E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 16°C

Prozess: Hintergrund des Brandes bleibt unklar

Von Aus Eifersucht soll der Angeklagte Brandstiftung begangen haben. Doch auch gestern blieben die genauen Umstände der Tat völlig unklar.
Eifersucht war vermutlich die Ursache für die Brandstiftung im Januar 2017 in Langen. Foto: Marc Strohfeldt - www.nachelf.de Eifersucht war vermutlich die Ursache für die Brandstiftung im Januar 2017 in Langen.
Langen. 

Die Überraschung vor dem Landgericht in Darmstadt war am gestrigen Freitagmorgen perfekt. Völlig überraschend war es dem Vorsitzenden Richter der 2. Strafkammer gelungen, eine wichtige Zeugin aufzutreiben und zur Anhörung vor die Große Strafkammer zu bringen. Bis in den Nachmittag hinein hör-ten Marc Euler als Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung die einzige Augenzeugin eines Brandes an, der am 18. Januar 2017 ein Wohnhaus in Langen zerstörte. Und fast drei Menschenleben gekostet hätte.

Immer noch völlig unklar war auch an diesem zweiten Verhandlungstag der Hintergrund des Brandes. Angeklagt ist der 21-jährige Ex-Lebensgefährte der Frau. Er soll aus Eifersucht versucht haben, sie und ihren 14-jährigen Bruder, ebenso wie sich selbst, durch den Brand umzubringen. Doch diese angeklagte Vermutung steht auf tönernen Füßen. Polizeibeamte, die als Zeugen angehört wurden, wussten zu berichten, dass schon früh die Vermutung aufgekommen war, die türkische Besitzerfamilie des Hinterhofgebäudes habe eine „warme Sanierung“ geplant. Dafür sprach nach diesen Ansagen, dass allen legalen Mietern des Hauses zum 31. Dezember 2017 gekündigt worden ist.

Was in den beiden Stockwerken des nach der Friedrichstraße zu ge-legenen Gebäudes vorging, darüber wollte die Familie nichts wissen. Die als Besitzerin der Liegenschaft eingetragene Mutter gab, der deutschen Sprache nicht mächtig, zu verstehen, das Gebäude hätte leer gestanden, sollte verkauft werden. Mann und Sohn wüssten mehr.

Der von Vorsitzendem Richter Marc Euler als Zeuge vernommene Sohn tat sich durch pampige Antworten und Arroganz hervor. Als er mit dem Angeklagten und der 21-Jährigen Frau konfrontiert wurde, behauptete der 30-Jährige: „Die kenne ich überhaupt nicht. Wenn sie das Gegenteil behaupten, lügen sie.“

Das mochten weder die schwer verbrannte 21-jährige Frau noch der Angeklagte so auf sich sitzen lassen. Die sechs Monate in einer Spezialklinik in Ludwigshafen behandelte Frau blieb bei ihrer Aussage, der 30-Jährige habe, wie sein Vater, die Miete von 500 Dollar pro Monat von ihr kassiert. Zum Teil auf sehr spezielle Weise.

Dies, ebenso wie das Verhältnis der Mutter von drei Kindern (zwei sind vom Angeklagten) zu ihrem Chef, sollen der Grund für die Eifersucht des Angeklagten gewesen sein. Und schließlich zu der Brandstiftung geführt haben. Davon ist zumindest die Anklage überzeugt.

Die junge Frau bestätigte, mit ihrem Chef und dessen Bruder ein engeres Verhältnis gehabt zu haben. Aber, betonte sie wortgewaltig, davon habe der Angeklagte nichts gewusst. Sein Verhalten gebe ihr immer noch Rätsel auf, denn er sei ja der Vater ihrer Kinder.

Aber sie habe ihn in Langen aus der von ihr bezahlten Wohnung geworfen, „weil der nie gearbeitet hat.“ Am Vortag der Brandstiftung sei es besonders schlimm für sie gewesen. Da habe er abends noch auf dem Bett gelegen, als sie von der Arbeit kam. Als es Abendessen geben sollte, wollte er nicht essen, sondern forderte nur Zigaretten von ihr. Da habe sie ihn aufgefordert, am nächsten Morgen zu seinem Freund nach Heusenstamm zu verschwinden. Weil er angeblich an Epilepsie leide, wurde der Angeklagte von Gutachter Peter Haag untersucht. Der fand für diese schwere Krankheit keine Anhaltspunkte.

Zur Startseite Mehr aus Kreise Offenbach/Groß Gerau

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen