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Demonstration in Dreieich: Kleingärtner und Hühnerzüchter ihre grüne Oase gehen sie auf die Straße

Von Die erste Hürde für einen Bürgerentscheid ist geschafft. Die Kleingärtner und Hühnerzüchter überreichten gestern die Unterschriften gegen die Bebauung der Lettkaut.
Ein großer Pulk von Hühnerzüchtern, Gärtnern und Unterstützern marschierte gestern zum Rathaus. Sie wollen die Lettkaut als grüne Oase retten. Ein großer Pulk von Hühnerzüchtern, Gärtnern und Unterstützern marschierte gestern zum Rathaus. Sie wollen die Lettkaut als grüne Oase retten.
Dreieich. 

Um 15.30 Uhr knallen die Sektkorken vor dem Sprendlinger Rathaus, Birgit Desch und Günter Neukirch prosten sich zu, und der Vorsitzende des Kleingärtnervereins hebt den Kunststoffbecher zu den rund 40 Leuten, die ihn begleitet haben. Die Runde vor dem Sprendlinger Rathaus applaudiert. „Jetzt hoffen wir nur, dass es auch alles klappt und wir mit unseren Unterschriften einen Bürgerentscheid erreichen können.“

Birgit Deich (links) gönnt sich gemeinsam mit den Vereinskollegen ein Gläschen Sekt nach der Übergabe der Unterschriftenliste. Bild-Zoom
Birgit Deich (links) gönnt sich gemeinsam mit den Vereinskollegen ein Gläschen Sekt nach der Übergabe der Unterschriftenliste.

Gärtner, Hühnerzüchter und Unterstützer aus der Bevölkerung hatten sich gestern Nachmittag getroffen, um die in den vergangenen Wochen 3350 gesammelten Unterschriften zum Erhalt der Kleingärten an der Lettkaut im Sprendlinger Rathaus abzugeben. Mit Plakaten („Helft, die Vertreibung der Vereine zu stoppen“), Trillerpfeifen und den einheitlich dunkelgrünen Gärtnerschürzen ist die Gruppe vor das Amtshaus gezogen, um den Bau einer deutsch-chinesischen Fußballakademie und den Umzug der Strothoff International School auf dem Areal ihrer Gärten und Hühnerschläge zu verhindern.

Alles gut geprüft

Ende September hatten die Dreieicher Stadtverordneten mit dem Aufstellungsbeschluss für den „Sport-, Bildungs-, und Freizeitcampus Lettkaut“ den politischen Startschuss zur Planung gegeben. Die Realisierung – zumindest an diesem Ort – wollen Gärtner und Hühnerzüchter jetzt mit vereinter Kraft und der Unterstützung der Bevölkerung verhindern.

Günter Neukirch (von links), Wolfgang Bei und Thomas Sachs gaben beim Ersten Stadtrat Martin Burlon die 3350 Unterschriften ab. Bild-Zoom
Günter Neukirch (von links), Wolfgang Bei und Thomas Sachs gaben beim Ersten Stadtrat Martin Burlon die 3350 Unterschriften ab.

„Wir haben alle Formalien eingehalten, die geforderten Unterschriften sind erreicht, und wir haben alles gut geprüft. Eigentlich muss das reichen“, sagte Neukirch optimistisch. Um einen Bürgerentscheid zu erreichen, braucht die Initiative 3130 gültige Unterschriften von Dreieicher Bürgern. „Wir haben die 3350 offiziellen Unterschriften und haben aber auch noch 900 mehr dem Ordner beigelegt“, sagte Neukirch. „Aber da hatten wir anfangs ja vergessen, uns die Geburtsdaten von den Unterzeichnern eintragen zu lassen.“ Dennoch will er den Verantwortlichen im Rathaus zeigen, wie breit die Unterstützung der Dreieicher war.

Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) konnte den dicken, roten Ordner nicht persönlich entgegennehmen. Er musste wegen Krankheit seinen Vertreter Martin Burlon (parteilos) schicken. Der Erste Stadtrat kommt auch nach der Bitte der Vereinsvertreter vor die Tür. Er bedankt sich fair bei den engagierten Bürgern für ihren Einsatz: „Sie haben für ihre Sache gekämpft und waren in der Stadt präsent und haben eifrig Unterschriften gesammelt“, sagte Martin Burlon. Es sei richtig und auch wichtig seine Meinung zu artikulieren, auch wenn sie nicht der Meinung der politischen Mehrheit entspreche. „Davon lebt unsere Demokratie.“

Während sich Günter Neukirch eine Empfangsbestätigung mit der Unterschrift Burlons und einem Stadtstempel aushändigen lässt, kommen die ersten Fragen auf. Wie geht es weiter? Die Unterschriften werden jetzt im Rathaus geprüft. „Wir kontrollieren, ob die Unterzeichner tatsächlich alle wahlberechtigt sind und ob die Anzahl für ein Bürgerentscheid ausreicht“, erläuterte Thomas Müller, Wahlleiter und Chef des Ordnungsamts.

Formelle Zustimmung

In Dreieich wäre das Bürgerbegehren ein Novum für die Stadt, noch nie gab es einen Bürgerentscheid. In Hessen gebe es aber die Erfahrung, dass gut zehn Prozent der Unterschriften nicht gültig seien – damit wären Gärtner, Hühnerzüchter und ihre Unterstützer gescheitert. Falls aber alles korrekt ist, könnte die Stadtverwaltung Ende Februar eine Vorlage ins Stadtparlament für einen Bürgerentscheid geben. „Das ist dann auch keine politische Frage mehr. Wenn alle Anforderungen erfüllt sind, muss das Stadtparlament nur noch formell zustimmen, dass diese Entscheidung von den Bürgern an der Wahlurne getroffen wird“, erläutert Martin Burlon.

Müller rechnet fest damit, dass die Prüfung bis zur ersten Sitzungsrunde nach Weihnachten gelingt, dann muss die Stadt innerhalb von sechs Monaten einen Bürgerentscheid organisieren. „Wir glauben an die Zukunft unserer Gärten. Es geht für uns heute um so viel“, sagt Birgit Desch, während sie sich einen Schluck Sekt genehmigt. „Den haben wir uns jetzt auch wirklich verdient, nach den Aufregungen und Anstrengungen der vergangenen Wochen und Monate.“

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