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Flüchtlingsschicksale: „Ich schätze die Demokratie und die Freiheit“

Im Stadthaus lernen Flüchtlinge, in Deutschland zurecht zu kommen. Jeder von ihnen hat eine besondere und harte Geschichte zu erzählen, über die Flucht und das Leben.
Hessens Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner (rechts) war gemeinsam mit Carsten Müller, Sozialdezernent im Kreis Offenbach, zu Gast im Welcome-Center für Flüchtlinge in Offenbach. Gemeinsam beantworteten sie die Fragen der Teilnehmer aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Pakistan. Hessens Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner (rechts) war gemeinsam mit Carsten Müller, Sozialdezernent im Kreis Offenbach, zu Gast im Welcome-Center für Flüchtlinge in Offenbach. Gemeinsam beantworteten sie die Fragen der Teilnehmer aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Pakistan.
Kreis Offenbach. 

Sie kommen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder Pakistan. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie mussten ihre Heimat verlassen, wo Krieg herrscht und keine Perspektive bleibt, und sie werden in einem Kurs im Starthaus auf ein Leben in Deutschland vorbereitet. Aber letztlich sind es Einzelschicksale. Jeder der Menschen hat eine ganz eigene Fluchtgeschichte. Es ist berührend, mit diesen Leuten zu sprechen, die so viel Hoffnung und Zuversicht in ihren Neustart in Deutschland stecken und die meistens ihre Familien zurück gelassen haben.

 

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Das ist Ahmed Ali, der seit Dezember 2014 in Deutschland ist. Im Irak gehörte der 24-Jährige der Minderheitsreligion der Jesiden an und wurde dafür verfolgt. Einen Monat ist er zu Fuß bis zur türkischen Grenze gelaufen und wurde dann von Schleppern im Lastwagen nach Deutschland gebracht. „Meine Familie lebt noch in einem Flüchtlingslager im Nordirak. Ich hoffe, die schaffen auch den Weg hierher. Wir wollen hier in Freiheit und Sicherheit leben“, sagt der junge Mann.

 

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Roben Azra glaubt derzeit nicht, dass seine Familie nach Deutschland folgen kann. Zu gefährlich empfand er den Weg nach Deutschland. Der 22-Jährige hat in Syrien studiert, konnte aus Sicherheitsgründen sein Studium nicht fortsetzen – es gab keine Perspektive für den jungen Mann. „Wir haben in der Familie entschieden, dass ich die Flucht nach Europa antreten soll. Ich habe mich einem großen Risiko ausgesetzt“, erzählt er. Über Libyen und Ägypten ist er auf einem Boot über das Mittelmeer gekommen. Die Familie lebt jetzt in Libyen. „Ich bin seit neun Monaten hier. Ich werde es in Deutschland schaffen, ich werde mein Allerbestes geben“, sagt Roben überzeugt.

 

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Eine traumatische Geschichte erzählt der 50 Jahre alte Mohammad Eli. Als Regierungsbeamter unter Assad wurde er wegen einer Verwechslung im Mai 2011 verhaftet. Im Gefängnis wurde er mit Elektroschocks gefoltert, Knochenbrüche, Narben und Brandmale sind ihm geblieben. Auf einem Auge ist er fast blind. Als er frei kam, hat er mit seiner Familie beschlossen, zu fliehen. Mit seiner Frau und drei Kindern ist die Familie nach Ägypten gekommen. 13 Tage hat er mit 350 anderen Menschen auf einem 3 mal 20 Meter großen Boot auf dem Mittelmeer verbracht. „Wir wurden von italienischen Sicherheitskräften gerettet. Von Italien aus sind wir dann nach Deutschland gekommen. Ich schätze die Demokratie hier, die Freiheit und dass jeder seinen Glauben leben darf“, sagt der Mann.

 

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Eine besondere Geschichte hat auch Niasi Marabah. Die Afghanin kam sicher mit dem Flugzeug in Deutschland an. „Einer meiner sechs Söhne hat in Afghanistan für Deutschland gearbeitet, deswegen durften wir einreisen,“ erzählt die 46-Jährige.

Sie sei glücklich in Deutschland, wünscht sich jetzt nur noch, dass ihre jüngsten Söhne die Schule hier zu Ende machen dürfen. Sie selbst möchte vielleicht eines Tages wieder in einem Büro arbeiten. Genauso, wie sie es einst zuvor auch in ihrer Heimat einmal getan hat.

(njo)
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