E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

Tiere zu alt oder krank: Kranke Hunde und Katzen abgeschoben

Von So manches Herrchen trennt sich von Hund oder Katze, wenn sie alt oder krank werden. Die Besitzer wollen die Tierarztkosten nicht bezahlen.
Die 14-jährige Ninja (links) hat nur ein Auge, der elfjährige Benny wurde aus Altersgründen bei Claudia Vietmeier-Kemmler abgegeben. Bilder > Foto: Carmen Erlenbach Die 14-jährige Ninja (links) hat nur ein Auge, der elfjährige Benny wurde aus Altersgründen bei Claudia Vietmeier-Kemmler abgegeben.
Rüsselsheim. 

Die Zeiten, in denen das Tierheim in Königstädten erst nach Weihnachten von Abgabetieren überflutet wurde, sind vorbei. Weil sich mancher Tierhalter das Weihnachtsfest nicht mit einem alten und/oder kranken Tier vermiesen möchte, werden neuerdings immer mehr gebrechliche Hunde und Katzen schon in der Adventszeit im Tierheim abgeliefert.

Einst wurden sie geliebt und waren sie der Mittelpunkt der Familie. Doch sobald mancher Vierbeiner alt oder krank wird, ist es anscheinend mit der Tierliebe vorbei. Dann wird er noch vor den Feiertagen herz- und gnadenlos ins Tierheim abgeschoben. „Dafür habe ich kein Verständnis“, meint Claudia Vietmeier-Kemmler, die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Anders gestalte sich die Situation, wenn ein Tier abgegeben werde, weil es Herrchen oder Frauchen aus Altersgründen oder eigener Gebrechen nicht mehr halten könne.

Schon vor dem ersten Advent hat sich die Herrschaft der 14-jährigen Shitzu-Mischlingsdame Ninja (mit nur noch einem Auge) im Tierheim entledigt. Mit ihr wurde auch gleich der elfjährige Benny abgegeben, weil er der Familie zu alt geworden ist. Am Mittwoch kam mit Lupo ein weiterer Shitzu-Mischling hinzu. 15 Jahre war er als treuer Begleiter seiner Besitzerin recht, nun weiß er nicht mehr ein noch aus vor lauter Heimweh und läuft apathisch ständig rein und raus.

Eine Woche vor dem ersten Advent wurde in Mörfelden ein einjähriger Rottweiler ausgesetzt. Solange er klein und knuddelig war, wurde er geliebt, nun sitzt der lammfromme und verschmuste Listenhund im Tierheim.

 

Menschen sind überfordert

 

„Die Menschen sind heutzutage überfordert und nicht mehr belastbar. Sie sind egoistisch geworden“, so Vietmeier-Kemmler. Die Beziehungsstrukturen hätten sich geändert. In 40 Prozent aller Haushalte lebten Singles, die sich nicht mit einem kranken und pflegebedürftigen Tier abmühen könnten. Dennoch betont sie, dass sie lieber abgestoßene Tiere aufnehme, als dass sie ausgesetzt würden und womöglich Unfälle erlitten.

Die Vermittlung alter Tiere gestalte sich besonders schwierig. Nur etwa 30 bis 40 Interessenten für jeweils rund 500 Hunde und Katzen im Jahr seien bereit, ein älteres Tier bei sich aufzunehmen. Viele Interessenten scheuten davor zurück, weil sie beispielsweise erst ein Tier verloren haben und mit der Aufnahme eines alten Tieres nicht noch einmal einen womöglich baldigen Verlust riskieren wollten.

Für ein altes Tier erhebt das Tierheim laut Vietmeier-Kemmler keine Vermittlungsgebühren. Sie sei dankbar, wenn ein Senior überhaupt noch ein gutes und liebevolles Zuhause finde.

Für acht alte Katzen, die im Tierheim abgegeben wurden, arbeite es zurzeit mit drei Pflegestellen zusammen. Dort wurden die Samtpfoten stabilisiert. Finde sich kein Interessent, so verblieben die Katzen bis zu ihrem Tod in der Pflegestelle. In der Adventszeit wurden auch zwei Rehpinscher im Tierheim abgegeben. Die 13-monatige Hündin Hanna musste bis dahin eine Woche mit einem komplizierten und schmerzhaften Bruch an der Wachstumsfuge eines Vorderbeins leben, weil die Herrschaft aus Kostengründen mit dem Hund keinen Tierarzt aufsuchte.

In derselben Woche kam noch ein eineinhalbjähriger Rehpinscher namens Clooney ins Tierheim, der sich nach einem Unfall das gesamte Vorderbein aufgebissen hatte und nun operiert wurde. Auch sein Frauchen hatte keine Kosten für den Tierarzt investiert.

 

Hannes geriet in die Falle

 

Sorgen bereitet Vietmeier-Kemmler auch ein dreijähriger roter Kater namens Hannes, der unlängst bei Bischofsheim in eine 30 Zentimeter und etliche Kilo schwere Wildtierfalle geraten war. Er schleppte sich mit ihr auf der Suche nach Hilfe an der Autobahn entlang. Rüsselsheimer Polizeibeamten halfen mit Uta Myres vom Vorstand des Tierschutzvereins, das Tier einzufangen. Noch steht nicht fest, ob seine Pfote gerettet werden kann. Er wird in einer Tierklinik behandelt.

Vietmeier-Kemmler weist darauf hin, dass Tiere werktags zwischen 8.30 und 16.30 Uhr im Tierheim abgegeben werden können.

Zur Startseite Mehr aus Kreise Offenbach/Groß Gerau

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen