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Hilfe für die lieben Vierbeiner

Im Tierheim warten viele Hunde auf ein neues, liebevolles Zuhause. Wer ihnen das nicht bieten kann, aber Hund mag, kann mit den Vierbeinern aus dem Tierheim spazieren gehen. FNP-Reporterin Nicole Jost war mit zwei „Gassigängern“ und ihren Hunden unterwegs.
Rainer und Monika Friese sind gerne mit Inu und Luna auf den Dreieicher Feldern unterwegs, da können sich die Tierheimhunde ordentlich bewegen.	 Fotos: Nicole Jost Rainer und Monika Friese sind gerne mit Inu und Luna auf den Dreieicher Feldern unterwegs, da können sich die Tierheimhunde ordentlich bewegen. Fotos: Nicole Jost
Dreieich. 
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Das Leben mit einem Hund ist auf vielen Ebenen eine echte Bereicherung. Herrchen oder Frauchen werden immer freudig begrüßt, sind viel an der frischen Luft in Bewegung und treffen viele andere „Hundemenschen“. Natürlich ist es nicht jedem Hundeliebhaber vergönnt, einem treuen Vierbeiner ein schönes Zuhause zu schenken. Vielleicht lässt es die Wohnung nicht zu, vielleicht ist das Berufsleben zu zeitaufwendig.

Doch im Tierheim Dreieich warten jeden Tag viele Hunde sehnsüchtig darauf, sich die Füße zu vertreten, an den Wiesen entlang zu schnuppern und sich ausgiebig zu bewegen. Ich habe mich mit Monika und Rainer Friese getroffen und habe sie und ihre beiden Lieblingshunden anschließend auf einen Streifzug durch die Dreieicher Gemarkung begleitet.

Mittwochnachmittag, um kurz nach 14 Uhr, laufe ich durch das große Tor des Tierheims „Im Haag“. Ich wundere mich über zwei hübsche Hunde, die aufgeregt in dem Freilauf am Ausgang hoch springen. „Ihr Dussel, warum wollt ihr denn raus, seid doch froh, dass ihr nicht in eurer Box sitzen müsst und hier im Freien ein bisschen toben dürft“, spreche ich die beiden an. Aber sie ignorieren mich. Nur wenige Minuten später weiß ich den Grund für ihre Aufregung. Inu, ein holländischer Schäferhund, und Luna, eine junge Stafford-Mischlingshündin, sind so voller Vorfreude auf das Ehepaar Friese, dass sie nicht mehr im Freilauf entspannen wollen, weil sie ganz genau wissen: Es kommt gleich etwas viel Besseres.

Routiniert gehen die beiden in den Auslauf und lassen sich erst einmal ausgiebig von den freundlichen Hunden begrüßen, bevor es an die Leine geht. Luna hat es sehr eilig und zerrt ihr Teilzeit-Frauchen erst einmal nach vorn. „Luna, jetzt reiß dich mal zusammen, es geht ja gleich los“, ruft Monika Friese die Hündin zur Ordnung.

Als wir mit den beiden aus dem Hoftor biegen, erzählen mir die Frieses, dass sie schon seit sechs Jahren regelmäßig ins Tierheim kommen. Sie sind beide Rentner, wollten etwas Sinnvolles tun und sich an der frischen Luft bewegen. „Am Anfang waren wir zwei, drei Mal pro Woche da. Wenn es geregnet hat, sind wir Zuhause geblieben. Aber über die Zeit wachsen einem die Tiere ans Herz. Jetzt kommen wir jeden Tag, außer sonntags und donnerstags, da gibt es kein Gassigehen. Regen stört uns nicht, wir haben einfach ein schlechtes Gewissen, wenn die Hunde nicht raus kommen, denn die warten ja auf uns“, sagt Monika Friese lächelnd. Einen gesundheitlichen Aspekt hat die tägliche Bewegung auch: „Ich habe zwanzig Kilo abgenommen, seit wir Gassi gehen. Die zwei bis drei Stunden Fußmarsch am Tag haben geholfen“, erzählt Rainer Friese lachend.

 

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Inzwischen sind wir am ersten Wiesenstreifen angekommen. Inu lässt sich erst einmal ins feuchte Gras fallen und wälzt sich genüsslich, um danach aufzuspringen und los zu rennen. Die Leine begrenzt ihn. „Los lassen dürfen wir ihn nicht. Ich glaube nicht, dass er wegrennen würde, aber es ist zu gefährlich, wenn jeder Gassigeher die Hunde von der Leine lässt“, weiß Rainer Friese. Luna rennt schnüffelnd an der Feldkante entlang und springt immer wieder in die Luft, um eine imaginäre Maus zu fangen. „Ich finde Luna ganz toll, und mein Herz hing auch schon an einer tollen Labradorhündin. Mit der sind wir Jahre gegangen, da habe ich schon ein Tränchen verdrückt, als sie vermittelt war. Wobei ich mich für den Hund sehr gefreut habe“, sagt Monika Friese. Das Abschied nehmen ist ein Teil des Gassigehens.

Ein eigener Hund kommt nicht in Frage. Das Ehepaar hat eine Katze und möchte ihr den Stress mit einem Hund in der Wohnung nicht antun. „Es ist auch eine ganz andere Verantwortung, außerdem können wir hier richtig was Gutes tun“, sind sie sich einig.

Im strammen Schritt laufen wir über die Wiesen, entlang der Felder. An einem Gartengrundstück, schon wieder ganz in der Nähe des Tierheims, bleiben Inu und Luna plötzlich schwanzwedelnd stehen. Da müssen Monika und Rainer Friese lachen. „Das ist der Garten einer Bekannten, den kennen sie, dort dürfen sie manchmal frei rumsausen und spielen.“ Das ist heute aber nicht angesagt, und so traben die beiden gelassen weiter. Als ein anderer Hund mit Frauchen entgegen kommt, bleibt Rainer Friese stehen. „Inu schätzt andere Rüden nicht sonderlich, deswegen bleibe ich stehen und lasse den anderen Hund vorbei.“ Ein bisschen argwöhnisch schaut Inu dann, bleibt aber ganz brav und gibt keinen Mucks von sich. Dafür bekommt der Schäferhund ein Leckerchen.

 

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Wegen ihrer Verlässlichkeit und der ständigen Präsenz im Tierheim haben die Frieses inzwischen ein paar „Sonderrechte“. Mit Luna gehen sie einmal in der Woche zum Hundetraining nach Ober-Roden, damit die junge Hündin die grundsätzlichen Regeln eines Hundelebens lernt. Auch mit Inu trainieren sie regelmäßig im Tierheim. „Er hat Angst vorm Autofahren. Das üben wir mit ihm, und es geht auch schon besser“, sagt Rainer Friese. Er ist stolz auf die Fortschritte von Inu. Langsam nähern wir uns nach einer Stunde wieder dem Tierheim. Die beiden Hunde sind gut gelaunt und entspannt und werden vom Tierheimpersonal wieder entgegen genommen. Ein Leckerli und Kraulen zum Abschied, dann geht es für Inu und Luna wieder in die Box.

Michael Krause, stellvertretender Tierheimleiter, ist froh, dass es Menschen wie die Frieses gibt: „Wir gehen schon einmal eine Runde mit den Hunden, aber wir schaffen es personell keinesfalls, mit allen raus zu gehen“, erläutert der Fachmann. Da sei die ehrenamtliche Hilfe eine echte Erleichterung. Das Tierheim Dreieich hat einen festen Stamm von Gassigehern, rund 15 Leute, die regelmäßig kommen und mit „ihren“ Hunden Gassi gehen. „Unsere Liste ist noch sehr viel länger, aber manche haben nur samstags Zeit oder kommen eben nur gelegentlich“, berichtet Krause.

Derzeit ist der Bedarf nicht ganz so groß, weil das Tierheim mit nur knapp unter 20 Hunden besetzt ist. Einige der Vierbeiner sind „Listenhunde“, für die es eine Berechtigung braucht, um mit ihnen Gassi zu gehen. „Aber natürlich sind wir trotzdem um jeden froh, der kommt und sich mit den Hunden beschäftigt. Es gibt im Augenblick eben nicht immer einen unkomplizierten Hund, den wir auch Neulingen mitgeben können. Wer Interesse hat, sollte natürlich trotzdem mal bei uns vorbei schauen“, so Michael Krause. Er lädt potenzielle Gassigeher ein.

Das Tierheim Dreieich hat in den Wintermonaten von November bis März am Montag, Dienstag und Mittwoch von 13 bis 16 Uhr und Freitag und Samstag von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

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