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Flüchtlingsarbeit: So kann Integration gelingen

Von Auch wenn die meisten Flüchtlinge aus Neu-Isenburg nun nach Frankfurt-Fechenheim umgezogen sind, die Flüchtlingsarbeit muss laut Bürgermeister Herbert Hunkel weitergehen. Die Stadt will für sie daher auch in den Sommerferien Deutschkurse anbieten.
Bürgermeister Herbert Hunkel begrüßte die interessierten Teilnehmer des Informationsabends über die Flüchtlingsarbeit. Bilder > Bürgermeister Herbert Hunkel begrüßte die interessierten Teilnehmer des Informationsabends über die Flüchtlingsarbeit.
Neu-Isenburg. 

Aus den Augen aus dem Sinn, so lautet ein bekanntes Sprichwort. Genau dies soll in Sachen Flüchtlingsarbeit, die bisher in Neu-Isenburg von allen Seiten als vorbildlich bezeichnet wurde, nicht passieren. Aufgrund der im Sommer vergangenen Jahres eingerichteten Erstaufnahmestätte für Flüchtlinge in der Rathenaustraße rückte auch die Flüchtlingsarbeit in der Hugenottenstadt in den Fokus der Öffentlichkeit – obwohl es diese schon seit vielen Jahren zuvor gab. Nun wurden, Anfang Juni (die FNP berichtete), die Flüchtlinge aus der Rathenaustraße in eine neu geschaffene Einrichtung auf dem ehemaligen Neckermann-Gelände in Frankfurt-Fechenheim umgesiedelt. Die Unterkunft in Neu-Isenburg steht seit dieser Zeit leer und soll auch nicht wieder „aktiviert“ werden.

Vorbildliches Engagement

Viele Neu-Isenburger hatten sich, zusätzlich zur bereits seit vielen Jahren aktiven Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg, für die geflüchteten Menschen engagiert. Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) hat über die städtische Verwaltung viele Initiativen angestoßen und für eine Koordination gesorgt. Dieses Neu-Isenburger Engagement wurde als „vorbildlich“ gelobt. Wenngleich die Einrichtung in der Hugenottenstadt geschlossen wurde, gibt es dennoch weiterhin großen Bedarf, die der Stadt Neu-Isenburg fest zugewiesenen „Flüchtlinge“ zu betreuen. Für den Rathauschef sind diese Menschen „Neubürger“, die möglichst schnell in das gesellschaftliche Miteinander, aber auch in die Arbeitswelt integriert werden sollen. Dazu gab es nun eine Infoveranstaltung in der Hugenottenhalle, die leider nicht die erwartete Resonanz fand; es waren nur etwas mehr als 60 Bürger gekommen.

Herbert Hunkel erinnerte noch einmal an den überraschenden Anruf von Landrat Oliver Quilling (CDU), der ihn auf dem Flughafen im südlichen Italien erreichte: „Wir bekommen eine Erstaufnahmeeinrichtung für 700 Flüchtlinge“, so die kurze Mitteilung. Von da an war Hunkel der „Anwalt“ für die geflüchteten Menschen, die in „seiner“ Stadt eine erste Bleibe fanden. „Die Erstaufnahmestätte ist zwar geschlossen, aber wir haben bereits 231 zugewiesene Neubürger und es werden in diesem Jahr noch mehr kommen – diese brauchen eine optimale Betreuung und diese wollen wir ihnen auch bieten“, so Hunkel.

Er zeigte sich nachhaltig beeindruckt von der überwältigenden Hilfsbereitschaft und dankte allen, die sich bisher in vorbildlicher Weise zum Wohle der geflüchteten Mitmenschen eingebracht haben. „Es gibt nichts Schlimmeres für einen Menschen, der arbeiten und sich in die Gesellschaft einbringen will, aber dies nicht darf oder nicht kann“, zielte Hunkel sowohl auf gesetzliche Vorgaben aber auch auf fehlende Sprachkenntnisse ab. Hunkel sah in der Sprachförderung und der Suche nach möglichen Beschäftigungsangeboten die dringlichsten Aufgaben, um eine rasche Integration zu erreichen. „Wir bieten seitens unserer Verwaltung viele Angebote, aber wir sind auch auf ihre Mithilfe angewiesen, damit unser Vorhaben, die Neubürger in unserer Stadt möglichst schnell zu integrieren und sie an unserer Gesellschaft teilhaben zu lassen, zum Erfolg führt“, betonte Bürgermeister Herbert Hunkel eindringlich.

Wichtige Partner

Ganz wichtige Partner bei der Betreuung von Flüchtlingen waren und sind immer noch die Kirchen. Hier berichteten Alexander Gerstenberger-Vogt von der Stadt Neu-Isenburg sowie Marisa Kirsch von der Diakonie, wie das Zusammenspiel funktioniert und wie es noch erfolgreicher fortgeführt werden soll. Als besondere Aktion hob Kirsch, dass die Ferienzeit für die Sprachkurse überbrückt werde. „Gerade wenn man eine Sprache lernt, sind sechs Wochen Pause eine verlorene Zeit“, betonte die Diakonie-Vertreterin und verwies auf die Suche nach Sprach-Paten. Wie Alexander Gerstenberger-Vogt bestätigte, gibt es ein „Sommerprogramm“ für den Sprachunterricht. Dafür stehen in den kommenden sechs Wochen die Räume im Jugendbüro zur Verfügung.

Ganz wichtig ist für ihn aber auch das Engagement der Firmen. Weil Klinken bei vielen Unternehmen geputzt wurden, konnten bisher 29 Praktika, von denen bereits neun in Festanstellungen mündeten, erreicht werden, weiß Gerstenberger-Vogt. Boris Berner, Leiter des Arbeitsmarktbüros ProArbeit im Kreishaus Dietzenbach, zeigte die gesetzlichen Ansprüche und Förderungen von bereits anerkannten Flüchtlingen und noch auf ihre Anerkennung wartenden geflüchteten Menschen auf. „Wir haben im Kreis Offenbach derzeit rund 3300 Flüchtlinge, die möglichst schnell integriert werden müssen“, so Berner. „Derzeit scannen wir Kenntnisse, um mögliche Beschäftigungsfelder auswählen zu können“, erklärte Berner. Jemanden in den Arbeitsmarkt zu bringen, sei kein Sprint, sondern ein Hürdenlauf, „der bis zu fünf Jahre dauern kann“.

Michael Kaul, Heide Enfield und Pfarrer Matthias Loesch, Sprecher des Netzwerkes für Flüchtlinge Neu-Isenburg, berichteten ebenfalls von ihren Aktivitäten in den „Gesprächskreisen“ oder dem „Café Grenzenlos“. Deutsch-Lehrerin Isabelle Schachermayer lud alle, die sich als Vermittler der deutschen Sprache einbringen wollen und jene Flüchtlinge, die Deutsch lernen wollen, für morgigen Dienstag von 10 Uhr an in das Jugendbüro Neu-Isenburg, Hugenottenallee 88, ein.

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