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„Hier ist kein Platz für Radikale“

Die Ideologie der Salafisten ist menschenverachtend. Vermutlich hat eine Gruppierung im Stadtgebiet Broschüren ausgegeben. Die SPD sieht jetzt Aufklärungsbedarf - vor allem bei den Jugendlichen.
Die umstrittene, islamistische Gülen-Bewegung nutzt den Koran und den Islam, um ihren Einfluss auszubauen. Symbolfoto: dpa Die umstrittene, islamistische Gülen-Bewegung nutzt den Koran und den Islam, um ihren Einfluss auszubauen. Symbolfoto: dpa
Neu-Isenburg. 

Die örtliche SPD ist erbost: Seit zwei Wochenenden würden vermutlich Salafisten vor dem Isenburg-Zentrum (IZ) in der Frankfurter Straße den Koran und Broschüren verteilen. So auch jüngst beim verkaufsoffenen Sonntag im IZ und in der Innenstadt. „Lest“ stehe auf ihren Rucksäcken, die sie bei sich führen. IZ-Center-Manager Daniel Quaas sagt auf FNP-Nachfrage: „Die Verteilung erfolgte vor dem Einkaufszentrum im öffentlichen Raum, da haben wir keinen Zugriff, das ist Sache der Polizei oder des örtlichen Ordnungsamtes.“

Polizei-Pressesprecher Henry Faltin bestätigt: „Wir wissen, dass da Leute etwas verteilen. Wir behalten sie im Auge. So lange aber diese Personen die Verkehrssicherheit nicht gefährden, können wir nicht einschreiten.“ Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) erklärt: „Das ist eine heikle Sache, uns ist die Aktion am verkaufsoffenen Sonntag aufgefallen.“

 

Zusammenleben gefährdet

 

Nach Rücksprache mit der örtlichen Polizei hieß es, die jungen Leute, welche auch den Koran verteilten, seien kooperativ und es gebe keine Gesetzesverstöße. Hunkel weiter: „Ich habe mit den muslimischen Gemeinden gesprochen, es wird Ende der Woche ein Gespräch mit einigen Jugendlichen geben, die an der Aktion teilgenommen haben.“ Das Thema Salafisten werde außerdem im Mittelpunkt des nächsten Treffens des Isenburger Religionsforums im Juni stehen.

Die SPD sieht das Ganze sehr kritisch: „Diese radikale Gruppe“ instrumentalisiere den Koran für ihre menschenverachtende Ideologie, von der sich die überwältigende Mehrzahl der Muslime distanziere. Aus der Perspektive der Salafisten müssten all diejenigen, die nicht ihren Vorstellungen folgten - das können Christen wie Muslime sein - in letzter Konsequenz bekehrt oder bekämpft werden.

Salafisten lehnten die demokratische Grundordnung ab und gefährdeten damit das friedliche Zusammenleben in Deutschland nachhaltig. Mit ihren radikalen Ansichten versuchten einige salafistische Gruppen, junge Menschen für sich zu gewinnen. Die SPD weiter: „Zu ihrer Selbstinszenierung gehört die Opferrhetorik. Das heißt, sie provozieren Ablehnung und nutzen diese, um sich als Opfer einerseits und als Verteidiger des Islams andererseits zu stilisieren. Sie hoffen, auf diese Weise Solidarität zu erreichen.“ Mit dieser Rhetorik würden sie oft Jugendliche erreichen, die sich als unerwünscht und diskriminiert behandelt sehen.

 

Gruppierung bekämpfen

 

„Hier müssen wir verschiedene Strategien verfolgen“, sagt der SPD-Landtagskandidat des Wahlkreises 44, Corrado Di Benedetto. „Einerseits müssen wir unmissverständlich klar machen, dass wir uns mit allen demokratischen Mitteln zur Wehr setzen, wie wir dies auch in anderen Formen des politischen Radikalismus tun. Andererseits müssen wir über diese Gruppen aufklären und vor allem die Jugendarbeit in den Schulen stärken und die Moscheegemeinden als Partner in dieser Arbeit gewinnen.“

Der SPD-Ortsverein will zur Bekämpfung dieser Gruppierung das Gespräch mit allen gesellschaftlichen Akteuren suchen. In Neu-Isenburg gebe es keinen Platz für radikale Umtriebe. SPD-Vorsitzender Markus Munari erklärt: „Gegen die Koran-Verteilung ist nichts einzuwenden, wohl aber gegen die Leute, die ihn für ihre politischen Zwecke missbrauchen und daraus eine menschenverachtende Ideologie ableiten und diese offensiv-aggressiv unter die Leute bringen möchten.“

(fnp)
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