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Ärger mit Busbetreiber Viabus: Rollstuhlfahrer stürzte beim Ausstieg aus einem Bus

Von Zwischen Jörg Oster (38) und dem Busbetreiber Viabus knirscht es schon seit vielen Jahren. Der Gravenbrucher berichtet immer wieder von Beleidigungen, aggressiver Behandlung und Nichtbeachtung seiner Bitte, beim Ausstieg den Bus abzusenken. Umgekehrt gilt der Rollstuhlfahrer beim Busbetreiber als Querulant, dem man es nicht Recht machen kann. Jetzt eskalierte die Situation.
Macht Immer wieder schlechte Erfahrungen mit dem Viabus: Der Gravenbrucher Jörg Oster.  Archivfoto: Nicole Jost Macht Immer wieder schlechte Erfahrungen mit dem Viabus: Der Gravenbrucher Jörg Oster. Archivfoto: Nicole Jost
Neu-Isenburg. 

Was Jörg Oster, seit seiner Kindheit nach einer Beinamputation auf den Rollstuhl angewiesen, am Montagmittag widerfuhr, war ein Unglück mit Ansage. Wie so oft fuhr er im vom Unternehmen Viabus in Speyer betriebenen Stadtbus auf der Linie X 19 vom Isenburg-Zentrum zurück zu seinem Wohnort Gravenbruch. Und wie so oft verlief die Kommunikation mit dem Fahrer vom Einstieg an frostig: „Ich bat ihn, seinen Bus abzusenken, was er erstmal ignorierte mit der Begründung, das könne er nicht“. Nach längerem Hin und Her habe er den Niederflurbus doch abgesenkt, ein Fahrgast die Rampe ausklappt und der Fahrer ihn reingeschoben.

Beim Ausstieg an der Station „Forsthaus“ eskalieren nach Schilderung Osters die Dinge: Auf seine Bitte, den Bus vor dem Ausstieg abzusenken, reagiert der Fahrer unwirsch, schiebt ihn mit nur einer Hand die Rampe herunter. „Ich bat ihn, mich doch mit zwei Händen festzuhalten“, berichtet Oster. „Doch er schrie mich nur an, ich solle ihn nicht belehren.“ Das Übel nimmt seinen Lauf: Auf dem Weg die Rampe herunter stürzt Oster aus dem Rollstuhl, schlägt mit den Armen zuerst auf den Asphalt auf.

Taubheit in den Armen

„Sie waren wie taub und blau angelaufen. Ich stand unter Schock, fühlte mich völlig hilflos.“ Passagiere hätten den Fahrer erst bitten müssen, einen Krankenwagen zu benachrichtigen. Die Sanitäter bringen ihn die Frankfurter Uniklinik. Dort werden seine Prellungen und Abschürfungen behandelt. Glück im Unglück: Oster erleidet keine schlimmeren Verletzungen und kann die Klinik nach ein paar Stunden wieder verlassen.

Was bleibt und weit schwerer wiege als die paar Hundert Euro Reparaturschaden an seinem Rollstuhl, sei das Gefühl der Ohnmacht: „Ich weiß wirklich nicht, was ich noch tun kann“. Etliche Beschwerden habe er über die Jahre geschrieben, auf Initiative von Bürgermeister Herbert Hunkel sogar – gemeinsam mit Viabus-Fahrern – zwei Schulungen zum sicheren Ein- und Ausstieg erhalten. Vergeblich, wie er sagt: „Am nächsten Tag an der Bushaltestelle hielt sich der Fahrer einfach nicht mehr daran, was er in der Schulung noch richtig gemacht hatte.“ Die Situation, da ist er sich sicher, sei „völlig eingefahren: Bei Viabus bin ich als Querulant im Rollstuhl abgestempelt, dem man es einfach nicht Recht machen kann.“

Hunkel mit guter Nachricht

Das bestätigt auch die Reaktion von Viabus-Geschäftsführer Heiko Schütte auf Anfrage dieser Zeitung. „Ich kenne den konkreten Fall nicht“, sagte Schütte. „Aber ich kenne Herrn Oster und möchte nur so viel sagen: Unser Unternehmen hat keinerlei Schwierigkeiten mit behinderten Passagieren – außer mit Herrn Oster.“ Der betont wiederum im Gegenzug, dass er „immer nur mit Viabus Probleme“ habe. Wenn er in Städten wie Frankfurt, Heidelberg oder Darmstadt sei, liefe alles bestens: „Dort reagieren die Busfahrer freundlich auf meine Bitte, den Bus für mich abzusenken, und helfen mir beim Ein- und Ausstieg“.

Unterstützt wird diese These durch Stadtwerke-Chef Kirk Reineke, der über die lange Kette unangenehmer Erlebnisse zwischen Oster und Viabus seit längerem im Bilde ist: „Das ist meiner Meinung nach ein ganz spezielles Problem mit dem Personal dieses einen Busbetreibers.“ Zum Oktober wechsele bei Viabus die Geschäftsführung. Das wolle Reinecke zum Anlass nehmen, mit den neuen Vertretern des Unternehmens zu reden. Er habe in seiner Karriere „noch keinen Fall erlebt, wo sich etwas derart hochgeschaukelt hat“, so Reineke.

Wenigstens teilweise gute Nachrichten hatte Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel für Jörg Oster: „Bei den neuen Ausschreibungen für die Stadtbusse wird die Firma Viabus nicht mehr zum Zuge kommen – da bin ich froh drüber“. Mitte nächsten Jahres werde der Neustart beginnen. „Als mir Herr Hunkel davon erzählte“, verrät Oster gegenüber dieser Zeitung, „habe ich vor Freude geweint.“ Allerdings nutzt er für seine Fahrten nach Frankfurt oft die Linie OF-50. Sie fällt in die RMV-Zuständigkeit – hier dürfte Viabus auch weiterhin verkehren.

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