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„Jossy“ Oswald: In ihm steckt ein bisschen Che Guevara

Der Walldorfer Herbert J. („Jossy“) Oswald (59) ist seit Jahrzehnten gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens und für Lärmschutz aktiv. Aber auch für Barrierefreiheit in der Doppelstadt macht er sich stark.
Passend zu seinem Lieblingszitat von selbigem wollte sich „Jossy“ Oswald gerne in seinem Haus vor einem Porträt von Che Guevara fotografieren lassen. Passend zu seinem Lieblingszitat von selbigem wollte sich „Jossy“ Oswald gerne in seinem Haus vor einem Porträt von Che Guevara fotografieren lassen.
Mörfelden-Walldorf. 

Wohl nur wenige Menschen in der Doppelstadt zeigen so viel gesellschaftliches Engagement wie Herbert J., genannt „Jossy“, Oswald. Bereits seit Jahrzehnten ist Oswald in Bürgerinitiativen und Bündnissen aktiv, die sich für mehr Lärmschutz und gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens einsetzen. Aktuell bringt Oswald seine wichtigste Forderung dezidiert auf den Punkt: „Wir wollen ein absolutes Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr, denn das Ohr schläft nicht“. Oswald verweist auf Studien, die gesundheitliche Schäden durch Fluglärm und Abgase nachgewiesen haben. „Wir müssen die Anzahl der Flugbewegungen auf 380 000 pro Jahr reduzieren und in dieser Höhe begrenzen.“

Die Nordwest-Landebahn solle geschlossen und das Terminal 3 nicht gebaut werden. „Billig-Airlines“ gehörten nicht an den Frankfurter Flughafen. Oswald nimmt regelmäßig an den sogenannten „Montagsdemos“ am Frankfurter Flughafen teil, die er früher sogar selbst organisiert hat, was aber aufgrund seiner schweren Erkrankung (Multiple Sklerose) nicht mehr möglich ist. Der gelernte Speditionskaufmann und Unternehmer, ihm gehört eine internationale Spedition, ist Vater einer Tochter und Großvater eines Enkelkindes. In den 1970er-Jahren hat Oswald seine Ausbildung am Flughafen absolviert. Er betont, sein heutiges Engagement stehe dazu in keinem Widerspruch, da er dem Flughafen Grenzen setzen, ihn aber nicht schließen wolle.

Zwischen dem enormen Siedlungsdruck im Rhein-Main-Gebiet und dem Flughafen sieht Oswald einen engen Zusammenhang. Der expandierende Flughafen ziehe immer mehr Mitarbeiter und Unternehmen an. Das führe zu einer beständig wachsenden Umweltzerstörung und einem hohem Grundwasser- und Flächenverbrauch.

Teufelskreis

Zudem würde bezahlbarer Wohnraum durch die hohe Nachfrage immer knapper. Immer mehr Gering- und Normalverdiener gerieten so unter Druck oder müssten sogar das Rhein-Main-Gebiet verlassen. Oswald sieht hierin einen Teufelskreis . Zudem könnten wohlhabende Bürger eher dem Fluglärm ausweichen, während Geringverdiener zunehmend nur noch in stark lärmbelasteten Gebieten bezahlbaren Wohnraum fänden.

Abgelehnt werden Oswalds Positionen von Fraport, aber auch von vielen Unternehmen, die vom Flughafen leben oder auf ihn angewiesen sind. Auch die meisten Parteien lehnen seine Vorstellungen ab oder sie gehen ihnen zu weit. Oswald ist enttäuscht, dass sich aus seiner Sicht viele Parteien mehr für Fraport und deren Aktionäre als für die Anwohner des Flughafens einsetzen würden.

Seit den 70er-Jahren ist Oswald gegen den Ausbau des Flughafens aktiv. Lange stand der Protest gegen die Startbahn West, die für die Doppelstadt eine große Lärmquelle ist, im Vordergrund. Auf die Frage, was sich in 30 Jahren Protest verändert habe, fallen Oswald viele Aspekte ein. „Wo sind die jungen Leute?“, fragt Oswald. Er verweist darauf, dass die Anti-Startbahn-West-Bewegung ein viel jüngeres Durchschnittsalter und mehr Teilnehmer hatte. Daher wäre ein Hüttendorf wie in den 1980er-Jahren heute kaum möglich. Insgesamt, so Oswald sei man angepasster. Der nimmermüde Ausbaugegner macht zudem auf einen inhaltlichen Unterschied aufmerksam: Bei der Startbahn West habe der Schutz des Waldes im Vordergrund gestanden. Heute stehe der Schutz vor Fluglärm, Abgasen und damit der eigenen Gesundheit, Lebensqualität und Existenz im Mittelpunkt. „Der Flughafen frisst sich wie ein Krebsgeschwür durch unsere Region.“

Trotzdem sieht Oswald den Kampf keinesfalls als vergeblich an: „Ohne unsere Proteste hätte Fraport längst viel stärker expandiert und es gäbe keinen Wald mehr und noch nicht einmal das kastrierte Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr“, ist Oswald überzeugt.

Friedensbewegung

Es würde zu kurz greifen, Oswald nur mit den Themen Flughafen und Fluglärm in Verbindung bringen. So hat er sich zum Beispiel auch in der Friedens- und der Anti-Atombewegung engagiert. In der Stadt hat er sich neben anderen Bürgern für den Bau der Begegnungs- und Gedenkstätte „Margit-Horváth-Zentrum“ erfolgreich eingesetzt. Umso mehr schmerzt es Oswald allerdings, der wegen seiner Krankheit auf einen Rollstuhl angewiesen ist, dass man die Gedenkstätte noch nicht barrierefrei besuchen kann – übrigens nicht der einzige Ort in Mörfelden-Walldorf, wie er sagt. Hier sieht er eine wichtige Aufgabe für die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Doppelstadt Liselotte Körner, deren Arbeit Oswald lobt. Auch hier sind dicke Bretter zu bohren, doch er macht sich Mut mit seinem Lieblingsspruch von Che Guevara: „Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.“

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