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Foodsharing: Lebensmittel teilen statt wegwerfen

Von Wer weiß, dass er etwas nicht mehr aufbrauchen kann, der kann seine Lebensmittel in einen öffentlichen Kühlschrank deponieren. So soll Müll vermieden werden.
Vera Dinter, von der Koordinationsstelle „Willkommen im Quartier“ hatte die Idee zum Foodsharing-Kühlschrank im Stadtteilzentrum in Sprendlingen. Nico Hauser hat als Foodsharing-Botschafter die Idee zur Umsetzung unterstützt. Vera Dinter, von der Koordinationsstelle „Willkommen im Quartier“ hatte die Idee zum Foodsharing-Kühlschrank im Stadtteilzentrum in Sprendlingen. Nico Hauser hat als Foodsharing-Botschafter die Idee zur Umsetzung unterstützt.
Dreieich. 

Ein mit Lebensmitteln prall gefüllter Kühlschrank, an dem sich jeder bedienen kann – egal ob jung oder alt, reich oder arm. Das einzige was zählt, ist die Idee, dass die Lebensmittel vor dem Mülleimer „gerettet“ werden. Noch ist der Kühlschrank im Erdgeschoss des Stadtteilzentrums fast leer. Aber vom kommenden Dienstag, 17. Oktober, an startet das Projekt „Foodsharing“ in Sprendlingen offiziell. Dann können die Dreieicher in der Hegelstraße 101 täglich Lebensmittel abgeben, die sie selbst nicht mehr verbrauchen können, und auch dort abholen.

Hygienische Bestimmungen

Es gibt eine EU-Richtlinie für den Umgang mit Lebensmitteln für öffentliche Einrichtungen. Hinter dem Paragrafen 852/2004 verbergen sich ein paar sehr allgemein gehaltene grundsätzliche Regeln.

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„Ich kenne das Konzept Foodsharing von meiner Studentenzeit in Fulda. Dort hatten wir auch einen solchen Kühlschrank, und das hat wunderbar funktioniert. Ich bin sicher, dass das auch hier bei uns klappt“, meint Vera Dinter zuversichtlich. Die Mitarbeiterin der Koordinierungsstelle „Willkommen im Quartier“ hat den Kühlschrank mit Fördergeld des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration finanziert und schon im Dezember vergangenen Jahres bestellt. In den vergangenen Monaten, seit das Stadtteilzentrum im April eröffnete, standen andere Dinge im Mittelpunkt. Jetzt ist es Zeit für die Lebensmittel.

Gelebter Klimaschutz

„Das Haus ist perfekt für dieses Projekt. Wir sind jeden Tag hier, können den Kühlschrank jeden Tag kontrollieren. Und es kommen so viele Menschen hier rein. Und in dem Viertel leben auch so viele Leute.“ Sie selbst hat dann auch endlich Abnehmer für die vielen Zucchini, die im heimischen Garten wachsen und die sie gar nicht alle essen kann, berichtet sie lachend. Fachdienstleiterin Ellen Grohe war schnell von der Idee überzeugt und auch Klimaschutzmanagerin Anika Jung ist mit im Boot. „Das ist gelebter Klimaschutz. Hier kann jeder ganz leicht dazu beitragen, um etwas für die Umwelt zu tun, und alle Seiten profitieren von diesem Projekt“, ist Jung überzeugt.

Mit Nico Hauser hat Vera Dinter einen erfahrenen Partner zur Umsetzung des Foodsharings gewonnen. Er betreut als Botschafter des Vereins Foodsharing inzwischen schon rund zehn öffentlich zugängliche Kühlschränke in Stadt und Kreis Offenbach. „Das System funktioniert hervorragend und fußt auf zwei Standbeinen. Zum einen bringen Bürger aus der Nachbarschaft regelmäßig Lebensmittel in den Kühlschrank und das bald aufgestellte Regal. „Das sind meist angepackte Sachen. Vielleicht neun Pakete Hirse, wo jemand ein Zehnerpack gekauft hat, und ihm die Hirse dann doch nicht schmeckt. Oder eine Flasche verschlossene Grillsoße, die von der letzten Party übrig geblieben ist und die in der Familie niemand mag“, erzählt Hauser aus seiner Erfahrung.

Keine Konkurrenz zur Tafel

Punkt Nummer zwei ist die Belieferung von ehrenamtlichen Mitarbeitern von Foodsharing. Sie fahren Supermärkte in der Region an und liefern dann Obst, Gemüse und Backwaren ins Stadtteilzentrum. „Wir kooperieren mit Kaufland in Rödermark und zwei Bäckereien in Dietzenbach und Rödermark.“ Wichtig ist Hauser zu betonen, dass Foodsharing keinesfalls in Konkurrenz mit der Tafel tritt. „Die Mitarbeiter von der Tafel fahren meist die größeren Märkte an und wir sprechen uns auch ab.“ Außerdem ist der Trend des Essenteilens kein vornehmlich soziales Projekt. Vielmehr gehe es um Umweltschutz.

50 Prozent der Lebensmittel in Deutschland werden weggeschmissen, weiß der Foodsharing-Experte. Viel Obst und Gemüse schaffe es nicht mal vom Bauernhof runter, weil das Einzelstück zu klein, zu groß oder zu krumm ist. In der nächsten Stufe werde in den Supermärkten viel weggeworfen. Auch die Endverbraucher entsorgen viel zu viel Essen im Abfall. „Das ist betriebswirtschaftlicher und ökologischer Wahnsinn“, weiß Nico Hauser, „denn Lebensmittel zu produzieren, erfordert viele Ressourcen, viel Wasser, viel Fläche, viel Energie, auf dem Transportweg, bei der Kühlung. Ganz davon abgesehen, dass Tiere sterben, die hinterher im Abfall landen“, wirbt er dafür, viel mehr Lebensmittel zu retten.

Um das Essen-Teilen in Sprendlingen in Schwung zu bringen, hat sich Vera Dinter eine schöne Aktion zum Auftakt am Dienstag, 17. Oktober, ausgedacht: Die ehrenamtlichen Helfer füllen den Kühlschrank am Dienstag erst einmal richtig auf. Zwischen 17.30 und 20 Uhr wird in der großzügigen Küche des Stadtteilzentrums anschließend gemeinsam gekocht und dann auch gegessen. Dinter hofft so, möglichst viele künftige Lebensmittelspender und -abholer für das Foodsharing zu gewinnen.

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