahre 2011, das sich mit internationalen wissenschaftlichen Studien beschäftigt hatte: "Dies kann als ein Indiz für eine schwach komplementäre Beziehung zwischen Luftverkehr und Beschäftigung gesehen werden."

Zuvor hätte es schon geheißen, dass die Flughafeninfrastruktur sich negativ auf die Industrie, aber positiv für Dienstleistungen auswirke. Auch aus dem häufig zitierten Städteranking, das beispielsweise die fünf reichsten Regionen den fünf ärmsten gegenüberstellt, lasse sich kein Beleg, für die positive Wirkung des Flughafens auf die Jobangebote ableiten.

Konkreter Angriff

Die fünf ärmsten Regionen lagen im Durchschnitt näher an einem Flughafen als die fünf reichsten. Ganz konkret griff Friedrich Thießen den Gutachter für den Frankfurter Flughafen, Herbert Baum, an. Dieser sei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Airport ein Jobmotor sei, indem er Daten manipuliert habe.

Diese Manipulation, so Thießen weiter, sei auch den Mediatoren nicht aufgefallen, da diese nicht die Originalgutachten erhalten hätten, sondern eine Zusammenfassung von einem Zwischengutachter. Dieser, Heinrich Beder, sei 30 Jahre Mitarbeiter bei der Lufthansa gewesen. "Das Ergebnis ist: Die Gutachten sind manipuliert, das Mediationsverfahren wurde manipuliert", fasste Thießen seinen Vortrag zusammen.

Rolle der Gerichte

Viele empirische Befunde zeigten, so der Wirtschaftswissenschaftler, dass es netto praktisch keine Arbeitsplatzschaffung gebe. Auch die Rolle der Gerichte sei fragwürdig, erklärte Thießen. Es sei nicht festgelegt, wie tief die Richter in die Materie eintauchen müssten und damit gebe es großen Spielraum, für das "eigene Ermessen" der Richter. Aus diesem Grunde würden manipulierte Gutachten so leicht von Gerichten anerkannt.

Kurzum, nach seinen Ergebnissen sei der Flughafen kein Jobmotor. Die Zahlen hinsichtlich der Beschäftigten seien zwar nicht relevant, wenn es um das Genehmigungsverfahren gehe, aber ein willkommenes politisches Instrument, um der Bevölkerung das Ganze schmackhaft zu machen, schloss Thießen den Vortrag.

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