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Vor 120 Jahren: So kam der Strom nach Neu-Isenburg

Von Was heute selbstverständlich und allgegenwärtig ist, war damals eine echte Revolution: Im Jahr 1898 hielt die Elektrizität Einzug in die Hugenottenstadt. Dabei legten sich die Monteure ganz besonders ins Zeug, damit zumindest einige Bewohner pünktlich zum Weihnachtsfest vom technischen Segen profitieren konnten.
120 Jahre Stadtwerke Neu-Isenburg 120 Jahre Stadtwerke Neu-Isenburg
Neu-Isenburg. 

Während andere Städte und Gemeinden jahrelang darüber stritten, ob nun auf Strom oder Gas als Energieform der Zukunft zu setzen sei, herrschte in Neu-Isenburg anno 1898 Einigkeit in dieser Entscheidung. Waren die Stadtväter doch davon überzeugt, „dass der Elektrizität eine größere Bedeutung zukomme“, wie es in der Broschüre heißt, welche die Stadtwerke 1998 zum 100-jährigem Bestehen herausgaben.

Für die Planung eines Elektrizitätswerks konnten sie Professor Erasmus Kittler von der Technischen Hochschule in Darmstadt gewinnen, seines Zeichens Inhaber des ersten Lehrstuhls für Elektrotechnik in Deutschland, Sein Gutachten öffnete die Tür für die am 10. Februar 1898 vom Gemeinderat getroffene Entscheidung, in der heutigen Beethovenstraße ein Elektrizitäts- und Wasserwerk in der Stadt zu errichten. Die Firma Lahmeyer erhielt den Auftrag, die Kosten beliefen sich auf 380 000 Mark.

Pionier in der Region

Nach nur zehn Monaten Bauzeit ging das E-Werk am 15. Dezember 1898 in Betrieb, parallel dazu wurde ein elektrisches Verteilernetz mit 187 Hausanschlüssen verlegt. „An manchen Stellen waren die Monteure noch bis spät in die Nacht beschäftigt“, meldete das Neu-Isenburger Anzeigenblatt in seiner Ausgabe vom 28. Dezember 1898, „um wenigstens einem Teil der Einwohnerschaft es möglich zu machen, während der Feiertage ihre Wohnungen mit dem langersehnten elektrischen Licht erleuchten zu können.“ Damit wurde die Hugenottenstadt zum Pionier: Als erste Gemeinde im Raum Stadt und Kreis Offenbach konnte sie mit einer eigenen Stromversorgung aufwarten.

Das E-Werk mit Wasserturm befand sich in der heutigen Beethovenstraße. Bild-Zoom
Das E-Werk mit Wasserturm befand sich in der heutigen Beethovenstraße.

Gleichstromgeneratoren mit einer Leistung von jeweils 30 Kilowatt erzeugten bereits im Gründungsjahr Strom für 2187 Glühlampen, vier Bogenlampen und drei Motoren. Zwei davon trieben die beiden Kreiselpumpen des zur gleichen Zeit in Betrieb gegangenen Wasserwerks an. Die Pumpen förderten stündlich 100 Kubikmeter Wasser. Sechsspännige Fuhrwerke karrten aus Frankfurt große Mengen an Steinkohle nach Neu-Isenburg, die als Energieträger für die Dampferzeugung verwendet wurden. Ein 30 Meter hoher Schornstein überragte die Kesselanlage.

Zeitgenossen feierten das Elektrizitätswerk als große Errungenschaft. Wenn jeden Abend um 23 Uhr der maschinelle Betrieb des Stromwerks eingestellt wurde, erzeugte eine Akkumulatorenbatterie, die am Tage wieder aufgeladen wurde, die danach noch benötigte elektrische Energie. Wie die Chronik weiß, ging die Stelle eines ersten Maschinisten auf Empfehlung von Professor Kittler an einen Mann namens Arthur Herzig. Der erhielt ein Gehalt von 130 Mark – obendrauf gab’s eine kostenlose Dienstwohnung.

Elektrizität war damals ein verhältnismäßig teures Gut: Strom für Glühlampen etwa wurde entsprechend der Satzung aus dem Jahr 1901 zu einem Preis von 50 Pfennigen je Kilowattstunde an den Verbraucher abgegeben. Das entsprach etwa dem Stundenlohn eines Maurers oder Schlossers. Gewerbetreibende erhielten Motorenstrom für 25 Pfennige pro Kilowattstunde.

Beleuchtete Straßen

Da vor allem Industriebetriebe immer mehr Strom beanspruchten, musste schon anno 1901 die Kessel- und Maschinenanlage erheblich vergrößert werden. Ein erheblicher Teil der Kraftwerksleistung kam von Anfang an der Straßenbeleuchtung Neu-Isenburgs zugute – die Stadtväter legten besonderen Wert darauf. Im Mai 1906 schloss die Stadt mit der „Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion Main“ einen Vertrag über die Lieferung von Gleichstrom für die elektrische Beleuchtung des seit 1852 bestehenden Personenbahnhofs in Neu-Isenburg.

Bald zeigte sich, dass die Entscheidung für den elektrischen Strom richtig war und sich rentierte: Die rasche Zunahme der angeschlossenen Motoren kurbelte die Wirtschaft an. Und schon im ersten Betriebsjahr konnte ein Überschuss von 8000 Mark an die Stadtkasse abgeführt werden.

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