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Projekt „Keiner fällt durchs Netz“: Sie hilft jungen Familien: Hebamme Eveline Weyel steht Eltern zur Seite

Von Während der Schwangerschaft und nach der Geburt eines Kindes finden sich Eltern oft in einer ungewohnten Situation wieder. Dann kommt Hebamme Eveline Weyel zum Einsatz. Sie unterstützt und berät, wo sie kann.
Eveline Weyel liest der kleinen Lilli eine Geschichte vor. So hat Mutter Susanne R. ein wenig Zeit für sich. Eveline Weyel liest der kleinen Lilli eine Geschichte vor. So hat Mutter Susanne R. ein wenig Zeit für sich.
Kreis Offenbach. 

Die kleine Lilli zieht mit Schnuller im Mund, einem Buch unter dem Arm und einer lustigen Watschelente auf Rollen durch das geräumige Wohnzimmer im Einfamilienhaus am Stadtrand. Die Kleine brabbelt vergnügt vor sich hin, während sich ihre Mutter Susanne mit ihrer Hebamme Eveline Weyel bei einem Kaffee am Esstisch unterhält. Auch wenn Lilli schon knapp über ein Jahr alt ist, hilft Weyel der jungen Mutter noch bei wichtigen Fragen und Unsicherheiten.

Ein bis zwei Mal in der Woche kommt die Fachfrau in das Haus der Familie, ist eine wichtige Ansprechpartnerin für die Mutter, wirft ein Auge auf die Entwicklung von Lilli und kann auch den ein oder anderen hilfreichen Tipp für den Alltag mit dem Kleinkind geben. „Es geht immer um die Beratung. Wie bringe ich das Kind zum Schlafen, wie gehe ich mit kleinen Wutanfällen um, was kann die Mutter mit dem Kleinkind unternehmen, um den Alltag abwechslungsreich und doch strukturiert zu gestalten?“, erklärt die Hebamme.

Instrument der Prävention

Susanne R. hat mit Eveline Weyel eine Familienhebamme aus dem Programm des Kreises Offenbach „Keiner fällt durchs Netz“ in Anspruch genommen. „Wir sehen das als ein wichtiges Instrument der Prävention“, erklärt Weyel, „wir werden von Gynäkologen, Kinderärzten, Beratungsstellen wie beispielsweise der Pro Familia, aber auch vom Jugendamt vermittelt.“ Sie wolle helfen, bevor die Familie in eine ausweglose Situation gerät. Manchmal ist der Weg direkter – bei Susanne R. war Weyel die betreuende Hebamme.

Das Betreuungsangebot „Frühe Hilfen“

Das Projekt „Frühe Hilfen Kreis Offenbach – Keiner fällt durchs Netz“ feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Es wurde im Jahr 2007 unter der Leitung von Prof. Dr.

clearing

„Mir ging es nach der Geburt unserer sehr gewünschten Töchter ganz hervorragend. Ich war sehr euphorisch und glücklich. Die Probleme fingen erst an, als die Kleine fünf, sechs Wochen alt war“, erzählt die junge Mutter. Das Baby schrie ununterbrochen – bis zu acht Stunden am Stück. „Ich war komplett überfordert, ich wusste mir nicht zu helfen und hatte ständig das Gefühl, ich bin keine gute Mutter“, berichtet die junge Frau. Nach einem Heulkrampf vor ihrer Hebamme, den Susanne R. heute selbst als „kleinen Nervenzusammenbruch“ bezeichnet, vermittelt ihr Eveline Weyel eine Frankfurter Tagesklinik für Frauen, die an einer postpartalen Depression leiden. „Ich hatte Schwierigkeiten damit, Hilfe anzunehmen, mein perfektionistischer Anspruch an mich selbst war es, alleine mit meinem Baby zurechtzukommen. Ich wäre selbst nie auf die Idee gekommen, dass ich unter einer postpartalen Depression leiden könnte“, erzählt Susanne R.

Strukturierte Abläufe

Die Familie ist weit weg und der Ehemann war tagsüber arbeiten. Da bietet der strukturierte Ablauf in der Klinik einen wichtigen Anker. Neun Wochen ist Susanne R. mit Lilli jeden Tag nach Frankfurt gefahren. Danach besucht Eveline Weyel die Familie zwei Mal in der Woche Zuhause. „Ich bin gekommen, um sie zu unterstützen. Eigentlich vor allem, um sie zu bestärken. Denn Susanne hat vieles sehr gut gemacht und war einfach nur sehr unsicher“, sagt Weyel. Da muss Susanne R. lachen. „Ja, das ist bis heute noch ein bisschen so. Ich weiß einfach manchmal nicht, was ist richtig, was ist falsch. Da bin ich total froh, dass ich eine Fachfrau fragen kann, die sehr viel Erfahrung hat“, ist sie dankbar.

Susanne R. sei sehr offen für die Beratung gewesen, das sei nicht immer so, betont Eveline Weyel. „Natürlich sehen wir auch ganz extreme Fälle. Da kommen wir wegen dem fünften Baby in die Familien. In der Wohnung stehen drei übergelaufene Aschenbescher, und vier Hunde rennen durch die Drei-Zimmer-Wohnung. Aber auch diese Frauen lieben ihre Babys. Ich habe auch schon mit Frauen in einem Methadon-Programm gearbeitet oder war als Familienhebamme bei Teenager-Eltern. Aber kein Fall ist wie der andere.“ Sie werte niemals die Situation und die Menschen. „Ich versuche in jeder Familie nach Lösungen zu suchen, die möglichst alle Familienmitglieder entlastet, so dass die Babys eine gute Entwicklung nehmen können.“

Wichtig sei das persönliche Vertrauensverhältnis zwischen der Mutter und der Hebamme, dass die Frauen offen sprechen, die Probleme benannt werden und Weyel mit Beratungs- und Hilfeangeboten für die Familien möglichst viel tun kann. Bis zu eineinhalb Jahre lässt sich die Hilfe durch eine Familienhebamme verlängern. Dann nimmt Weyel Abschied. „In den meisten Familien ist die Entwicklung dann auf einem guten Weg“, sagt sie. Unterschiedliche Hilfe und Beratungsoptionen gebe es aber auch darüber hinaus. Weyel berät junge Mütter in einer offenen Sprechstunde des Kinderschutzbundes Kreis Offenbach. Jeden Montag zwischen 10 und 12 Uhr ist sie in den Räumen des Familienzentrums, Kurt-Schumacher-Straße 6, in Neu-Isenburg.

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